Das Pinguin-Café im Dresdner Zoo verschwindet. Der charmante Pavillon braucht ein neues Leben! Das Pinguin-Café stand seit 1973 im Dresdner Zoo.
Eine Initiative des Netzwerkes ostmodern.org --> www.facebook.com/ostmodern.org/ Der freundliche, leichte Pavillon mit kühner Wellen-Dachkonstruktion war jahrzehntelang ein Besuchermagnet. 2017 war das Jahr, in dem diese Ära endete. Nachdem die bisherigen Betreiberinnen in den Ruhestand gingen, möchte der Zoo einen Neubau errichten und eine erweiterte Gastronomie mit neuem Betreiber anbieten. Wir
möchten hier Erinnerungen der Zoobesucher sammeln, und auch nach vorne blicken. Nach starkem Einsatz der Initiative ostmodern.org und verschiedener Stadtratsfraktionen konnte die Montagekonstruktion sorgsam abgebaut und ins Lapidarium der Stadt Dresden eingelagert werden. Nun kommt es darauf an, einen Investor zu finden, der es an anderer Stelle wieder errichten möchte und so dem Pavillon sein drittes Leben ermöglicht. Denn vor seiner Zookarriere hatte der Pavillon schon ein kurzes Berliner Dasein. Er wurde 1969 als Boulevardcafé für die Leistungsschau zur 20-Jahrfeier der DDR "Kämpfer und Sieger" an der Karl-Marx-Allee errichtet. Diese Seite soll dem kleinen Bau ein Denkmal setzen - auch und gerade, weil er in der offiziellen Lesart des zuständigen Landesamtes KEINEN Denkmalwert hat... Wir stufen den Bau aufgrund seiner leichten, beschwingt-futuristischen Formensprache, der pavillonartigen Gestaltung, seiner Materialität und der zugehörigen Umfeldgestaltung als ein schützenswertes Kleinod ein, dass im Stadtgebiet seinesgleichen sucht. Auch in der Überschau im gesamten Osten Deutschlands muss man leider feststellen, dass gerade Bauten dieses Typs (vergleichbar etwa mit dem "Mokka-Sternchen" in Cottbus) zu den frühen Verlusten und besonders leichtfertig geopferten Bauwerken gehörten, so dass heute kaum noch authentische Beispiele zu finden sind. Damit kommt aus unserer Sicht dem Pinguin-Café sogar eine Bedeutung zu, die über die Grenzen Dresdens hinaus verweist. Der Bau ist eine quadratische, dreiachsige, eingeschossige, nicht unterkellerte Konstruktion mit stählernem Tragrahmen. Die Fassade ist durch stählerne Rahmenelemente gegliedert, die im Besucherbereich vollflächig verglast sind, in den anderen Bereichen sind sie überwiegend mit wärmedämmenden Leichtbauelementen ausgefacht, abgesehen von einem unter der Decke liegenden umlaufenden Fensterband. Im Inneren waren die meisten Einbauten wie Raumteiler, Zwischendecke und Lampen sowie der Fußboden noch bauzeitlich erhalten, das gleiche galt für die umgebende Freiflächengestaltung im Dresdner Zoo. Nun ist von dem Pavillon nur noch das stählerne Traggerüst übrig. Entworfen wurde die Montage-Konstruktion vom Architekten Erich Lippmann (BDA, 1906-1969), Berlin, die Ausführung des Tragwerks lag in den Händen des VEB Stahlhochbau Eberswalde. Über die Berliner Zeit wissen wir leider noch recht wenig, für den Wiederaufbau in Dresden sind die Dokumente etwas beredter. Von der Idee bis zur Eröffnung vergingen 1,5 Jahre; die Errichtung hier war „ein Gemeinschaftswerk des VE Gaststätten- und Hotelbetriebs, des Zookollektivs und zahlreichen Bau- und Handwerksbetrieben“ (SNN 12.7.73). Das Haus wurde baulich für die neue Aufgabe angepasst, ("Anpassung für 'zootypische Gastronomie' ", SZ 15.7.73), verantwortlich für Entwurf war das "Büro für Rationalisierung der Bezirksdirektion des volkseigenen Einzelhandels". Seitens des Zoos übernahm die Projektleitung der Architekt Klaus Tempel, er war Technischer Direktor im Dresdner Zoo bis 1973. Die Eröffnung wurde am 14.7.1973 gefeiert. Das Haus war mit "modernen Einrichtungen und Aggregaten aus der DDR, CSSR und Ungarn" ausgestattet (SZ 23.6.73), es verfügte zu der Zeit über 36 Innenplätze + 10 Barhocker, eine Kassettendecke; einen 20-Meter Wandfries des Diplomgrafikers Gerhard Papstein, welcher Pinguine in der Eislandschaft der Antarktis zeigte; eine Aluminiumarbeit von Helmut Schmitt als Raumteiler; eine mit Schaumstoff abgepolsterte Bar... Im Außenbereich warteten 120-200 Gästeplätze, weiß lackierte Stahlrohrmöbel mit rotem Schaumleder, "traubenartige Kugellampen" sowie ein Laubengang zu neugebauter Toilette (zeitgenössische Zeitungsberichte). Zu den Gründen, warum sich der Zoo eine Sanierung des Baus nicht vorstellen konnte, erfuhren wir vom Zoodirektor unter anderem, dass die Raumaufteilung ungünstig sei, da mehr als die Hälfte der Gesamtfläche für nicht-öffentliche Betriebsräume genutzt wird und somit als Gastraum fehlt. Das stimmt zwar, hätte sich aus unserer Sicht aber lösen lassen, indem ein Funktionsbau im direkt angrenzenden Wirtschaftshof errichtet würde und das Pinguincafé somit auf der kompletten Fläche für den Gastbetrieb genutzt werden könnte. Auch sei ein ganzjähriger Betrieb gewünscht (bisher nur Saisonbetrieb), und das Gebäude verfüge bisher über keine Heizmöglichkeit. Auch hier stellt sich die Frage, warum im Zuge der Sanierung der Einbau einer Heizung und die entsprechende Wärmeschutzverglasung nicht möglich gewesen wären?
