23/09/2026
Rhein-Erft-Kreis schlägt Erhöhung der Kreisumlage vor
Eigentlich möchten wir den nun folgenden Post am liebsten nicht schreiben müssen. Aber wir halten ihn für notwendig und dringend geboten.
Viele von Euch haben es bereits in der Zeitung gelesen: Der Rhein-Erft-Kreis hat den zehn Städten im Kreis seine Planungen für die Kreisumlage 2027 und 2028 mitgeteilt.
Der Umlagesatz soll demnach 2027 von derzeit 29,3 auf 35 Prozent und 2028 auf 38 Prozent steigen. Für Elsdorf würde die vorgeschlagene Erhöhung in den kommenden vier Jahren eine zusätzliche Belastung von insgesamt rund 11,2 Millionen Euro bedeuten – rechnerisch durchschnittlich 2,8 Millionen Euro pro Jahr.
Fest steht: Der Elsdorfer Haushalt ist solide geplant und seit Jahren von Sparsamkeit geprägt. Zusätzliche Belastungen in dieser Höhe sind aber weder in unserer noch der Finanzplanung der meisten kreisangehörigen Städte bislang enthalten. Selbst Kürzungen bei freiwilligen Leistungen wie Jugendarbeit und Vereinsunterstützung oder Stellenstreichungen würden bei uns nicht annähernd ausreichen, um diese Summe aufzufangen. Schlussendlich bleibt wahrscheinlich nur die Möglichkeit, die Gemeindesteuern in einzelnen Städten zu erhöhen.
Das Problem dabei: Der Kreis erhebt diese Steuer nicht selbst. Er fordert jedoch eine deutlich höhere Umlage von den Städten, die das zusätzliche Geld dann aufbringen müssen. Dadurch sind die kommunalen Stadträte vor Ort in der unverschuldeten Lage, Steuererhöhungen in Gestalt von Grundsteuer A, B oder Gewerbesteuer für ihre Städte beschließen zu müssen. Dies führt dann nachvollziehbar zu Kritik, obwohl sie die Ursache selbst nicht zu verschulden haben. Der Bote wird stellvertretend gerne zum Sündenbock – ein Mechanismus wie im Mittelalter.
Diesen Stellvertreter-Mechanismus für den Kreis sehen wir seit Langem kritisch. Unsere Haltung ist klar: Wer mehr Geld benötigt, wie der Kreis, sollte auch selbst erklären, warum es gebraucht wird und welche Folgen das für die Menschen hat – oder die notwendigen Einnahmen am besten gleich selbst erheben. So wie die Stadt Elsdorf regelmäßig ihre Arbeit und ihre Entscheidungsgrundlagen erläutert, muss auch die Kreispolitik die Höhe der Kreisumlage und ihre Folgen erklären. Das dürfen die betroffenen Bürger erwarten und das fordern auch die Bürgermeister.
Die Stadtverwaltung hat deshalb für den Hauptausschuss am kommenden Dienstag in einer Vorlage dargelegt, was die Planungen des Kreises konkret für Elsdorf bedeuten würden. Dabei geht es nicht um eine Beschlussfassung. Die Vorlage ist ein Weckruf und soll die möglichen Folgen der aktuellen Planungen frühzeitig deutlich machen.
Rein rechnerisch sieht es nämlich so aus: Müsste der zusätzliche Betrag von durchschnittlich 2,8 Millionen Euro pro Jahr vollständig über die Grundsteuer B finanziert werden, wäre in Elsdorf eine Anhebung des Hebesatzes um rund 420 Prozentpunkte auf 1.430 Prozent notwendig. Für die rund 10.800 Elsdorfer Haushalte wären das durchschnittlich etwa 260 Euro zusätzlich pro Jahr. Diese Zahlen machen deutlich: Es handelt sich nicht um irgendeine abstrakte Umlage – es handelt sich um eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung für alle Elsdorferinnen und Elsdorfer.
Zur Einordnung: Im Jahr 2025 hat die Stadt Elsdorf rund 6,750 Millionen Euro über die Grundsteuer B eingenommen. Gleichzeitig musste sie insgesamt rund 12,950 Millionen Euro Kreisumlage an den Rhein-Erft-Kreis zahlen. Die nun geplante Erhöhung käme noch hinzu.
Finden wir das gut? Sicherlich nicht. Im Gegenteil!
Für viele von Euch sind die gestiegenen Kosten beim Einkaufen, Heizen und Tanken schon heute deutlich spürbar. Weitere 260 Euro im Jahr wären für die meisten kein kleiner Betrag. Das ist uns sehr bewusst.
Ob die Erhöhung in dieser Höhe notwendig ist und ob der Kreis alle Möglichkeiten zur Kostensenkung ausgeschöpft hat – dies haben einzig die Mitglieder des Kreistags zu bewerten und entscheiden. Darüber hinaus wird die Stadt Elsdorf keine öffentliche Bewertung vornehmen.
Wie geht es nun weiter: Die endgültige Entscheidung über die Höhe der Kreisumlage trifft ausschließlich der Kreistag bis zum Jahresende. Wir können nur hoffen, dass diese Entscheidung sorgfältig überdacht wird und die Begründung öffentlich und nachvollziehbar kommuniziert wird. Darauf habt ihr alle ein gutes Recht.
Wir möchten betonen, dass es hier nicht um Stimmungsmache geht. Wir wollen die Fakten auf den Tisch legen und damit unseren Beitrag zu einer offenen und sachlichen Diskussion leisten. Denn eine Entscheidung mit solch weitreichenden Folgen kann nur getroffen werden, wenn die konkreten Auswirkungen auf die Städte und die Menschen vor Ort bekannt sind.
Wir hoffen, dass der Kreistag dies in seine weiteren Überlegungen einfließen lässt.