04/06/2026
Mit diesem Entwurf gießt die Bundesregierung Öl ins Feuer eines Pflegesystems, das Menschen arm macht und Pflege zum Luxus. Er löst keine der bestehenden Herausforderungen, verschlechtert aber die Situation für alle, die betroffen sind: Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und beruflich Pflegende:
❗ Kinder sollen wieder die Pflege ihrer Eltern zahlen – weil der Staat sich aus der Verantwortung ziehen will.
❗ Für die Pflegegrade 2 und 3 sollen höhere Hürden gelten – wer die entsprechende Unterstützung braucht, aber nicht mehr in die Pflegegrade kommt, dem werden de facto Leistungen gekürzt.
❗ Die Rentenansprüche für pflegende Angehörige sollen gekürzt werden – dabei tragen sie zwei Drittel (!) der Pflege in Deutschland und sind schon jetzt von Armut und Burnout bedroht.
❗ Leistungszuschläge für Menschen im Pflegeheim soll es erst nach einem längeren Zeitraum in der Einrichtung geben – wenn viele der zum Einzug hochalten Betroffene von den Zuschüssen nichts mehr haben.
❗ Vier Jahre lang soll die Verpflichtung zur tariflichen Bezahlung für Pflegekräfte ausgesetzt werden – für Berufe, die sowieso mit schwierigen Bedingungen und fehlender Anerkennung kämpfen.
Das bestehende Defizit ist auch Ergebnis einer langjährigen Praxis, gesamtgesellschaftliche Aufgaben über die Pflegekassen zu finanzieren. Der Bund muss die Milliarden zurückgeben, die der Pflege entzogen wurden. Langfristig führt kein Weg an einer solidarischen Pflegevollversicherung vorbei, die Menschen wirklich absichert.
Eine Reform, die kürzt statt stärkt, verfehlt ihren Auftrag, ist nicht tragfähig und kostet perspektivisch mehr. Die Frage ist nicht, ob wir uns den Sozialstaat noch leisten könnten, sondern ob die Politik mutig und bereit ist, Wege zu gehen, um ihn zu erhalten!
02/06/2026
Weil jedes Ankommen eine Chance verdient. ❤️
Seit bald einem halben Jahrhundert begleiten wir Menschen beim Ankommen - bei Behördenangelegenheiten, bei Fragen, in Krisen, auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben.
Als die ersten Gastarbeiter*innen aus der Türkei nach Deutschland kamen, brachten sie nicht nur ihre Arbeitskraft mit – sie brachten ihre Träume, ihre Hoffnung und ihren Mut.
Wir sind stolz darauf, sie von Anfang an mit begleitet zu haben. Deutschland war schon damals ein Einwanderungsland und ist es nach wie vor. Daran ändert auch eine zunehmend inhumane, abschottende und Europarecht brechende Migrationspolitik nichts. Migrationssozialarbeit muss bleiben - für Inklusion und Vielfalt, aber auch für jeden einzelnen Menschen, der hier ankommt. Gegen Spaltung, für ein solidarisches Miteinander. Gestern, heute und morgen. 🤝
22/05/2026
Weg vom Schreibtisch, ran an Hammer, Schleifgerät, Malerpinsel und Gartenscheren: Beim Social Day haben unsere Kolleg*innen aus dem Bundesverband gestern in sieben Berliner AWO-Einrichtungen mit angepackt: Bänke repariert, Gärten sommerfit gemacht und sogar ein Erlebnislabyrinth gebaut.
Als AWO stehen wir jeden Tag für ganz lebenspraktische Solidarität, konkret vor Ort: in Kitas, Pflegeeinrichtungen, Beratungsstellen, Jugendprojekten und Nachbarschaften überall im Land. Genau diese soziale Infrastruktur steht aber mehr und mehr unter Druck. Während die Politik über Kürzungen, Einsparungen und vermeintliche „Effizienz“ diskutiert, erleben die Menschen in unseren Einrichtungen die eigentliche Realität: steigende Bedarfe, knappe Ressourcen und Fachkräfte, die jeden Tag Unglaubliches leisten.
Beim Bundesverband kämpfen wir dafür, dass genau diese Perspektiven gehört werden, wo es darauf ankommt: Wir bringen die Stimmen und Expertisen aus der sozialen Praxis in politische Prozesse ein, vernetzen uns dafür mit starken Partner*innen, verschaffen den Forderungen der Menschen Gehör und setzen uns gegenüber Politik und Öffentlichkeit für einen handlungsfähigen Sozialstaat ein.
Der Social Day hat uns noch deutlicher gemacht, worum es bei diesen Kämpfen geht: um Orte, an denen Menschen Unterstützung, Gemeinschaft und Teilhabe erfahren. Orte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Orte, so unentbehrlich für uns alle, dass man sie einfach nicht kaputtsparen darf.
Gestern am Schleifgerät, heute wieder am Schreibtisch – damit soziale Arbeit nicht nur beklatscht, sondern endlich verlässlich abgesichert wird.
Und ein großer Dank an die Einrichtungen: Danke, dass wir vor Ort sein durften und ihr euch trotz eurer vielen und wichtigen Arbeit Zeit für uns genommen habt! ❤️
19/05/2026
Wir gedenken heute einer mutigen Demokratin aus Bocholt.
