28/09/2026
++ 30 Jahre Klimaschutz in Stormarn und am Ende fehlt der Plan ++
Der Kreis Stormarn feiert am 01.10.2026 30 Jahre Klimaschutzprogramm. Seit 1996 wurden Konzepte erstellt, Leitstellen eingerichtet, Veranstaltungen organisiert und Fördermittel eingeworben. Doch eine entscheidende Frage bleibt offen:
Was hat das alles die Bürgerinnen und Bürger gekostet und was wurde dafür konkret erreicht?
Schon das erste Klimaschutzprogramm von 1996 enthielt zahlreiche finanzielle Verpflichtungen. Dazu gehörten 90.000 DM für ein Energiekonzept, 75.000 DM für Solaranlagen, 20.000 DM für Öffentlichkeitsarbeit, 10.000 DM für Seminare sowie laufende Zuschüsse und zusätzliche Personalkosten. Seitdem kamen weitere Stellen, Gutachten, Förderprogramme, Kampagnen und Investitionen hinzu. Eine vollständige Gesamtrechnung über 30 Jahre liegt jedoch offenbar nicht vor.
Das ist bemerkenswert. Der Kreis spricht gerne über Ziele, Projekte und Fördermittel, aber deutlich weniger über die tatsächlichen Eigenanteile, laufenden Kosten und messbaren Einsparungen. Fördermittel sind schließlich kein kostenloses Geld. Sie stammen ebenfalls aus Steuermitteln und entbinden den Kreis nicht von der Pflicht, wirtschaftlich zu handeln.
Auch die Wirkung muss nüchtern betrachtet werden. Bei den kreiseigenen Gebäuden wurden Fortschritte erzielt. Diese machen jedoch nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Emissionen im Kreisgebiet aus. Der Kreis selbst räumt ein, dass die entscheidenden Bereiche, etwa Verkehr, private Gebäude, Wirtschaft und Energieversorgung, nur teilweise in seiner Zuständigkeit liegen.
Umso wichtiger wäre es, jede Maßnahme nach ihrer tatsächlichen Wirkung zu beurteilen:
➡ Wie viele Tonnen CO₂ wurden eingespart?
➡ Was kostete die Einsparung je Tonne?
➡ Welche Projekte senkten dauerhaft die Energiekosten?
➡ Welche Maßnahmen waren lediglich Öffentlichkeitsarbeit?
➡ Welche Folgekosten entstehen dauerhaft für den Kreis?
Bad Oldesloe als Warnsignal
Der aktuelle Vorgang in Bad Oldesloe zeigt, wie widersprüchlich die Klimapolitik in Stormarn inzwischen geworden ist.
Die Stelle des Klimamanagers Matthias Reuter fällt nach dessen Ausscheiden im Oktober endgültig weg. Grundlage ist ein sogenannter KW Vermerk. KW steht für „künftig wegfallend“. CDU und FBO hatten diesen Vermerk im vergangenen Jahr mit einer knappen Mehrheit von 17 zu 16 Stimmen durchgesetzt.
Die Begründung lautete sinngemäß: Bad Oldesloe müsse kein ambitionierteres Ziel verfolgen als der Bund. Das ist eine legitime politische Position. Sie muss aber auch konsequent zu Ende gedacht werden:
Wenn eine einzelne Stadt ihre Klimaziele nicht mehr eigenständig verfolgen soll, warum unterhält der Kreis Stormarn dann seit 30 Jahren eine umfangreiche Klimaschutzstruktur? Und wenn Klimaschutzmanager unverzichtbar sind, warum konnte ihre Arbeit in Bad Oldesloe nach eigener Darstellung über längere Zeit kaum öffentlich wahrgenommen werden?
Der SPD Fraktionsvorsitzende Daniel Pollmann erklärte laut Bericht sogar, er habe die Arbeit des Klimamanagers in der Praxis bisher kaum wahrgenommen. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass wichtige Aufgaben wie Wärmeplanung, Kälteplanung, Starkregenvorsorge, Mobilität und die Umsetzung des Klimaschutzkonzepts künftig ohne eigene Koordinierungsstelle organisiert werden müssen.
Das macht das grundlegende Problem sichtbar: Klimaschutz darf nicht daran gemessen werden, wie viele Stellen und Konzepte es gibt. Er muss daran gemessen werden, ob konkrete, bezahlbare und nachweisbare Verbesserungen erreicht werden.
Konsequenzen für den Kreis
Die AfD Fraktion Stormarn fordert deshalb eine ehrliche Neubewertung der bisherigen Klimaschutzpolitik:
➡ Der Kreis muss eine vollständige Kostenbilanz für 30 Jahre Klimaschutz vorlegen. Dazu gehören Personal, Gutachten, Förderprogramme, Eigenanteile, Veranstaltungen und Folgekosten.
➡ Alle Maßnahmen müssen mit konkreten Kennzahlen bewertet werden. Dazu gehören eingesparte Energie, vermiedene CO₂ Emissionen und Kosten je eingesparter Tonne.
➡ Freiwillige Leistungen dürfen nicht automatisch fortgeführt werden, nur weil es sie schon lange gibt.
➡ Klimaschutz muss sich auf wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen konzentrieren, die Bürger, Unternehmen und Kommunen nicht unnötig zusätzlich belasten.
➡ Zuständigkeiten müssen klar bleiben. Der Kreis darf keine teuren Parallelstrukturen aufbauen, wenn Entscheidungen tatsächlich beim Bund, beim Land, bei Städten und Gemeinden oder bei privaten Eigentümern liegen.
➡ Die Entscheidung in Bad Oldesloe ist deshalb kein isolierter Vorgang. Sie ist ein Anlass, die gesamte Klimaschutzarchitektur in Stormarn zu überprüfen.
30 Jahre Klimaschutz sind kein Freibrief für weitere Ausgaben. Sie sind ein Auftrag zur Rechenschaft.
Die Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch auf Klimaschutz mit Augenmaß: Wirksam, transparent und bezahlbar. Sie brauchen keine immer neuen Konzepte, Stellen und Versprechen ohne nachvollziehbare Gesamtrechnung.
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