10/10/2026
Der König der Alpen war bereits so gut wie verschwunden. 🏔️
Nicht, weil ihm die Felsen fehlten. Sondern weil der Mensch ihn über Jahrhunderte gejagt, verfolgt und fast komplett ausgelöscht hatte.
Sein Fleisch war begehrt. Seine Hörner galten als Trophäe. Noch schlimmer: Der Alpensteinbock wurde lange wie eine wandelnde „Apotheke“ behandelt. Blut, Hörner und das sogenannte Herzkreuz wurden als Heilmittel verehrt.
Für das Tier war dieser Glaube ein Todesurteil.
Am Ende überlebten die letzten Alpensteinböcke im Gebiet Gran Paradiso in Italien. Streng geschützt im königlichen Jagdgebiet. Bewacht. Unerreichbar.
Doch ausgerechnet dieser Schutz machte seine Rückkehr schwierig. Der italienische König gab keine Tiere ab.
Also griffen Menschen zu einem gefährlichen Weg.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden junge Steinbock-Kitze unter großem Risiko aus dem Aostatal geholt und heimlich über die Grenze in die Schweiz geschmuggelt.
Man muss sich vorstellen, was das bedeutet haben muss: winzige Kitze, versteckt, versorgt, weitergegeben. Ein Bericht erzählt sogar, dass heimlich eine Ziege zu einem versteckten Steinbock-Kitz gebracht wurde, damit es gesäugt werden konnte, bis der Schmuggel weiterging.
Später wurden die Jungtiere im Wildpark Peter und Paul in St. Gallen mit der Flasche aufgezogen.
Zwischen 1906 und 1933 gelangten insgesamt 59 geschmuggelte Kitze nach St. Gallen. Aus ihnen entstand der Grundstock für eine der beeindruckendsten Artenschutzgeschichten der Alpen.
Auch Österreich wurde Teil dieser Rückkehr. 1924 begann im Salzburger Blühnbachtal eine der frühen Wiedereinbürgerungen des Steinwildes.
Wenn du heute einen Alpensteinbock siehst, blickst du auf weit mehr als ein majestätisches Tier mit beeindruckenden Hörnern.
Du siehst eine Geschichte aus Verlust, Risiko, Geduld und Hoffnung. Eine Geschichte von Menschen, die Grenzen überschritten haben, damit der König der Alpen wieder in seine Berge zurückkehren konnte. 🌿