FIR - International Federation of Resistance Fighters

FIR - International Federation of Resistance Fighters

Teilen

International Federation of Resistance Fighters - Association of Anti-fascists
Fédération Internationale des Résistants - Association antifasciste

The International Federation of the Resistance Fighters (FIR) - association of the anti-fascists is the umbrella organisation of federations of former resistance fighters, partisans, members of the anti-Hitler coalition, pursued of the Nazi-regime and anti-fascist of today's generations from over twenty countries of Europe and Israel.

05/06/2026

Vor 90 Jahren in Frankreich: Volksfront-Politik gegen Rechtsentwicklung

Wir erinnern daran, dass vor 90 Jahren das gemeinsame Handeln der Arbeiterparteien und anderer antifaschistischer Kräfte in Frankreich zu einem politischen Machtwechsel geführt hat. Der Sozialist Léon Blum (SFIO) wurde am 4. Juni 1936 Premierminister („Président du Conseil“) einer linken Koalitionsregierung, unterstützt von den kommunistischen Abgeordneten, ohne dass die PCF selber in diese Regierung eintrat.
Schon im Frühjahr 1936 hatten sich die linken Parteien gegen die Gefahren der Rechtsentwicklung auf ein Volksfront-Programm verständigten. Hinzukam, dass auch die Spaltung der Gewerkschaftsbewegung nach langjähriger Spaltung überwunden werden konnte. So entstand Anfang 1936 die parteiübergreifende „Confédération General du Travail“ (CGT) als einflussreichste Massenorganisation.
Für die im Mai 1936 anstehenden Parlamentswahlen verständigten sich die linken Parteien, im zweiten Wahlgang den jeweils Bestplatzierten als gemeinsamen Kandidaten zu unterstützen.
Damit konnte die Linke deutlich mehr Mandate erreichen als in allen vorherigen Wahlgängen. Zwar hatte sich das Stimmenverhältnis zwischen den Blöcken der Rechtsparteien und der linken Parteien nur geringer verändert (die Parteien der Rechten verloren 100.000 Stimmen = 4,2 Millionen, die Linken gewannen 300.000 Stimmen = 5,4 Millionen), dennoch erreichten die Parteien der Volksfront bei den Kammerwahlen im Mai 1936 eine klare Mehrheit, wobei der PCF nicht nur seine Wählerzahl auf 1,5 Mio. verdoppelte, sondern die Mandatszahlen auf 72 Abgeordnete versechsfachte.

Obwohl es noch kein gesetzliches Frauenwahlrecht gab, holte Blum auch drei Ministerinnen ins Kabinett. Die Reaktion der extremen Rechten und ihrer Medien waren entsprechend. Gegen Leon Blum wurde – in der Tradition der Dreyfus-Affäre – eine antisemitische Kampagne gegen den „juif errant“ (wurzellosen Juden) entfacht, die vor unhaltbaren Verdächtigungen und bösartigen Spekulationen nicht zurückschreckte.

Die Volksfront-Regierung weckte in Frankreich hohe Erwartungen an eine linke politische Entwicklung. In spontanen Massenbewegungen entlud sich der jahrelang aufgestaute soziale Druck. Eine Streikbewegung erfasste das ganze Land. In Betrieben und Verwaltungen begannen Kämpfe gegen politische Kündigungen oder für wirtschaftspolitische Forderungen. Auf dem Höhepunkt der Streikwelle Anfang Juni 1936 kämpften anderthalb bis zwei Millionen Lohnabhängige. Diese Bewegung erfasste nicht nur Arbeiter, sondern fand Unterstützung bei Bauern, kleinen Händlern und selbst Geschäftsleuten. Sie versorgten die Streikenden mit Nahrungsmitteln.

