26/05/2026
Am 27. Juni feiern wir 70 Jahre Berliner Landeszentrale für politische Bildung – und laden alle Menschen in Berlin herzlich zum Sommerfest der politischen Bildung ein! 🎉
In und vor unserem Besuchszentrum am Ostkreuz erwartet euch ein lebendiger Nachmittag voller Gespräche, Ideen und Aktionen: Mehr als 50 Organisationen sind dabei und laden an ihren Ständen zum Entdecken, Ausprobieren und Diskutieren ein. Von Kinderangeboten über kreative Mitmachaktionen bis hin zu Themen wie Gerechtigkeit, Medienkompetenz, Erinnerungskultur und gesellschaftlicher Zusammenhalt gibt es viel zu erleben.
💬 Außerdem auf dem Programm: Talks zu aktuellen politischen Fragen, Schnupper-Workshops, Angebote für Familien und die Verleihung des Engagementpreises Schüler:innen 2026.
Kommt vorbei, lernt Initiativen und Projekte aus Berlin kennen und feiert mit uns politische Bildung in ihrer ganzen Vielfalt.
📍 Besuchszentrum Ostkreuz, Revaler Straße 29
📅 Samstag, 27. Juni 2026
🕜 13:30–18:00 Uhr
Für Menschen mit Beeinträchtigungen gibt es einen Shuttle-Service vom S-Bahnhof Ostkreuz zum Besuchszentrum.
👉 Mehr Informationen zum Sommerfest: https://www.berlin.de/politische-bildung/veranstaltungen/veranstaltungen-der-berliner-landeszentrale/sommerfest-der-politischen-bildung-1671422.php
20/05/2026
💻📱 Ein Video. Noch eins. Dann plötzlich ein ganzer Feed voller vermeintlich „mutiger Wahrheiten“, Feindbilder und einfacher Antworten.
So funktionieren sogenannte „Rabbit Holes“ in sozialen Medien: Wer auf bestimmte Inhalte reagiert, bekommt oft immer mehr davon ausgespielt. Was harmlos beginnt, kann Schritt für Schritt in verschwörungsideologische oder rechtsextreme Erzählungen führen – befeuert durch Algorithmen, Inszenierungen und gezielte Ansprachen.
Wie entstehen solche Dynamiken? Woran lassen sie sich erkennen? Und welche Strategien helfen, ihnen etwas entgegenzusetzen?
Darüber sprechen wir diesen Donnerstag (21. Mai 2026) im Rahmen der Veranstaltung: „Häschen in der Grube… Rabbit Holes und Strategien in den Sozialen Medien“.
Mit dabei sind:
Kira Ayyadi, Politikwissenschaftlerin, Redakteurin Belltower.News,
Dr. des. Rainer Rehak, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Weizenbaum Institut
Timon Strnad vom Projekt „Wir sind Anti-Anti“
Steven Avanzato-Driesner, Game Designer, Demokratiepädagoge, LKA Berlin
Moderiert wird die Veranstaltung von Dilek Üşük.
Vorab haben die Teilnehmenden uns ein paar Fragen beantwortet – u.a. dazu, inwiefern Algorithmen rechte Radikalisierung begünstigen oder wie sich die digitalen Strategien der extremen Rechten in den letzten Jahren verändert haben.
📍 Berliner Landeszentrale für politische Bildung, Revaler Straße 29
🗓 Donnerstag, 21. Mai 2026
🕡 18.30–20.00 Uhr
🎟 Teilnahme entgeltfrei, Anmeldung erforderlich
Die Veranstaltung ist Teil unserer Rechtsextremismus-Reihe „Auch Deutsche unter den Opfern“. Weitere Informationen und Anmeldung: https://www.berlin.de/politische-bildung/veranstaltungen/veranstaltungen-der-berliner-landeszentrale/haeschen-in-der-grube-1633148.php
12/05/2026
👀 Betriebsrat – gibt’s das eigentlich bei euch im Betrieb?
Rein rechtlich ist vieles möglich. In der Praxis zeigt sich aber: Betriebsräte sind längst nicht überall Realität. Während sie in manchen Branchen selbstverständlich sind, fehlen sie in anderen oft komplett.
