23/10/2026
In Östringen gedachten am gestrigen Donnerstagvormittag Schülerinnen und Schüler des Leibniz-Gymnasiums sowie weitere Einwohnerinnen und Einwohner der Kraichgaustadt der zwangsweisen Deportation und Internierung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger durch die Schergen des nationalsozialistische Terrorregimes des sogenannten „Dritten Reichs“ vor genau 86 Jahren.
Bei der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion wurden am 22. und 23. Oktober 1940 insgesamt 6.504 jüdische Menschen aus Baden, der Pfalz und dem Saarland gewaltsam aus ihrem Leben gerissen und in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Viele von ihnen wurden später in Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ermordet.
Bei der Gedenkstunde am Mahnmal vor der Gustav-Wolf-Kunstgalerie betonte Bürgermeister , wie wichtig es gerade angesichts des zunehmenden Extremismus in der Gegenwart ist, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten.
In ihren Wortbeiträgen am Gedenktag der Deportation rückten die von Geschichtslehrerin Jana Appel betreuten Schülerinnen und Schüler des Leibniz-Gymnasiums in den Blick, dass sich jedermann bereits mit einem kleinen „Gedankenexperiment“ eindrücklich vor Augen führen könne, was der jüdischen Mitbürgerin Amalie Wolf und dem jüdischen Mitbürger Ludwig Wolf am 22. Oktober 1940 in Östringen widerfahren ist: „Stellen Sie sich vor, Sie werden in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, Sie müssen sofort Ihr Zuhause verlassen, Sie müssen Ihre Freunde und Ihren Besitz zurücklassen und Sie sind völlig im Ungewissen, was vor Ihnen liegt? Genau das war damals bittere Realität für die Betroffenen – und es waren Menschen genau wie wir es sind!“
Die Schülerinnen und Schüler betonten, dass 6.500 Deportierte 6.500 zerrissene Familien und zerstörte Leben bedeuten. Angesichts des zunehmenden Rechtsextremismus sei die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wichtiger denn je. LGÖ-Schulleiterin Susanne Christ rief dazu auf, über politische Grenzen hinweg im Gespräch zu bleiben. Bürgermeister Felix Geider legte zum Gedenken ein Blumengebinde am Mahnmal vor der Gustav-Wolf-Kunstgalerie nieder.