Das Ergebnis waren die „Accords Matignon“. Damit wurde geregelt: sofortiger Abschluss kollektiver Arbeitsverträge; Anerkennung der Gewerkschaften und Einstellung jeglicher Diskriminierungsmaßnahmen wegen Gewerkschaftszugehörigkeit und -tätigkeit; Wahl von Arbeiterdelegierten in den Betrieben; Anpassung anormal niedriger Löhne und eine allgemeine Lohnerhöhung von durchschnittlich 12%.
Diese Vertragsbestimmungen wurden ergänzt durch eine Reihe von Sozialgesetzen, die in den folgenden Tagen im Parlament zur Abstimmung gelangten: Einführung der Vierzigstundenwoche; Gesetz über den kollektiven Arbeitsvertrag; bezahlter Urlaub von zwei Wochen; Nationalisierung eines Teils der Rüstungsindustrie und Reorganisation der Banque de France.
Die Parlamentsbeschlüsse über die „Accords Matignon“ und die Sozialgesetzgebung liefen zumeist einstimmig. Zu groß war das Erschrecken – auch der rechten Parteien – über die Kampfbereitschaft auf betrieblicher Ebene, die spontanen Betriebsbesetzungen und andere Aktionsformen, deren „Ausufern“ man auf alle Fälle verhindern wollte. Die Annahme der Gesetze war zudem von den Streikausschüssen als Voraussetzung für eine Wiederaufnahme der Arbeit ausgegeben worden. Durch diese Beschlüssen wurde die Erinnerung an die Volksfront-Regierung nachhaltig geprägt.

Diese Volksfrontregierung zeigte anfangs eine deutliche antifaschistische Orientierung. Ausgehend von den Erfahrungen des faschistischen Februaraufstandes 1934 wurden am 30. Juni 1936 die rechtsextremen «Bünde» (ligues), die bestehenden Ansätze von faschistischen Massenorganisationen, verboten und aufgelöst. Auch bezogen auf die Ausländerpolitik änderte sich die Haltung der französischen Regierung. So wurde der rechtliche Status von politischen Flüchtlingen und rassisch Verfolgten verbessert. Sie mussten sich – nach einer bestimmten Aufenthaltsdauer in Frankreich – nicht mehr regelmäßig bei der Fremdenpolizei melden und bekamen zudem eine Arbeitsgenehmigung. Damit konnten viele Emigranten eine legale Existenz in Frankreich aufbauen.

Die Erinnerung an die Volksfront-Regierung in Frankreich zeigt, wie die Kraft der geeinten antifaschistischen Kräfte tatsächlich gegen Rechtsentwicklung und für soziale Verbesserungen eingesetzt werden kann. Wir vergessen aber auch nicht, dass die Regierung Blum bezogen auf die Verteidigung der spanischen Republik gegen den Franco-Putsch nach anfänglicher Unterstützung in Absprache mit der britischen Regierung das so genannte „Nicht-Einmischungs-Abkommen“ mit dem faschistischen Italien und Hitler-Deutschland abgeschlossen hat.