In großen Unternehmen, in der Industrie oder im öffentlichen Dienst gehören Betriebsräte bzw. Personalräte häufig dazu. In Bereichen wie Start-ups, Gastronomie, Lieferdiensten oder kleineren Betrieben dagegen deutlich seltener. 🏭 📦
Warum ist das so? Mitbestimmung entsteht nicht automatisch. Sie muss organisiert werden – und das ist im Arbeitsalltag oft schwierig:
· Viele Beschäftigte arbeiten unter hohem Zeitdruck
· Befristete Verträge oder unsichere Jobs erschweren langfristiges Engagement
· Manche fürchten Konflikte mit dem Arbeitgeber
· Und nicht alle wissen genau, welche Rechte sie überhaupt haben
➡️ Mitbestimmung ist möglich – aber sie braucht Zeit, Wissen und manchmal auch Mut.
🌐 Ein Beispiel aus Berlin zeigt, wie konflikthaft das sein kann: Beim Lieferdienst Gorillas versuchten Beschäftigte, einen Betriebsrat zu gründen – und stießen dabei auf Widerstand des Unternehmens. Erst nach einer Entscheidung des Arbeitsgerichts konnte die Wahl stattfinden. Der Fall bekam bundesweit Aufmerksamkeit und macht deutlich: Selbst dort, wo sich Beschäftigte organisieren, ist der Weg zur Mitbestimmung nicht immer einfach. Heute ist Gorillas nicht mehr in Deutschland aktiv, die Fragen bleiben aber aktuell.
❗️Auffällig ist auch: Gerade in prekären Beschäftigungsverhältnissen – also dort, wo Arbeitsbedingungen unsicher sind – gibt es besonders selten Betriebsräte. Oft betrifft das Menschen, die ohnehin weniger Handlungsspielraum haben: etwa wegen befristeter Jobs, unsicherem Aufenthaltsstatus oder geringer betrieblicher Einbindung.
Und genau deshalb lohnt sich der Blick darauf: Wo gibt es Betriebsräte? Wo nicht? Und wer kann sich tatsächlich beteiligen?
Denn betriebliche Mitbestimmung ist ein Teil demokratischer Teilhabe im Alltag. Sie zeigt sich nicht nur dort, wo sie funktioniert – sondern auch dort, wo sie fehlt.
📆 Die Betriebsratswahlen laufen noch bis zum 31. Mai 2026.
05/05/2026
Am 5. Mai ist Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. 📢
Der Aktionstag wurde von der Behindertenbewegung initiiert – und erinnert jedes Jahr daran, dass echte Teilhabe noch immer nicht selbstverständlich ist. Barrieren bestehen nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch in Köpfen, Strukturen und Institutionen.
Auch in Berlin wird an diesem Tag protestiert:
👉 Start der Demonstration ist um 15:30 Uhr am Brandenburger Tor.
👉 Von dort zieht der Protestzug in Richtung Rotes Rathaus.
👉 Geplant ist eine Abschlusskundgebung mit Redebeiträgen und barrierearmen Angeboten, u. a. Gebärdensprachdolmetschen.
Organisiert wird die Demo von Verbänden und Initiativen aus der Behindertenbewegung. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach echter Gleichstellung, konsequenter Barrierefreiheit und der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention – auch auf Landesebene. 🏛️
💬 Dazu haben wir mit Sigrid Arnade (Vorständin Netzwerk Artikel 3 e.V.) und Dominik Peter (Vorstandsvorsitzender Paritätischer Wohlfahrtsverband LV Berlin e.V.) gesprochen. Beide machen deutlich: Zwischen Anspruch und Realität inklusiver Teilhabe in Berlin klafft noch immer eine Lücke – sei es in der Bildung, im Alltag oder bei der konsequenten Umsetzung von Barrierefreiheit.
⚖️ Inklusion ist keine freiwillige Aufgabe. Sie ist eine Frage von Demokratie und Gerechtigkeit.
➡️ Was braucht es für ein barrierefreieres Berlin?
01/05/2026
✊ Der 1. Mai erinnert an die Errungenschaften der Arbeiter:innenbewegung – und daran, dass Mitbestimmung im Arbeitsleben keine Selbstverständlichkeit ist. Gerade deshalb lohnt sich der Blick darauf, wo und wie diese heute gelebt wird.