Jeanette Wolff
Am 19. Mai 2026 jährt sich der Todestag von Jeanette Wolff zum 50. Mal.
Sie wurde 1888 in Bocholt geboren. Sie war Sozialdemokratin, Frauenrechtlerin, Gewerkschafterin, bekennende Jüdin, Mitbegründerin der Arbeiterwohlfahrt – und eine Frau, die schon vor 1933 den Mut hatte, den Nationalsozialisten offen die Stirn zu bieten.
Von ihr ist der Satz überliefert:
„Wenn man sich gegen den Misthaufen wehren will, muß man die Mistgabel richtig ansetzen.“
Das war Jeanette Wolff: klar, unerschrocken, kämpferisch. Keine Frau der leisen Andeutungen, sondern eine Demokratin mit Haltung. Eine Frau, die früh erkannte, welche menschenverachtende Gefahr vom Nationalsozialismus ausging – und die nicht schwieg, als Schweigen bequemer gewesen wäre.
Die Nationalsozialisten verfolgten sie politisch und antisemitisch. Sie wurde entrechtet, deportiert und überlebte den Holocaust. Nahezu ihre gesamte Familie wurde ermordet.
Und doch blieb Jeanette Wolff nach 1945 nicht stehen in Schmerz, Verlust und Bitterkeit. Sie wurde wieder aktiv. Sie kämpfte weiter: für Demokratie, für soziale Gerechtigkeit, für jüdisches Leben, für Wiedergutmachung, für die Rechte der Verfolgten und für ein menschliches Miteinander.
Sie war Berliner Stadtverordnete, Bundestagsabgeordnete, Gewerkschafterin und zuletzt stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Für uns als Arbeiterwohlfahrt ist Jeanette Wolff nicht nur eine historische Persönlichkeit. Sie gehört zu unserem Fundament. Zu unserer Geschichte. Zu unserem Auftrag.
Ihr Leben erinnert uns daran: Demokratie lebt nicht von schönen Sonntagsreden. Demokratie lebt von Menschen, die Haltung zeigen. Von Menschen, die widersprechen. Von Menschen, die sich vor andere stellen, wenn Hass, Antisemitismus, Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit wieder lauter werden.
Jeanette Wolff hat gezeigt:
Zivilcourage ist wichtiger als Heldentum.
Gerade heute dürfen wir diese Erinnerung nicht verblassen lassen.
Als AWO stehen wir für Menschlichkeit, Solidarität, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Jeanette Wolff hat diese Werte gelebt – unter Bedingungen, die wir uns kaum vorstellen können.
Ihr Mut bleibt.
Ihre Stimme bleibt.
Ihr Vermächtnis bleibt unser Auftrag.
Wir erinnern an Jeanette Wolff.
Eine Bocholterin. Eine Sozialdemokratin. Eine AWO-Frau. Eine große Demokratin.
18/05/2026
„Die fossile Energiekrise macht deutlich: Gerade für Menschen mit wenig Einkommen sind Öl und Gas eine Kostenfalle. Daher muss die Bundesregierung Wind- und Solarenergie verlässlich weiter ausbauen. Nur so können Strompreise dauerhaft sinken und davon profitieren wir alle. Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland will Tempo bei der Energiewende. Gleichzeitig fordern wir eine Absenkung der Stromsteuer für private Haushalte. Das entlastet direkt und macht klimafreundliche Technologien wie Wärmepumpen und E-Autos attraktiver. Ebenso dringend ist eine gezielte Förderung der energetischen Sanierung von Sozialimmobilien. Denn viele soziale Einrichtungen sind energetisch veraltet, verursachen hohe Betriebskosten und belasten damit sowohl Träger als auch Bewohnerinnen und Bewohner.“ , so AWO Bundesvorständin Claudia Mandrysch.
Der Expertenrat für Klimafragen bestätigt, dass die Bundesregierung zu wenig für den Klimaschutz tut. Angesichts der aktuellen Energiekrise wird dieses Zögern zu einem finanziellen Risiko für die Menschen.
11/05/2026
Die Debatten um ein neues Kita-Qualitätsgesetz sind weiterhin im Prozess … Doch welche Rahmenbedingungen braucht es für eine gute und hochwertige Bildung und Betreuung in der Kita? Wir haben mit zwei Expertinnen aus der Praxis gesprochen.
Steigende Anforderungen, wachsende Ungleichheiten und knappe öffentliche Mittel belasten den Alltag in Kitas erheblich. Und obwohl frühkindliche Bildung eine Investition in die Zukunft ist, wird hier weiter gespart.
Das ganze Interview zu Chancen und Herausforderungen in der Kita gibt es unter awo.org
In der Aushandlung zum Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz mischen wir mit: Im Bündnis mit GEW - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und dem KTK Bundesverband setzten wir uns für bessere Rahmenbedingungen in der Kindertagesbetreuung ein. Und fordern bundesweit verbindliche Standards, u.a. gute Personalschlüssel, Leitungsfreistellung sowie mehr Zeit für Fort- und Weiterbildung!