05/06/2026

90 Years Ago in France: Popular Front Politics Against the Rise of the Right

We recall that 90 years ago, the joint action of the workers’ parties and other anti-fascist forces in France led to a change in political power. On June 4, 1936, the Socialist Léon Blum (SFIO) became Prime Minister (“Président du Conseil”) of a left-wing coalition government, supported by Communist deputies, without the PCF itself joining the government.
As early as the spring of 1936, the left-wing parties had agreed on a Popular Front program in response to the dangers of a shift to the right. In addition, the division within the labor movement, which had persisted for many years, was finally overcome. Thus, in early 1936, the cross-party “Confédération Générale du Travail” (CGT) emerged as the most influential mass organization.
For the parliamentary elections scheduled for May 1936, the left-wing parties agreed to support the respective front-runner as their joint candidate in the second round of voting. As a result, the left was able to win significantly more seats than in any previous election. Although the number of votes between the blocs of right-wing and left-wing parties had changed only slightly (the right-wing parties lost 100,000 votes = 4.2 million, while the left-wing parties gained 300,000 votes = 5.4 million), nevertheless, the Popular Front parties achieved a clear majority in the Chamber elections in May 1936, with the PCF not only doubling its voter base to 1.5 million but also increasing its number of seats sixfold to 72 deputies.
Although women did not yet have legal suffrage, Blum also brought three female ministers into the cabinet. The reaction of the far right and its media was predictable. In the tradition of the Dreyfus Affair, an anti-Semitic campaign was launched against Leon Blum, targeting the “juif errant” (rootless Jew), which did not shy away from untenable suspicions and malicious speculation.
The Popular Front government raised high expectations in France for a left-wing political development. Years of pent-up social pressure erupted in spontaneous mass movements. A strike movement swept across the entire country. In factories and government offices, struggles began against political dismissals or in support of economic demands. At the height of the strike wave in early June 1936, one and a half to two million wage earners were involved in the struggle. This movement not only encompassed workers but also found support among farmers, small merchants, and even business people. They supplied the strikers with food.
The result was the “Accords Matignon.” These established: the immediate conclusion of collective bargaining agreements; recognition of trade unions and the cessation of all discriminatory measures based on union membership and activity; the election of worker delegates in the workplaces; the adjustment of abnormally low wages; and a general wage increase averaging 12%. These contractual provisions were supplemented by a series of social laws that were put to a vote in Parliament in the days that followed: the introduction of the forty-hour workweek; the law on collective bargaining agreements; two weeks of paid vacation; the nationalization of part of the arms industry; and the reorganization of the Banque de France.
The parliamentary resolutions on the “Accords Matignon” and the social legislation were mostly passed unanimously. The shock—even among the right-wing parties—at the militancy at the workplace level, the spontaneous factory occupations, and other forms of action was too great; they wanted to prevent these from “spilling over” at all costs. Moreover, the strike committees had made the passage of these laws a prerequisite for returning to work. These resolutions left a lasting mark on the legacy of the Popular Front government.
This Popular Front government initially demonstrated a clear anti-fascist orientation. Based on the experiences of the fascist February uprising of 1934, the far-right “leagues” (ligues)—the nascent forms of fascist mass organizations—were banned and dissolved on June 30, 1936. The French government’s stance on immigration policy also shifted. Consequently, the legal status of political refugees and those persecuted on racial grounds was improved. After residing in France for a certain period, they were no longer required to report regularly to the immigration authorities and were also granted work permits. This enabled many emigrants to build a legal life in France.
The legacy of the Popular Front government in France demonstrates how the strength of united anti-fascist forces can effectively be harnessed to counter right-wing tendencies and advance social improvements. However, we must not forget that, regarding the defense of the Spanish Republic against Franco’s coup, the Blum government—after initial support—concluded the so-called “Non-Intervention Pact” with fascist Italy and Hitler’s Germany in consultation with the British government.