👥 Mitbestimmung beginnt nicht erst im Wahllokal. Wahlen, politische Diskussionen oder Engagement im Kiez – all das sind sichtbare Formen von Demokratie.
Doch demokratische Aushandlung findet auch an einem anderen Ort statt: im Betrieb. Denn dort geht es um konkrete Fragen des Alltags: Arbeitszeiten, Regeln, Entscheidungen, die viele direkt betreffen.
💬 Betriebsräte tragen dazu bei, dass Betriebe zu demokratischen Räumen werden. Orte, an denen Beschäftigte ihre Interessen einbringen, mitgestalten und gemeinsam Lösungen entwickeln – statt Entscheidungen einfach hinzunehmen.
Eine wichtige Rolle spielen dabei Gewerkschaften: Sie unterstützen Beschäftigte und Betriebsräte, bündeln Interessen und verhandeln Tarifverträge. Dieses Zusammenspiel nennt man Sozialpartnerschaft – also das Prinzip, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretungen Konflikte gemeinsam aushandeln, statt sie einseitig durchzusetzen. 🤝
Und das ist entscheidend: Betriebliche Mitbestimmung betrifft den Alltag vieler Menschen ganz direkt, denn ein großer Teil unseres Lebens findet am Arbeitsplatz statt. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Beschäftigte hier mitreden und mitgestalten können.
Gleichzeitig gilt: Mitbestimmung ist nicht selbstverständlich. Sie kann unter Druck geraten, etwa wenn
❌ Betriebsratsarbeit behindert wird,
❌ Beschäftigte eingeschüchtert werden
❌ oder Mitbestimmungsrechte umgangen werden.
Demokratie braucht Räume, in denen sie gelebt wird – der Betrieb ist einer davon.
📆 Die diesjährigen Betriebsratswahlen laufen vom 1. März bis zum 31. Mai 2026.
👇 Und ihr? Habt ihr euch schon mal an euren Betriebsrat gewandt? Wo erlebt ihr Mitbestimmung in eurem Arbeitsalltag?
23/04/2026
📚 Der 23. April ist Welttag des Buches. Ein Tag, der weltweit das Lesen feiert – und die Rolle von Büchern als Zugang zu Wissen, als Ausgangspunkt für Debatten und als Impulsgeber für gesellschaftliches Nachdenken.
💡 Wir feiern mit und laden alle Berliner:innen ein, unser Angebot kennenzulernen. In unseren Besuchszentren Amerika Haus und Ostkreuz bieten wir zahlreiche Bücher und Publikationen zu politischen, gesellschaftlichen und historischen Themen an: für Kinder, junge Menschen und Erwachsene.
Berliner:innen erhalten bis zu vier Bücher pro Quartal gegen eine geringe Gebühr. Minderjährige, Personen in Ausbildung, Empfänger:innen von Grundsicherung/Bürgergeld und Juleica-Card-Inhaber:innen sind davon befreit.
👁️ Wir haben hier eine Auswahl an Büchern zusammengestellt, die bei uns erhältlich sind. Unser gesamtes Publikationsangebot sowie unsere Öffnungszeiten sind auf unserer Webseite zu finden: https://www.berlin.de/politische-bildung/publikationen/
👉 Habt ihr Buchtipps aus dem Bereich Politik und Gesellschaft? Schreibt sie in die Kommentare!
15/04/2026
☕️ Montagmorgen. Der Dienstplan hat sich plötzlich geändert – ohne Rücksprache mit den Mitarbeiter:innen, ohne Erklärung.
Oder: Neue Regeln im Betrieb. Mehr Druck, weniger Pausen. Und die Frage: Wer entscheidet das eigentlich? 📢
Hier kommt der Betriebsrat ins Spiel.
Betriebsräte vertreten die Interessen der Beschäftigten: Sie haben Mitspracherechte, wenn es beispielsweise um Arbeitszeiten, Kündigungen oder Arbeitsbedingungen geht und sorgen dafür, dass Entscheidungen nicht einfach „von oben“ getroffen werden.
👉 Und das wirkt über den Arbeitsplatz hinaus.
📊 Eine aktuelle Studie der Universität Trier zeigt: Wo Beschäftigte Mitbestimmung im Betrieb erleben, fühlen sie sich stärker als Teil demokratischer Prozesse. Wer mitbestimmen kann, entwickelt mehr Vertrauen – nicht nur im Job, sondern auch in die Demokratie insgesamt.
