08/09/2026
Euro-Aus? Eine teure Idee
von Hannes Koch Berliner Woche / Funke Zentralredaktion
Politiker fordern den Ausstieg aus der Währung – aber was bedeutet das für Wirtschaft und Jobs?
Berlin
Auf den ersten Blick ist klar, was das Urlaubsapartment in Lissabon, Madrid, Rom oder Paris pro Nacht kostet. Ein Umrechnen zwischen D-Mark, portugiesischem Escudo, spanischem Peso, italienischer Lira oder französischem Francs ist nicht mehr nötig. Reisende können die Preise leicht vergleichen und wissen, was sie bekommen. Das ist ein wirtschaftlicher Vorteil der gemeinsamen europäischen Währung Euro.
Die AfD stellt das in Frage. In ihrem Bundestagswahlprogramm schreibt die Partei: „Deutschland muss aus dem Euro-System austreten.“ Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel sagte das kürzlich im Interview zwar nicht so klar, behauptete aber: „Vor der Euro-Einführung ging es Deutschland deutlich besser.“ Wegen der gemeinsamen Währung seien jetzt „Arbeitsplatzverluste“ und eine „breite Verarmung arbeitender Bevölkerungsschichten“ zu beklagen.
Tauschrisiko fällt weg
Die wirtschaftliche Bedeutung des Euro für Deutschland ist tatsächlich überwiegend positiv. Denn ein wesentlicher Effekt des gemeinsamen Geldes besteht darin, dass das Tauschrisiko zwischen den früheren nationalen Währungen wegfällt. Vor der Einführung des Euro stieg der Kurs der D-Mark gegenüber den Währungen der Nachbarländer oft an. Das bedeutete: Deutsche Waren wurden im Ausland teurer und waren deshalb schlechter zu verkaufen.
Nun existiert dieser Aufwertungsdruck im Euroraum nicht mehr. Hiesige Produkte sind in den anderen Mitgliedstaaten günstiger, als sie es mit der D-Mark wären. Die für Deutschland positiven Folgen: Es wird mehr exportiert, den einheimischen Unternehmen geht es besser, sie bieten mehr Arbeitsplätze, die Löhne steigen. Zahlen belegen das. Als der Euro zunehmend verwendet wurde, stieg der Außenhandelsüberschuss der deutschen Wirtschaft mit dem Euroraum deutlich an. Es wurde viel mehr exportiert als importiert. Beispielsweise betrug im Jahre 2000 der positive Saldo 48 Milliarden Euro, 2005 schon das Doppelte, teilt das Statistische Bundesamt mit. Auch in den Folgejahren war die Bilanz immer im Plus. Im vergangenen Jahr lag der deutsche Außenhandelsüberschuss mit dem Euroraum bei 144 Milliarden Euro. Das ist nicht nur auf die gemeinsame Währung zurückzuführen, aber auch.
Mittlerweile gehen fast 40 Prozent aller hierzulande gefertigten Produkte in die anderen Euroländer. Zum Vergleich: Der Anteil Chinas beträgt sechs Prozent, der der USA zehn Prozent. Ein kleines Teil im großen Puzzle: „Die Unternehmen sparen viel Geld, weil Umtauschgebühren zwischen den früheren Währungen und wechselkursbedingte Absicherungskosten weggefallen sind“, sagt Simon Gerards Iglesias vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.
Mehr Jobs durch Euroraum
Und wie sieht es mit der „Verarmung“ sowie dem „Verlust von Arbeitsplätzen“ aus? Zum Start des Euro-Bargelds Anfang 2002 waren laut Statistischem Bundesamt hierzulande 39,5 Millionen Personen beschäftigt, im vergangenen Jahr 46 Millionen. Gut sieben Millionen deutsche Arbeitsplätze hängen laut einer neuen Studie des Instituts Prognos vom Austausch mit der Europäischen Union ab, ein großer Teil davon mit dem Euroraum.
Wenn
AfD-Politikerin Weidel den Euro als „instabile Währung“, als „Weichwährung“ mit „Kaufkraftverlust“ bezeichnet, liegt sie ebenfalls daneben. Das Bundesfinanzministerium gibt die „Preissteigerung in Deutschland seit 2002“ mit „durchschnittlich jährlich rund 1,9 Prozent“ an. Seit 2022 ist die Inflation zwar erhöht, doch das hat nichts mit dem Euro, sondern mit dem russischen Angriff auf die Ukraine, der Energiekrise und dem Irankrieg zu tun. Im Vergleich zum Dollar ist der Kurs des Euro heute höher als damals.
Quelle
https://emag.berliner-woche.de/titles/berlinerwochenblatt/14480/publications/2834/pages/6/articles/2608029/6/2