29/05/2026

Vor 80 Jahren: Alles Gute zum Geburtstag, Italienische Republik

Am 2. Juni 1946 durften Frauen in Italien zum ersten Mal an Parlamentswahlen teilnehmen – nur wenige Monate zuvor hatten sie bereits bei Kommunalwahlen ihre Stimme abgegeben. Es handelte sich um eine zweigeteilte Wahl: Zum einen ging es darum, über die Staatsform zu entscheiden, zum anderen darum, die Verfassungsgebende Versammlung zu wählen, die anschließend für die Ausarbeitung und Verabschiedung der Verfassung zuständig sein sollte.
Drei außergewöhnliche Entwicklungen: das wirklich allgemeine Wahlrecht, die institutionelle Entscheidungsfindung und der Beginn des Verfassungsgebungsprozesses. Dies wären für jedes Land bedeutende Entwicklungen gewesen, doch kam noch der Unterschied in der Ausübung der tatsächlichen Macht zwischen den Aggressoren des Zweiten Weltkriegs hinzu.
Deutschland, Japan und Italien hatten die Welt angegriffen; die nationalsozialistischen, militaristischen und faschistischen Regime waren von den Alliierten besiegt worden, und die Grundlagen für den Wiederaufbau wurden gelegt. Während in Deutschland die vier Alliierten und in Japan die angloamerikanischen Alliierten die Nachkriegsbedingungen, einschließlich des institutionellen Rahmens, diktierten, indem sie die Verfassung gegenzeichneten oder sogar entwarfen (wie in Japan), waren es in Italien von Anfang an die demokratischen politischen Kräfte, die den Wiederaufbau leiteten, und die Bürger, die durch ihre freie Wahl entschieden. So konnten die Italiener selbst über ihre Zukunft sowie über die Grundprinzipien und Werte entscheiden, auf denen die neue nationale Gemeinschaft beruhte. Dies war möglich, weil die Befreiung vom Faschismus und den nationalsozialistischen Besatzern das Werk der Partisanenbewegung und des antifaschistischen Widerstands war.
Natürlich kämpften die alliierten Armeen in Italien und besiegten die Nationalsozialisten und Faschisten. Ohne die Massenbeteiligung am Widerstand hätte es jedoch nur die militärische Dimension gegeben, nicht aber die demokratische Teilhabe, die Verschmelzung von bewaffnetem Kampf und bürgerlichem Engagement oder die Wiederbelebung der Volkstraditionen – säkularer, katholischer, liberaler, sozialistischer und kommunistischer Prägung –, die der Faschismus über zwanzig Jahre lang unterdrückt hatte. Es waren vor allem Frauen und Männer jeden Alters und aus allen sozialen Schichten: nicht das ganze Volk, sondern aus dem ganzen Volk stammend. Und es wäre schwierig gewesen, Italien wieder aufzubauen, wenn das monarchistische Regime, das am Faschismus mitschuldig und mitverantwortlich war, an der Macht geblieben wäre.
Rund 25 Millionen Bürger gaben ihre Stimme ab, wobei 12,7 Millionen für die Republik, 10,7 Millionen für die Monarchie und 1,5 Millionen ungültige Stimmen abgegeben wurden. Nie zuvor hatte ein ganzes Volk aus freiem Willen über die Staatsform entschieden: Das war die große Stärke des italienischen Antifaschismus. Natürlich vertraten die Stimmen für die Monarchie konservative und reaktionäre Interessen, doch sie genossen große Unterstützung in der Bevölkerung, und die Demokratie musste diesen großen Teil der Bevölkerung für sich gewinnen. Demokratie ist ein tägliches Unterfangen, das ständig unter Druck steht und auf die Probe gestellt wird. Dennoch war die Entscheidung der antifaschistischen Parteien, an den Willen des Volkes zu appellieren, weitsichtig: Vertrauen in die Bürger, Vertrauen in die Freiheit, Vertrauen in die Demokratie.
Bei genauerer Betrachtung schien die Frage so einfach, doch dahinter verbarg sich etwas weit Tieferes. Es schien zu gehen um „Wollt ihr die Republik oder die Monarchie?“, doch die eigentliche Frage war viel tiefgreifender. Sie lautete wie folgt: Wollt ihr die Republik, d.h. fühlt ihr euch fähig, auf euch selbst, das italienische Volk, die gesamte Verantwortung, das größere Opfer, die größere Mitwirkung zu nehmen, die ein System verlangt, in dem alles – sogar das Staatsoberhaupt – von eurer Entscheidung abhängt, die ihr durch den Stimmzettel zum Ausdruck bringt? Wenn ihr mit Ja antwortet, bedeutet das, dass ihr eine feierliche Verpflichtung eingeht – für euch selbst, für eure Kinder, für die Kinder eurer Kinder –, euch mehr um die öffentlichen Angelegenheiten zu kümmern, als ihr es bisher getan habt, euch bewusst zu sein, dass dies eure Sache ist und nur eure, und ihr täglich Stunden des Interesses und der Arbeit dafür zu widmen.
Und so kommt es darauf an, dies heute, 80 Jahre nach jenen Tagen, zu bekräftigen, da die Stimmen derer, die für die Konzentration der Macht in wenigen Händen eintreten, immer lauter werden, die Rückkehr zu autoritären und undemokratischen Systemen, da Macht, Krieg und Diskriminierung unvermeidliche Wege zu sein scheinen. Die Entscheidung des Volkes von 1946 verpflichtet uns heute dazu, einen Weg aus den Krisen zu finden, uns für den Frieden einzusetzen und uns der Bekämpfung von Ungleichheit zu widmen – durch Bewusstseinsbildung, durch Teilhabe, kurz gesagt, durch eine erneuerte Demokratie.
Alessandro Pollio Salimbeni

