28/09/2026
Mehr als bedauerlich! Abriss markanten Gebäudes an der Hartmannstraße beschlossen.
Wer die Zeitung „Freie Presse“ aus Chemnitz liest wurde informiert, daß der Abriss der unter Denkmalschutz stehenden Bebauung an der Hartmannstraße 17 besiegelt wurde. Hohe finanzielle Beträge werden nun aufgewandt um Grundstück mit Haus zu erwerben, dann abzureißen und die Fläche mit einer Haltestelle der Straßenbahn neu zu bebauen. Journalist Benjamin Lummer, bemerkte kurz und knapp, dass sich das BSW der AfD-Fraktion angeschlossen habe, den Abriss nicht zu unterstützen. Nun ist das nicht nur falsch, sondern verkürzt dargestellt, aber auch eben nicht untypisch für „Freie Presse“. Gerade auch kurze Beiträge eignen sich, um zu verzerren und führen doch öfter ins Lummerland für Zeitungsleser, als einfach, der Devise folgend: Information vor Sensation, in faktenbasierte nüchterne Realitäten.
Es geht also um eine Straßenbahnstrecke über die Hartmannstraße, sie wird Teil des sogenannten Chemnitzer Modells, Stufe 4, Ziel: Limbach-Oberfrohna, längst beschlossene Trassenführung vor der letzten Kommunalwahl, (bedauerlicher Weise gab es da noch keine BSW-Fraktion), die Bebauung Hartmannstraße Nummer 17, bis dato Heimstatt für Bewohner und Geschäfte, muß einer Haltestelle weichen.
Im Ausschuss VFA (Verwaltungs- und Finanzausschuss) wurde der Ankauf und Abriss „beraten“, Fragen wurden auch durch uns und zuerst gestellt, nach Alternativen z. B. und, auch da bereits bekannt gegeben, dass wir diesem unvernünftigen Antrag nicht zustimmen.
Für uns ist es eben nicht alternativlos, bestehende Bauten abzureißen, um eine Haltestelle zu platzieren. Eine Debatte, einen Austausch gab es im Arbeitsgremium nicht – auch dies scheint die Regel, nicht die Ausnahme.
Folgender Aspekt bestimmt unsere Sicht auf die Problematik: Für uns ist die Bestandsbebauung egal ob Denkmalsschutz oder nicht, Stadtbild prägend. Unsere Stadt ist nicht gerade gesegnet mit historischer Bausubstanz im Stadtkern. Der letzte Krieg in unserer Heimat, (der von deutschem Boden ausging) im Übrigen dem Luftkrieg der Britischen- und US-amerikanischen Luftwaffe geschuldet, nicht etwa dem Einsatz der Roten Armee, sorgte dafür. Die vormalige Helmut-Just-Straße musste nach der Wende zudem „Federn“ lassen. Da wurde historische Bausubstanz z.B. in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Fahrrad Franke“ abgerissen, was zu dieser Zeit schon für Protest sorgte und nachvollziehbaren Unverständnis der Bevölkerung. Das bauliche Bild wird durch die Kahlstrecke der Straßenbahn in diesem Bereich nachhaltig verändert, nicht zum Positiven, wie auch an anderer Stelle der Strecke, z. B. Brückenstraße und Ecke- Leipziger-Straße.
Sicher alles funktional, wenn man sich nicht prinzipiell gegen das Chemnitzer-Modell ausspricht, aber nicht besonders schön und von wohlfühlen, nicht zu reden. Auch relativ phantasielos und nicht ausgeplant, wenn man sich die Bedingungen für alle Verkehrsbeteiligten genauer ansieht. (Nebenbei: Natürlich ist es begrüßenswert, dass zukünftig an der Zwickauer-Straße die Schmalspurstraßenbahn wieder einige Meter bewegt werden kann, doch ein drittes Gleis für die Innenstadt anhand der Neubaulinien, ist das so unrealistisch, so unmöglich – wie viele Touristen hätte das angezogen – die einmalige Chemnitzer Straßenbahn auf schmaler Spur, fährt wieder durch ihre Stadt für die Bewohner und Gäste.)
Doch selten wird in den Medien über die Arbeit in Ausschüssen berichtet. Im Stadtrat gab es dann keinen Antrag außer den der Stadtverwaltung, so dass man sich keinem anderen Antrag hätte anschließen können. Das der Redner der AfD-Fraktion nach Liste eher sprechen konnte, ist auch kein besonderer Aspekt der Anschluss suggeriert, sondern eben eine Reihenfolge von Beiträgen. Dass wir dann nicht sinnlos Zeit in Anspruch nehmen wollen, um alles nochmals zu benennen, was schon gesagt wurde, zeichnet uns eher aus, als dass es ein Kritikpunkt sein sollte – im Übrigen, auch ein Merkmal, sich nicht ständig selbst darstellen zu müssen, koste es was es wolle und sei es schlicht Lebenszeit aller Beteiligten.
Schlussendlich haben wir den Antrag mehrheitlich abgelehnt und uns nicht angeschlossen dem Vorschlag der Verwaltung, weil uns und unseren Unterstützern unsere Stadt am Herzen liegt, eben aus dieser Perspektive.
Enrico Hilbert
parteiloser Stadtrat in der Fraktion des BSW