Betriebsräte sind also ein Stück gelebte Demokratie im Alltag.
🏙️ Gerade in einer Stadt wie Berlin spielt Mitbestimmung eine besondere Rolle: Hier arbeiten hunderttausende Menschen in sehr unterschiedlichen Arbeitswelten – von jungen Start-ups in Kreuzberg über kleine und mittlere Unternehmen im Kiez bis hin zu großen Kliniken, Logistikzentren und Hotelketten. Diese Vielfalt zeigt: Mitbestimmung ist kein Spezialthema, sondern betrifft ganz konkrete Arbeitsrealitäten vor Ort.
In der Pflege geht es zum Beispiel um verlässliche Dienstpläne und genug Personal auf den Stationen. In der Logistik – etwa bei Lieferdiensten oder großen Verteilzentren am Stadtrand – um Arbeitszeiten, Pausen und Sicherheit. Und in der Gastronomie, die Berlins Alltag und Nachtleben prägt, um faire Löhne, planbare Schichten und den Umgang mit hoher Belastung.
Betriebsräte sorgen dafür, dass diese Themen nicht nur individuell, sondern gemeinsam verhandelt werden.
📆 Die diesjährigen Betriebsratswahlen laufen vom 1. März bis zum 31. Mai 2026.
Demokratie beginnt dort, wo Menschen ihre Interessen vertreten können. Auch am Arbeitsplatz. ❌
👇�Wird in deinem Betrieb gewählt?
Hast du schon Erfahrungen mit Betriebsratswahlen gemacht?
08/04/2026
✊🏼 Sichtbarkeit, Erinnerung, Widerstand.
Am 8. April ist der Internationale Tag der Roma – ein weltweiter Aktionstag, der an den ersten Welt-Roma-Kongress 1971 in London erinnert.
Dort begann die internationale Bürgerrechtsbewegung von Sinti*zze und Rom*nja: Man einigte sich auf die Eigenbezeichnung „Roma“, verabschiedete mit der Flagge und der Hymne „Djelem, djelem“ gemeinsame Symbole und setzte ein Zeichen gegen jahrhundertelange Diskriminierung. 🌎
Sinti*zze und Rom*nja sind die größte Minderheit Europas und leben seit Jahrhunderten hier. Ihre Geschichte ist geprägt von Ausgrenzung und Gewalt – bis hin zur Verfolgung und Ermordung im Nationalsozialismus. Antiziganistische Stereotype wirken bis heute fort: im Alltag, in Behörden, in Medien und im Kontakt mit Sicherheitsbehörden. Trotz einzelner Fortschritte wird die Diskriminierung von Sinti*zze und Rom*nja gesellschaftlich noch immer zu wenig thematisiert – und oft geduldet.
📢 Der 8. April ist deshalb nicht nur ein Gedenktag, sondern auch ein politischer Kampftag: für die Sichtbarkeit und die Rechte von Sinti*zze und Romn*nja, gegen Rassismus.
Was bedeutet das konkret für Berlin: Wo stehen wir – und wo besteht Handlungsbedarf?
💬 Darüber spricht Kelly Laubinger, Geschäftsführerin der Sinti Union Schleswig-Holstein e.V. Sie ordnet ein, warum Berlin trotz einzelner Fortschritte noch am Anfang steht, kritisiert fehlende politische Konsequenzen – und zeigt, das zentrale Verbesserungen durch den Druck der Bürger:innenrechtsbewegung erkämpft wurden.
25/03/2026
Wie lebt man weiter, wenn der eigene Vater von Neonazis ermordet wurde?
Für Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık ist diese Frage Teil ihrer Biografien. Ihre Väter Enver Şimşek und Mehmet Kubaşık wurden vom sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) ermordet. Semiya war 14 Jahre alt, Gamze 20.
In ihrem gemeinsamen Buch „Unser Schmerz ist unsere Kraft. Neonazis haben unsere Väter ermordet“ erzählen sie, was danach kam: Trauer, die kaum Raum hatte. Jahre der Demütigung, in denen Angehörige unter Verdacht standen, statt als Betroffene gehört zu werden. Eine Öffentlichkeit, die sich kaum für das Geschehene interessierte. 📚🖤
🔎 Das Buch verbindet persönliche Erinnerungen mit politischer Aufarbeitung – und zeigt, wie eng Rassismus, institutionelles Versagen und gesellschaftliches Wegsehen miteinander verwoben sind.