29/05/2026

80 years ago: Happy Birthday, Italian Republic

2 June 1946, for the first time in Italy, women had the right to vote in general elections – just a few months earlier they had voted in local elections. It was a two-part vote: to decide the form of the state and to elect the Constituent Assembly, which would then be responsible for drafting and approving the Constitution.
Three extraordinary developments: truly universal suffrage, institutional decision-making, and the launch of the constitutional process. These would have been major developments for any country, but there was also the difference in the exercise of real power between the aggressor nations of the Second World War.
Germany, Japan and Italy had attacked the world; the N**i, militarist and fascist regimes had been defeated by the Allies, and the foundations for reconstruction were being laid. Whilst in Germany the four Allies and in Japan the Anglo-american Allies dictated the post-war conditions, including the institutional framework, by countersigning or even drafting the Constitution (as in Japan), in Italy it was the democratic political forces that guided the reconstruction from the very outset, and the citizens who decided through their free vote.
Italians were thus able to decide for themselves their future, and the fundamental principles and values underpinning the new national community. This was possible because liberation from fascism and the N**i occupiers was the work of the partisan movement and the anti-fascist Resistance.
Of course, the Allied armies fought in Italy and defeated the N**is and fascists. Without mass participation in the Resistance, however, there would have been only the military dimension but not democratic participation, the fusion of armed struggle and civic engagement, or the revival of popular traditions – secular, Catholic, liberal, socialist and communist – which fascism had crushed for over twenty years. They were, above all, women and men of all ages and from all social classes: not all the people but coming from all the people.
And it would have been difficult to rebuild Italy with the monarchical regime, which was complicit in and jointly responsible for fascism, remained in place.
Around 25 million citizens voted, with 12.7 million voting for the Republic, 10.7 million for the monarchy, and 1.5 million spoilt ballots.
Never before had an entire people decided the form of the state of their own free will: this was the great strength of Italian anti-fascism. Of course, the vote for the monarchy represented conservative and reactionary interests, but it had great popular support, and democracy needed to win over this large section of the population. Democracy is a daily endeavour, constantly under strain and put to the test. Yet the decision by the anti-fascist parties to appeal to the will of the people was far-sighted: trust in the citizens, trust in freedom, trust in democracy.
On closer inspection, the question seemed so simple, yet beneath it lay something far deeper. It appeared to be ‘do you want the Republic or the monarchy?’, but the real question was much deeper.
It went like this: do you want the Republic, that is, do you feel capable of taking upon yourselves, the Italian people, all the responsibility, all the greater sacrifice, all the greater participation demanded by a system in which everything—even the Head of State—depends on your personal decision, expressed through the ballot paper? If you answer yes, it means that you are making a solemn commitment – for yourselves, for your children, for your children’s children – to be more concerned with public affairs than you have been hitherto, to be aware that this is your business and yours alone, to devote daily hours of interest and work to it.

And so what matters is to reiterate this today, 80 years on from those days, when the voices of those advocating power concentrated in a few hands are growing louder, the return to authoritarian and undemocratic systems, when power, war and discrimination seem to be inevitable paths. The people’s choice in 1946 commits us today to building a way out of the crises, the drive for peace, the commitment to fighting inequality through awareness, through participation, in a word, through a renewed democracy.

