14/11/2025
DIE AfD und UNGARN
Seit zwei Tagen fand in Berlin eine Veranstaltung der Bundestagsfraktion der Alternative für Deutschland (AfD) statt, bei der es um die deutsch‑ungarischen Beziehungen ging, und zu der auch der ungarische Botschafter in Berlin, Györkös Péter, seine Aufwartung machte. Im Vergleich zum Veranstaltungstitel war der Inhalt jedoch ziemlich abweichend. Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD, sowie eine Mitvorsitzende der Parteiorganisation würdigten das friedenspolitische Engagement von Orbán Viktor und seine Führungsqualitäten. Anschließend lobte Jan Mainka, Chefredakteur der „Budapester Zeitung“, die politische Lage in Ungarn in höchsten Tönen und drückte seine Hoffnung und Erwartung aus, dass der derzeitige ungarische Ministerpräsident nicht von der Tisza abgelöst werde.
Im Gegensatz dazu hörte man – auf Deutsch – dass im ungarischen Parlament ein Teil der Vizepräsidenten oppositionell gestellt ist, dort wolle man ja keine Partei verbieten, im Gegensatz zu Deutschland und der AfD. Mainka spricht Ungarisch und hätte den anwesenden AfD‑Politikern sagen können, dass in Ungarn die Regierung durch Notstands‑Verordnungsgebung die Rolle des Parlaments stark verringert hat. Doch Mainka vergaß, diesen nicht geringen Schönheitsfehler zu benennen – obwohl er in das idealisierte Ungarn‑Bild nicht gepasst hätte; entsprechend viel Applaus erhielt er mit der Argumentation, die deutsche Politik werde immer undemokratischer, während man in Ungarn Redefreiheit habe.
In der fast schon rührenden Rede gab es allerdings auch ein interessantes Element: Der Chefredakteur der „Budapester Zeitung“ sprach darüber, dass die Fidesz längere Zeit ihre Beziehungen zur CDU/CSU nicht abreißen wollte – trotz Annäherung an die AfD. Aber als dann der CSU‑Politiker Manfred Weber nach Budapest kam und die Tisza-Partei die Aufnahme in die Fraktion der Europäische Volkspartei beantragte, kam die Fidesz zu dem Schluss, dass man nicht länger warten könne – seitdem hat der ungarische Ministerpräsident mehrfach Alice Weidel getroffen.
Ich ergänze: In ungarischen Regierungskreisen (hier zähle ich auch die regierungsnahen ungarischen Analyseinstitute dazu) wird eindeutig der AfD die Daumen gedrückt – einer Partei, die in Deutschland im Salon kaum anerkannt ist. Zwar führt die AfD zeitweise Umfragen an, aber nur minimal vor der CDU/CSU, und alleine besitzt sie nicht genügend Stärke, um eine Regierung zu bilden. Aber gerade das möchte die Fidesz: dass die AfD an die Regierung kommt – was nicht nur die aktuellen Regierungsparteien, sondern auch die übrigen Oppositionsparteien zutiefst beleidigt. Es ist nicht überraschend, dass die deutsch‑ungarischen zwischenstaatlichen Beziehungen kühl sind.
Doch hat die Fidesz nicht berechtigten Grund zu der Annahme, dass, wenn die AfD mal den deutschen Kanzler stellen würde, dann die deutsch‑ungarischen Beziehungen ihre goldene Zeit erleben könnten? Ich weiß nicht, ob die Führung der Fidesz von der Selbstzerstörungsfähigkeit der AfD gehört hat? Immer wieder entzünden sich in der AfD interne Konflikte, die der Organisation nicht helfen, zu einer sehr großen Partei zu werden. Klar: in der Politik können unerwartete Wendungen kommen, vielleicht sogar so, dass eines Tages die der Orbán‑Nahestehende Alice Weidel deutsche Kanzlerin wäre. Doch die aktuelle Lage ist: keine Partei ist bereit, eine Koalition mit der AfD einzugehen, für eine Regierungsübernahme müsste die AfD alleine die Mehrheit im Bundestag erringen – und nach den optimistischsten Umfragen ist sie davon noch weit entfernt. Es gibt viele Probleme in der deutschen Politik und Wirtschaft, aber von einem Zusammenbruch ist keine Rede – es bedürfte mindestens jahrelang miserabler Regierungsführung, damit die Mehrheit der deutschen Wähler alles über Bord wirft und die AfD wählt. Die Realität ist jedoch: Trotz all Fehler und Versäumnisse von den Mainstraim-Parteien war die AfD konnte die Mehrheit der Wahler und Wählerinnen überzeugen, dass sie mit ihrem Programm und Kompetenz der sehr komplexen, schwierigen Aufgabe gewachsen wäre, Deutschland zu führen – geschweige denn eine Mehrheit zu erreichen!
Höchste Zeit, dass in der ungarischen Regierungspartei die deutsche Politik nicht nur nach ihren Wunschträumen, sondern nach Realitäten betrachtet wird.
Deutschland und Ungarn – Partner für ein neues patriotisches Europa! - AfD-Fraktion im Bundestag
Der Botschafter Ungarns, Péter Györkös und die Vorsitzende der AfD-Fraktion, Alice Weidel, haben am Mittwoch auf der Veranstaltung der AfD-Fraktion unter dem...