10/08/2026
Wenn Gleichstellung dem Sparstift zum Opfer fällt
Am 1. März 2021 wurde in Bregenz eine eigene Dienststelle für Frauen, Gleichstellung und LGBTIQ+ gestartet. Ein spezialisiertes Team zog ins Erdgeschoss des Bürger:innenhauses in der Belruptstraße.
Schon von Weitem war sichtbar, wofür dieser Ort stand:
Regenbogenfahnen, Botschaften für Frauenrechte und eine klare Haltung gegen Rassismus.
Doch es ging damals um weit mehr als Sichtbarkeit.
In wenigen Jahren entstanden zahlreiche Projekte, niederschwellige Bildungsangebote und wichtige Initiativen für Frauen, Gleichstellung und die LGBTIQ+ Community, Anti-Rassismus wurde als Haltung gesehen.
Mit hoher fachlicher Kompetenz wurde ein Bereich aufgebaut, der diese Themen dauerhaft in der Stadt verankern sollte.
Heute sind die Büros leer.
Die Regenbogenfahne ist verschwunden. Die sichtbaren Botschaften für Frauenrechte sind verschwunden. Die eigens entwickelte Kommunikationslinie für mehr Sichtbarkeit soll eingestellt werden.
Und vor allem: Die eigenständige Dienststelle Frauen, Gleichstellung und LGBTIQ+ gibt es nicht mehr.
Sie wurde als Fachbereich in die Dienststelle Gesellschaftsservice eingegliedert. Ein großer Teil der spezialisierten Mitarbeiter:innen ist nicht mehr da.
Das ist Teil des Bregenzer Sparpakets.
Weniger Mitarbeiter:innen sollen mit weniger Ressourcen diese wichtige Arbeit weiterführen.
Das kann nicht funktionieren.
Wer Personal, Ressourcen, Eigenständigkeit und Sichtbarkeit abbaut, kann nicht gleichzeitig behaupten, die Arbeit werde einfach im selben Umfang fortgesetzt.
Die leeren Büros im Bürger:innenhaus stehen deshalb sinnbildlich für eine politische Entwicklung, die uns große Sorgen macht.
Denn Frauenrechte, Gleichstellung und queere Rechte sind keine freiwillige Dekoration für finanziell bessere Zeiten.
Sie brauchen Strukturen, Expertise, Personal und Budgets.
Und sie brauchen gerade jetzt mehr Aufmerksamkeit und nicht weniger.
In der vergangenen Periode haben wir als Grüne gezeigt, wie viel eine Kommune bewegen kann, wenn Gleichstellung und Menschenrechte politische Priorität haben.
Heute erleben wir unter der SPÖ/ÖVP-Koalition mit ihrer Vereinbarung mit der FPÖ, wie schnell solche Strukturen wieder abgebaut werden können.
Nicht einmal die Hälfte dieser Periode ist vorbei und bereits jetzt geht Expertise verloren, werden Strukturen zurückgebaut und wird Sichtbarkeit reduziert.
Das akzeptieren wir nicht schweigend.
Wir Grüne Bregenz werden weiterhin genau hinschauen und uns dafür einsetzen, dass Frauenrechte, Gleichstellung und die Rechte von LGBTIQ+ Personen in unserer Stadt den Stellenwert und die Ressourcen bekommen, die sie brauchen.
Denn Fortschritt ist nicht selbstverständlich.
Was über Jahre aufgebaut wurde, kann innerhalb kürzester Zeit wieder verschwinden.
Die leeren Büros zeigen uns gerade, wie schnell das geht.