Alessandro Pollio Salimbeni

22/05/2026

Revanchisten-Treffen zum ersten Mal in der Tschechischen Republik

In früheren Jahrzehnten gab es jährlich große Treffen von Revanchistenverbänden, von Schlesiern, Sudetendeutschen und anderen Gruppen so genannter „Vertriebener“. Sie kamen im Rahmen der Umsiedlung auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens oder als Flüchtlinge zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Konsequenz der faschistischen Kriegspolitik in die Bundesrepublik Deutschland. „Vertriebenen-Verbände“ waren über viele Jahrzehnte die politische Verfügungsmasse der CDU/CSU, die sie bewusst für Forderungen nach Revision der Nachkriegsgrenzen ins Feld führten. Rückkehr der „deutschen Ostgebiete“ oder „Entschädigung der Sudetendeutschen“ waren bis zum Beginn des KSZE-Prozesses Forderungen, die die Bundesregierung gegenüber den östlichen Nachbarn unterstützten. Revanchisten erhoben massiven Protest („Aktion Widerstand“) gegen die Ostverträge mit der UdSSR, Polen, der CSSR und der DDR.
Mit dem 2+4-Vertrag von 1990 schienen solche revanchistischen Kräfte endgültig an den Rand gedrängt worden zu sein, dennoch arbeiteten die Verbände weiter. Nun generierten sie sich als „kulturpolitische Vereine“ zur Verständigung. Sicherlich waren viele Mitglieder dieser Gruppen nur an der Bewahrung persönlicher Kontakte zur früheren Heimat, an der Pflege ehemaliger kultureller Traditionen interessiert. Aber noch in den 1990er Jahren versuchten Funktionäre der Verbände Forderungen auf „Restitution“ und Entschädigung von „widerrechtlich geraubtem Eigentum“ gegenüber Polen und der Tschechischen Republik durchzusetzen. Damit scheiterten sie zwar, aber es zeigte, wie revanchistisches Denken lebendig blieb.
Nachdem es in den vergangen Jahren etwas ruhiger um diese Verbände geworden ist, die Betroffenen der Umsiedlung leben zumeist nicht mehr, die nächsten Generationen haben sich weitgehend mit der Realität abgefunden, geriet die Sudetendeutsche Landsmannschaft in diesem Jahr erneut in die Schlagzeilen. Zum ersten Mal plante sie ihr traditionelles Pfingsttreffen auf tschechischem Boden, nämlich in der Brno (früher Brünn), der früheren Hauptstadt Mährens. Geplant ist laut Programm neben einem Gedenken an Brünner Opfer des Holocausts und gleichermaßen des „Brünner Todesmarschs“ anlässlich der Aussiedlung der Deutschen 1945 auch viel sudetendeutsche Folklore und Blasmusik. Neben dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe und dem ehemaligen CSU-MEP Bernd Posselt, dem Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, sollen auch tschechische Redner Grußworte sprechen. Finanziert wird das Ganze durch das deutsche Bundesinnenministerium, das bayerische Familienministerium sowie dem von beiden Staaten getragenen Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.
Interessant ist die öffentliche Reaktion auf dieses Treffen. Während in früheren Jahrzehnten Antifaschisten diejenigen waren, die sich dem Treiben der Revanchisten entgegenstellten, melden sich gegen dieses Treffen in Brno auch nationalistische Organisationen in Tschechien lautstark zu Wort. Die rechtskonservative Partei "Freiheit und direkte Demokratie" (SPD), Koalitionspartner von Andrej Babišs Partei ANO, hatte einen Entschließungsantrag gegen den Sudetendeutschen Tag in Brünn ins Prager Parlament eingebracht. Darin heißt es, man verurteile „jegliche Relativierung der nationalsozialistischen Verbrechen und jegliche Infragestellung der Rechts- und Eigentumsverhältnisse“. Angesichts der Wurzeln der Sudetendeutschen Landsmannschaft in der Henlein-Bewegung (SHP), die an der Abtrennung des Sudetengebietes und an Verbrechen während der faschistischen Besatzung beteiligt war, sei dieses Treffen eine Beleidigung aller Opfer der deutschen Besetzung. Dieser Antrag wurde in der letzten Woche mit großer Mehrheit angenommen. Zurecht vermuten linke Kräfte in Tschechien, dass sich die Rechtsregierung mit dieser Kampagne innenpolitisch profilieren will. Daher organisieren sie eine eigene Kundgebung in Brno gegen dieses Treffen.
Interessant für Antifaschisten ist jedoch, wie diese Auseinandersetzung auch Konflikte zwischen extrem rechten Kräften in Europa sichtbar macht. Die deutsche AfD und ihre Jugendorganisation, die eng verbunden mit den Revanchisten der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist, appellieren an die „tschechischen Patrioten“, die deutsch-tschechische Verständigung nicht zu gefährden und auch „des Leids der vertriebenen Deutschen“ zu gedenken. Damit werden sie in der Tschechischen Republik jedoch wenig Gehör finden.
Auch aus Sicht der FIR ist ein solches Treffen in Brno abzulehnen. Revanchistische Verbände agieren nicht nur als Traditionsgruppen ehemaliger Bewohner einer Regionen, sondern sie zeigen – nun unter kulturellen Vorzeichen – weiterhin einen deutschen Hegemonie-Anspruch, aus dem sich politische und Eigentumsforderungen ableiten lassen.

