02/08/2026
Neue Anträge zur Römerstraße
Diese Simulation aus der Präsentation zeigt einen Teil der geplanten Änderungen: Bergauf sind auf der Römerstraße Fahrradschutzstreifen vorgesehen, an der Einmündung Landsberger Straße inklusive Aufstellfläche und eigener Ampel – bergab weiße Fahrradpiktogramme. © Matthias Stock
Gilching – Selten hat es in der jüngeren Vergangenheit in Gilching eine politische Entscheidung gegeben, die dermaßen kontrovers und ausdauernd diskutiert wurde wie derzeit die geplanten Änderungen auf dem Abschnitt der Römerstraße zwischen den Einmündungen Am Bahnhof und Münchener Straße. Nach zahlreichen Leserbriefen, zwei Nachprüfungsanträgen aus Reihen des Gemeinderats und einer ausführlichen Stellungnahme des Fahrradclubs ADFC äußern sich nun auch die Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler im Gemeinderat, Matthias Vilsmayer, und von SPD Plus, Christian Winklmeier, dazu. Unabhängig voneinander machen sich beide dafür stark, es Radfahrern auch nach Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zu erlauben, wie bisher auf den Rampen jenseits der Fahrbahn die Unterführung unter der Eisenbahn zu nutzen.
Ein attraktiver Radverkehr bedeutet nicht, Radfahrende dauerhaft auf Gehwege zu verlagern, sondern ihnen einen sicheren und sichtbaren Platz im Straßenraum zu geben.
Matthias Vilsmayer, Vorsitzender der Freien Wähler in Gilching
Vilsmayer und Winklmeier haben entsprechende Anträge an Bürgermeister Stefan Siegl geschickt. „Wir sind der Überzeugung, dass mit dieser ergänzenden Maßnahme die berechtigten Sorgen vom Tisch sind und die bestmögliche Lösung für die Unterführung gefunden wurde“, erklärt SPD-Sprecher Winklmeier kurz und knapp. Ausführlicher äußert sich FW-Chef Vilsmayer zu der Angelegenheit. „Seit Jahren wird – völlig zu Recht – gefordert, mehr für den Radverkehr zu tun“, schreibt er in einer persönlichen Stellungnahme an den Starnberger Merkur. „Sobald jedoch erstmals eine Maßnahme beschlossen wird, die Radfahrenden auf einer wichtigen Hauptverkehrsachse mehr Sichtbarkeit und Sicherheit verschaffen soll, regt sich erheblicher Widerstand.“
Vilsmayer betont, dass die vom Gemeinderatsausschuss für Umwelt, Energie und Verkehr am 13. Juli beschlossene Lösung keineswegs im Hinterzimmer entstanden sei. „Sie wurde gemeinsam mit Radverkehrsexperten der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen entwickelt und wird auch von der ADFC-Ortsgruppe Gilching ausdrücklich begrüßt.“ Anlass für die Neuordnung seien zudem bestehende rechtliche und sicherheitstechnische Defizite bei der bisherigen Verkehrsführung gewesen.
„Die heutige Situation ist für viele Radfahrende alles andere als attraktiv“, betont Vilsmayer. „Wer den gemeinsamen Geh- und Radweg nutzt, muss an mehreren Stellen absteigen oder sich im Schritttempo zwischen Fußgängern bewegen.“ Das sei keine zeitgemäße Verkehrsführung für Alltagsradler, Pendler, E-Bike-Fahrer oder Rennradfahrer, die zügig von A nach B gelangen wollten. „Ein attraktiver Radverkehr bedeutet nicht, Radfahrende dauerhaft auf Gehwege zu verlagern, sondern ihnen einen sicheren und sichtbaren Platz im Straßenraum zu geben.“ Genau diesen Ansatz verfolge das Konzept in Gilching mit Schutzstreifen, Piktogrammketten, Tempo 30, einer eigenen Radampel mit früher Grünphase sowie aufgeweiteten Radaufstellflächen, erklärt der FW-Chef weiter.
Um insbesondere Kindern, älteren Menschen oder unsicheren Radfahrern eine Möglichkeit jenseits der Fahrbahn zu schaffen, schlägt auch Vilsmayer vor, den bisherigen gemeinsamen Geh- und Radweg künftig als Gehweg mit dem Zusatz „Radfahrer frei“ auszuweisen. In dem Zusammenhang müsse allerdings geklärt werden, wie und in welchem Zeitraum das zu niedrige Geländer angepasst werden müsse.
Vilsmayer sieht die Entscheidung im Übrigen nicht als Endpunkt, sondern als Auftakt. „Gilching hat die Chance, Schritt für Schritt ein durchgängiges und kostengünstiges Konzept für mehr Radverkehrssicherheit umzusetzen“, sagt er. Lösungen wie auf dem jetzt diskutierten Teilstück seien auch an anderen Stellen möglich. Einen entsprechenden Antrag stimmten die Freien Wähler gerade ab. Und Vilsmayer bittet die Kritiker des Beschlusses, eigene Vorschläge vorzulegen. „Ein bloßes Dagegen bringt weder Fußgänger und Radfahrende noch Autoverkehr weiter.“
Quellenangabe: Starnberger Merkur vom 03.08.2026, Seite 39