21/10/2026
ARDO erhalten – um jeden Arbeitsplatz kämpfen!
Das Tiefkühlwerk ARDO in Groß-Enzersdorf soll 2027 schließen. Rund 190 Beschäftigte und 50 saisonale Leiharbeitskräfte sind betroffen. Dazu kommen rund 500 Gemüsebaubetriebe, deren Absatzmöglichkeiten auf dem Spiel stehen. Arbeiterbetriebsratsvorsitzender Dietmar Breiner ruft deshalb zu Solidaritätsaktionen auf. Diesen Aufruf müssen wir in möglichst viele Betriebe tragen: Die ARDO-Belegschaft braucht unsere volle Unterstützung im Kampf um jeden Arbeitsplatz!
Der Erhalt des Werks betrifft die ganze Region. Über Jahrzehnte sind im Marchfeld Wissen, Produktionsanlagen und die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Verarbeitung gewachsen. Wer das Werk zusperrt, gefährdet diese Strukturen. Auch aus Sicht der Konsument:innen gibt es gute Gründe für seinen Erhalt: Gesundes, regional erzeugtes Gemüse muss leistbar sein. Gerade Menschen mit niedrigen Einkommen brauchen eine Lebensmittelversorgung, die sich an ihren Bedürfnissen orientiert.
Doch gute Argumente beeindrucken die Konzernleitung offenbar wenig. Wie am 11. Oktober bekannt wurde, lehnt ARDO selbst einen Weiterbetrieb mit öffentlicher Unterstützung ab. Das Unternehmen verweist auf Verluste und fehlende Wettbewerbsfähigkeit. Für uns kann die gesellschaftliche Bedeutung eines Betriebs aber nicht daran gemessen werden, ob er den Renditeerwartungen seiner Eigentümer entspricht. Arbeitsplätze und Lebensmittelversorgung dürfen nicht von deren Profitgier abhängen.
Die Erinnerung an Semperit in Traiskirchen sollte eine Warnung sein. Trotz Protesten und politischer Interventionen wurde die Reifenproduktion 2002 eingestellt. Wenn eine Konzernleitung die Schließung durchsetzen will, braucht es die Bereitschaft, ihr mit der organisierten Kraft der Beschäftigten entgegenzutreten. Wer den Erhalt eines Werks fordert, muss rechtzeitig über die Mittel sprechen, mit denen dieses Ziel erkämpft werden kann. Bei ARDO heißt das: Streiken, besetzen und vergesellschaften müssen auf die Tagesordnung. Darüber sollte die Belegschaft gemeinsam beraten und entscheiden. Ein Sozialplan ist für die Absicherung der Kolleg wichtig. Gleichzeitig dürfen wir den Kampf um den Erhalt des Werks nicht aufgeben. Solange die Produktion läuft und die Anlagen vorhanden sind, bestehen Möglichkeiten, Druck aufzubauen. Die Ardobelegschaft hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie Kämpfen kann. Beim ARDO Streik im September 2023 reagierte die ARDO Belegschaft logisch auf die Teuerungskrise - sie streikte für höhere Löhne und Gehälter! An diese kämpferische Tradition gilt es jetzt anzuknüpfen!
Dafür braucht es die Unterstützung der gesamten Gewerkschaftsbewegung. Betriebsrät:innen können Solidaritätserklärungen organisieren, in Betriebsversammlungen über die Situation informieren und gemeinsame Aktionen vorbereiten. Die Gewerkschaften müssen ihre organisatorischen und finanziellen Mittel für einen möglichen Arbeitskampf bereitstellen. Auch die betroffenen Landwirtschaftsbetriebe und die Bevölkerung der Region sollten einbezogen werden. Auch hier hilft es, sich zu erinnern: die Belegschaft von ARDO hat bereits vor zwei Jahren mit einem Streik für höhere Löhne gezeigt, dass sie in der Lage ist, zu kämpfen!
Eine Besetzung könnte verhindern, dass durch den Abtransport von Maschinen vollendete Tatsachen geschaffen werden. Sie müsste mit einer breiten Solidaritätsbewegung und einer klaren politischen Forderung verbunden werden: Wenn die Eigentümer das Werk schließen wollen, gehört es in öffentliches Eigentum – unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung der Beschäftigten. Die notwendige Modernisierung muss Teil eines Plans sein, der sichere Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen und eine ökologisch sinnvolle Produktion verbindet.
Die Kolleg:innen verfügen über das Wissen und die Erfahrung, die das Werk täglich am Laufen halten. Gemeinsam mit Fachleuten und den landwirtschaftlichen Zulieferbetrieben könnten sie seine Zukunft gestalten. Dafür brauchen sie Entscheidungsgewalt, die erforderlichen Mittel und gesellschaftlichen Rückhalt. Öffentliche Investitionen müssen dem Erhalt der Produktion dienen und mit öffentlichem Eigentum verbunden sein.
Was daran unrealistisch sein soll, müssen uns jene erklären, die die Zerstörung gesellschaftlich notwendiger Produktion als wirtschaftliche Vernunft verkaufen. Wir können uns das Zusperren nicht leisten. Machen wir aus der Solidarität mit ARDO eine gemeinsame Bewegung für den Erhalt des Werks und aller Arbeitsplätze!
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