22/05/2026

Revanchist Gathering Held for the First Time in the Czech Republic

In earlier decades, there were annual large gatherings of revanchist associations, Silesians, Sudeten Germans, and other groups of so-called “displaced persons”. They came to the Federal Republic of Germany as part of the resettlement based on the Potsdam Agreement or as refugees at the end of World War II as a consequence of fascist war policies. For many decades, “displaced persons’ associations” served as the CDU/CSU’s political voting bloc, which the parties deliberately mobilized to demand a revision of postwar borders. The return of the “German eastern territories” or “compensation for the Sudeten Germans” were demands that the federal government supported vis-à-vis its eastern neighbors until the start of the CSCE process. Revanchists mounted massive protests (“Aktion Widerstand”) against the Eastern Treaties with the USSR, Poland, the Czechoslovak Socialist Republic, and the GDR.
With the 2+4 Treaty of 1990, such revanchist forces seemed to have been definitively marginalized, yet the associations continued their work. They now re-branded themselves as “cultural-political associations” dedicated to mutual understanding. Certainly, many members of these groups were interested only in maintaining personal contacts with their former homeland and preserving former cultural traditions. But even in the 1990s, officials of the associations attempted to enforce demands for “restitution” and compensation for “unlawfully seized property” against Poland and the Czech Republic. Although they failed in this endeavor, it demonstrated how revanchist thinking remained alive.
After things had quieted down somewhat around these associations in recent years—most of those affected by the resettlement are no longer alive, and the next generations have largely come to terms with reality—the Sudeten German Association made headlines again this year. For the first time, it planned its traditional Pentecost gathering on Czech soil, specifically in Brno (formerly Brünn), the former capital of Moravia. According to the program, in addition to a commemoration of Brno’s victims of the Holocaust and the “Brno Death March” during the expulsion of Germans in 1945, there will also be plenty of Sudeten German folklore and brass band music. In addition to Bavarian Minister-President Markus Söder, as patron of the Sudeten German ethnic group, and former CSU MEP Bernd Posselt, the spokesperson for the Sudeten German Association, Czech speakers are also scheduled to deliver welcoming remarks. The event is funded by the German Federal Ministry of the Interior, the Bavarian Ministry of Family Affairs, and the German-Czech Future Fund, which is supported by both countries.
The public reaction to this gathering is noteworthy. While in earlier decades it was anti-fascists who opposed the activities of the revanchists, this time nationalist organizations in the Czech Republic are also vocally speaking out against this gathering in Brno. The right-wing conservative party “Freedom and Direct Democracy” (SPD), a coalition partner of Andrej Babiš’s ANO party, has introduced a motion in the Prague Parliament opposing the Sudeten German Day in Brno. The motion states that it condemns “any revitalization of N**i crimes and any questioning of legal and property rights.” Given the Sudeten German Association’s roots in the Henlein Movement (SHP), which was involved in the secession of the Sudetenland and in crimes committed during the fascist occupation, this gathering is an insult to all victims of the German occupation. This motion was passed last week by a large majority. Left-wing forces in the Czech Republic rightly suspect that the right-wing government aims to raise its profile domestically with this campaign. Therefore, they are organizing their own rally in Brno against this meeting.
What is interesting for anti-fascists, however, is how this dispute also highlights conflicts among far-right forces in Europe. The German AfD and its youth organization, which is closely linked to the revanchists of the Sudeten German Association, are appealing to “Czech patriots” not to jeopardize German-Czech understanding and to also commemorate “the suffering of the expelled Germans.” However, they will find little support for this in the Czech Republic.
From the FIR’s perspective as well, such a meeting in Brno must be rejected. Revanchist associations do not merely act as traditional groups of former residents of a region; rather, they continue to assert—now under the guise of culture—a German claim to hegemony from which political and property claims can be derived.

