25/10/2026
Voller Keltensaal beim Vortrag zu den Kelten im mittleren Neckarraum
Der Förderverein Hohenasperg e.V. veranstaltet gemeinsam mit der Stadt Asperg eine Vortragsreihe, die sich mit den verschiedenen historischen Epochen des Hohenaspergs befasst. Die Vorträge gehen auf die Geschichte des Hohenaspergs von der Steinzeit bis heute ein und betrachten diese jeweils aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Beim Vortrag am vergangenen Donnerstag, 22. Oktober referierte der Historiker und Germanist Frank Merkle zum Thema „Die Kelten im mittleren Neckarraum“.
Im voll besetzten Keltensaal war es aber zunächst Friedrich Müller vom Förderverein Hohenasperg, der auf die Bedeutung der Kelten für und rund um den Hohenasperg einging.
Den einstigen keltischen Fürstensitz Hohenasperg stellte dann auch der Historiker Frank Merkle ins Zentrum seines Vortrags. Insbesondere dessen Bedeutung als Machtzentrum bis zum Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr., welches weit über die Region hinausreichte.
Merkle machte deutlich, dass verlässliche archäologische Befunde direkt auf dem Hohenasperg durch den jahrhundertelangen Festungsbau heute leider rar sind. Er rekonstruierte aber dennoch eindrucksvoll das Bild jener Epoche anhand reichhaltiger Funde aus den umliegenden Prunkgräbern, wie dem Fürstengrab von Hochdorf, dem einstigen Grab im Asperger Grafenbühl, dem Kleinaspergle und der keltischen Höhensiedlung Heuneburg.
Dabei kam für die Zuhörer auch viel Überraschendes zutage. Beispielsweise der „Exportschlager der Kelten“ – die Textilproduktion auf Basis von Leinen. Auch wurde deutlich, warum der Hohenasperg trotz schlechter Handelswege, allein aufgrund seiner imposanten Lage zum Fürstensitz auserkoren wurde.
Der Historiker nahm das Publikum dabei mit auf eine detailreiche Spurensuche entlang der damaligen Infrastruktur. Er erläuterte die strategische Bedeutung der Wasserwege von Enz und Glems für den Fernhandel, über welche kostbare Importware an den Herrschaftssitz gelangten. Ebenso ging er auch auf die besondere Beziehung des Fürstensitzes Hohenasperg zur Siedlung Walheim ein und warum diese den Hohenasperg um viele Jahre überlebte.
Neben wirtschaftlichen Aspekten erläuterte er detailliert auch den Alltag der Kelten. Als Grundnahrungsmittel bauten sie Getreidesorten wie Dinkel, Emmer und Gerste an, ergänzt durch Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und Ackerbohnen. Auch die Herstellung erster eigener Töpferwaren prägte diese Epoche.
Darüber hinaus beleuchtete Merkle die tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüche, wie das abrupte Ende der Fürstenherrschaft am Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. und das damit verbundene Abwandern der einfachen Bevölkerung.
Für großes Interesse sorgte zudem die Nachbildung der berühmten keltischen Schnabelkanne aus dem Kleinaspergle. Während die Replik sonst sicher im Rathaus verwahrt wird, durften die Gäste sie beim Vortrag ganz aus der Nähe begutachten und anfassen.
Am Ende dankten Bürgermeister Christian Eiberger und Friedrich Müller vom Förderverein Hohenasperg dem Historiker für einen gelungenen und spannenden Abend.