18/10/2023
Happy: Die Machbarkeitsstudie der Stadt Dresden für die 2033 zeigt eine schöne Visualisierung des neuen geplanten Standortes für das ehemalige Pinguin-Café im Südpark. Das tragende Stahlgerüst wurde 2017 im Zoo Dresden abgebaut und vom Denkmalamt der Stadt Dresden eingelagert. Der ursprüngliche Standort war 1969-1973 an der Karl-Marx-Allee in Berlin. Vor kurzen wurden Teile des Stahlgestells in einer Berliner Kunstausstellung gezeigt.
Für die BUGA: Dresden baut Pinguin-Cafe wieder auf
Für die Bundesgartenschau in Dresden soll das Pinguin-Café aus dem Zoo wieder aufgebaut werden. Der neue Standort wäre im Südpark - mit einem phantastischen Blick auf die Stadt.
26/03/2022
Schon im Februar passiert, aber hier noch nicht gemeldet: Ein kleiner Schritt weiter!
Der Dresdner hat den über längere Zeit partizipativ entwickelten für den bestätigt. Nun braucht es noch eine Stadtratsentscheidung. Für den Wiederaufbau des ehemaligen s bedeutet das auch einen kleinen Schritt Richtung .
(Bezahlschranke)
DNN Dresdner Neueste Nachrichten ostmodern.org Dresden ostmodern
Nicht viel Neues vom Pinguin-Café aber immerhin ist es wieder einmal medial präsent aufgrund einer Anfrage an die Stadtverwaltung. Die Anzeichen für einen neuen Standort im gerade entstehenden Südpark mehren sich. Seit 2020 wird außerdem repariert: „Das Sächsische Umschulungs- und Fortbildungswerk (SUFW Dresden e.V.) setzt die in einzelne Module zerlegte Stahlkonstruktion instand, das Ende der Arbeiten ist für dieses Jahr vorgesehen, sagt Hilbert. Realistisch gesehen dürften noch zwei Jahre ins Land gehen, ehe der Wiederaufbau des Pavillonbaus konkret werden könnte.“
Der Throwbackthursday zieht mich heute nach Dresden zu ostmodern.org 2017 habe ich für den tollen Verein Shirts mit einem Icon gestaltet. Danke an Marco für die Erinnerung!
02/09/2020
Marco aus unserem Kernteam hat anlässlich des Jahr der Industriekultur 2020 in Sachsen mit detektor.fm gesprochen. In der aktuellen Podcast-Ausgabe geht es um beim Erhalt und Pflege des baulich-technischen Kulturerbes. In dem Gespräch wird klar, wo die Vorteile, aber auch die Problemzonen und Grenzen des ehrenamtlichen Engagements liegen. Im Fall von liegt immerhin schon die beachtliche Wegstrecke von rund 14 Jahren hinter uns, die wir uns auf diese Weise einbringen.
Hier könnte ich also irgendwann (hoffentlich bald) hinkommen und die schöne Aussicht über und den neuen Südpark genießen... (Fläche zwischen der Fahrspur und den Sträuchern rechts)
30/11/2019
Am Mittwoch, 27.11.2019 hat der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften dem Bebauungsplan Nr. 40, Dresden-Räcknitz Nr. 1, Südpark zugestimmt.
In den Zielen für die Umgestaltung zur Erholungslandschaft gehört auch die „Ausweisung von Aufenthaltsbereichen in Verbindung mit Aussichtspunkten, ggf. Wiedererrichtung des Pinguin-Cafés („Südpark statt Südpol“).“
Wir freuen uns, wenn aus dem ggf. Realität wird ;-)
Gute Chancen für das Pinguincafé
Der Dresdner Bauausschuss hat den Plänen zugestimmt, den Südpark zu entwickeln. Dort könnte auch das Café Platz finden.