15/05/2026

Der 8. und 9. Mai als Feiertag

Ebenso wie der 25. April in Italien und Portugal und der 5. Mai in den Niederlanden Feiertage sind, an denen die Befreiung der Ländern von der faschistischen Herrschaft von der gesamten Gesellschaft begangen wird, gibt es in verschiedenen europäischen Ländern die Bestrebungen den Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg bzw. den Tag des Sieges offiziell zum Feiertag zu erklären. Während in verschiedenen Ländern von Russland bis Frankreich dieser Gedenktag als staatlicher Feiertag begangen wird, kämpft die deutsche VVN-BdA seit vielen Jahren – ausgehend von einer Petition der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano, bis zu ihrem Tod Mitglied im Ehrenpräsidium der FIR, die von knapp 200.000 Menschen unterstützt wurde – darum, den 8. Mai zum Feiertag zu erklären. In einzelnen Bundesländern hatte diese Initiative bereits Erfolg. Im vergangenen Jahr wurde der 8. Mai auch in Berlin einmalig zu einem Feiertag erklärt. Erkennbar ist es noch ein langer Weg, diese Forderung durchzusetzen. Auch vom österreichischen KZ-Verband waren anlässlich des Mauthausen-Gedenkens ähnliche Forderungen zu hören. Im europäischen Parlament gab es verschiedene Vorstöße der Linksfraktion für eine solche Initiative, die für die Mitgliedsstaaten nur empfehlenden Charakter haben kann. Dort setzten sich jedoch die konservativen Kräfte durch, die statt des 8. Mai den 9. Mai – jedoch nicht als „Tag des Sieges“, sondern als „Europatag“ – als Feiertag beschlossen.
Wenn nun schon solch eine Empfehlung des Europa-Parlaments vorliegt, dann kann man dies möglicherweise nutzen, um konservative Kräfte im eigenen Land zu ermutigen, den 9. Mai auch als antifaschistischen Feiertag einzurichten. In diesem Sinne verbreitete der ungarische Verband MEASZ einen offenen Brief an den jetzt gewählten neuen Ministerpräsidenten Petér Magyar mit dem Vorschlag, „dem 9. Mai einen besonderen staatlichen Status zu verleihen und ihn zu einem gesetzlichen Feiertag zu erklären – mit dem Ziel, ihn zu einem Tag würdigen Gedenkens und Feierns für mehrere miteinander verknüpfte Ereignisse von historischer und europäischer Bedeutung zu gestalten!“ In dem Brief wirf wird darauf hingewiesen:
„Der 8. und 9. Mai sind untrennbar mit der militärischen Kapitulation N**ideutschlands (1945) verbunden; dies markiert das Ende des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Europa. In zahlreichen Ländern des Kontinents gilt dieser Tag als Gedenktag an den Sieg über den Faschismus. Der 9. Mai ist der offizielle Feiertag der Europäischen Union; er knüpft an die Schuman-Erklärung von 1950 an und verkörpert die Idee der europäischen Integration, des Friedens und der Zusammenarbeit. In Anlehnung an die Worte von Árpád Göncz bildet dieser Tag eine Brücke: Er verbindet den Frieden in Europa mit dem ungarischen Streben nach Freiheit – insbesondere mit dem Erbe des Jahres 1956.“
Die ungarischen Antifaschisten verweisen darauf: „In etlichen europäischen Ländern ist der Tag, der das Ende des Zweiten Weltkriegs markiert, als gesetzlicher Feiertag anerkannt (so beispielsweise in Frankreich, der Tschechischen Republik und der Slowakei). Auch für Ungarn wäre es folgerichtig, einen übergreifenden Gedenktag zu etablieren, der sowohl an die historische Vergangenheit als auch an das heutige Europa anknüpft.
Eine besondere Hervorhebung des 9. Mai würde die Wertschätzung für Frieden, Demokratie und das antifaschistische Erbe stärken. Sie würde die historischen Erfahrungen Ungarns mit den gemeinsamen Werten Europas verknüpfen. Zudem böte sie die Chance auf ein gemeinsames nationales Gedenken, das gesellschaftliche Trennlinien überwindet, und würde ein nachdrückliches internationales Signal für das europäische Engagement Ungarns aussenden.“
Die FIR verteidigt die Erinnerung an den „Tag der Befreiung“ und den „Tag des Sieges“ und begrüßt alle Vorschläge, den Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg zum gesetzlichen Feiertag zu erklären. Das ist ein wichtiges politisches Signal des gesellschaftlichen Erinnerns und gegen alle geschichtsrevisionistischen Bestrebungen der extremen Rechten,die die Ergebnisse des antifaschistischen Kampfes in Frage stellen wollen.

Wollen Sie Ihr Service zum Top-Regierungsdienstleistung in Berlin machen?

Klicken Sie hier, um Ihren Gesponserten Eintrag zu erhalten.

Lage

Adresse


Berlin
10365