Gleichzeitig erzählt es auch von Solidarität und Widerstand: Şimşek und Kubaşık sind über die Jahre zu engen Verbündeten geworden – im Kampf um Erinnerung, Aufklärung und Gerechtigkeit. ✊🏼📢
📍 Am vergangenen Samstag waren die beiden Autorinnen im Rahmen unserer Rechtsextremismus-Reihe „Auch Deutsche unter den Opfern“ zu Gast bei der Berliner Landeszentrale für politische Bildung. Sie haben über ihr Buch gesprochen und darüber, was es bedeutet, in Deutschland mit den Folgen rechter Gewalt zu leben: mit offenen Fragen, mit politischer Verantwortung und mit der Notwendigkeit, immer wieder zu erinnern. 🕯️
Der Titel ihres Buches beschreibt eine Haltung: Schmerz nicht als etwas Privates zu begreifen, sondern als Ausgangspunkt für politisches Handeln. Für die Autorinnen heißt das, ihre Geschichte öffentlich zu machen.
Die Geschichten von Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık zeigen: Rechtsextremismus ist keine abstrakte Bedrohung. Er zerstört Leben. Und er hinterlässt Angehörige, die um Aufarbeitung kämpfen – und darum, dass ihre Väter und die weiteren Opfer des NSU nicht vergessen werden.
👉 Das Buch ist an unseren Standorten (Hardenbergstraße 22-24 und Revaler Straße 29) erhältlich.
20/03/2026
🕯️Sechs Jahre nach dem rassistischen Anschlag in Hanau ist vieles gesagt worden. Und doch bleibt das Gefühl, dass Entscheidendes fehlt.
Neun Menschen wurden am 19. Februar 2020 ermordet. Neun Menschen mit Migrationsgeschichte. Neun Leben, neun Geschichten, neun Namen, die Teil dieser Gesellschaft waren und sind: Said Nesar Hashemi, Hamza Kenan Kurtović, Ferhat Unvar, Sedat Gürbüz, Fatih Saraçoğlu, Gökhan Gültekin, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz und Kaloyan Velkov.
Oft stehen aber nicht sie im Mittelpunkt – sondern die Tat, der Täter, das Ereignis. 📍👤
Genau damit setzt sich der Autor und Arzt Tuğsal Moğul auseinander. Für ihn ist klar, dass Erinnerung allein nicht ausreicht: „Wir müssen sechs Jahre nach Hanau immer noch darüber sprechen, weil es keine Konsequenzen gibt.“ Vieles sei aufgearbeitet worden – aber längst nicht alles sei geklärt.
🎭 Mit seinem dokumentarischen Theaterstück „And Now Hanau“ bringt Moğul diese offenen Fragen und Perspektiven auf die Bühne. Das Stück basiert auf Recherchen, Aussagen von Angehörigen und dokumentierten Ereignissen – und verschiebt den Fokus bewusst weg vom Täter hin zu den Opfern und ihren Familien. Es geht um Trauer, Wut, Aufklärung – und um die Frage, was gesellschaftliche Verantwortung konkret bedeutet.
💡 Besonders wichtig ist Moğul dabei, wie wir erinnern: „Wir fühlen uns oft erst dann betroffen, wenn es um Namen geht, die wir kennen – Namen aus unserem eigenen Umfeld.“ Wenn Namen fremd klingen, entsteht Distanz – und genau diese Distanz macht es leichter, die Betroffenen nicht als Teil der eigenen Gesellschaft wahrzunehmen. Dass die Angehörigen die Namen der Opfer immer wieder nennen, ist deshalb ein entscheidender Akt des Erinnerns.
📆 Heute (20. März) ist Tuğsal Moğul mit „And Now Hanau“ bei der Berliner Landeszentrale für politische Bildung zu Gast. Die Veranstaltung ist Teil unserer Rechtsextremismus-Reihe „Auch Deutsche unter den Opfern“.
👉 Infos & Anmeldung: https://www.berlin.de/politische-bildung/veranstaltungen/veranstaltungen-der-berliner-landeszentrale/and-now-hanau-1632548.php