16/09/2026
[💡 Unten gibt es den Text auch in Einfacher Sprache.]
Die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen fordert eine rechtliche Absicherung durch Bund und Länder, um die kritische und unabhängige Gedenkstättenarbeit in Sachsen-Anhalt zu schützen. Dazu hat sie folgende Stellungnahme veröffentlicht:
Stellungnahme zum Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei eine Landtagswahl gewonnen. Zwar erreichte die AfD in Sachsen-Anhalt nicht die absolute Mehrheit, nach aktuellem Stand wird sie aber den Ministerpräsidenten stellen und an der Regierung beteiligt sein. Das hat weitreichende Folgen für die Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen sowie für alle engagierten Menschen vor Ort, die nicht in das Weltbild der AfD passen.
Schon im August 2026 machte die AfD mit ihrem Antrag zur Neuausrichtung der Gedenkstättenkonzeption des Bundes klar, dass sie die Erinnerungskultur, und dabei insbesondere das Gedenken an die Zeit des Nationalsozialismus und der SED-Diktatur, zu Gunsten einer Fokussierung auf einen positiven deutschen Geschichts- und Heimatbegriff umbauen möchte. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Was bisher stets als zum Teil verbale Ausrutscher einzelner Parteifunktionäre weggeredet wurde, wird mit dem Antrag nun erstmals von der Bundespartei veröffentlicht. Die AfD macht damit auf Bundesebene deutlich, was aus dem Landesverband Sachsen-Anhalt bereits bekannt ist. Sie will ein völkisches Geschichtsbild etablieren und die NS-Verbrechen durch die Einbettung in eine vermeintlich multiperspektivische Geschichtserzählung relativieren.
Diese Entwicklung ist mit Blick auf den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt besorgniserregend. Die AfD und ihre Sympathisanten treten mit steigenden Wahlerfolgen lokal wie überregional immer lauter auf und stellen das Gedenken an die Opfer der Verbrechen des NS-Regimes zunehmend öffentlich infrage – in Parlamenten, im gesellschaftlichen Diskurs, aber eben auch in den Gedenkstätten vor Ort. In Sachsen-Anhalt schlug die Landtagsfraktion der AfD 2017 die Einrichtung einer Gedenkstätte für die Opfer der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg vor.
Ungeachtet des individuellen Leids der deutschen Opfer geht damit eine Relativierung der beispiellosen NS-Verbrechen einher.
Mit dem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt wird der Druck auf die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, die einzelnen Gedenkstätten, Demokratie- und Geschichtsvereine vor Ort sowie Erinnerungsinitiativen größer. Bereits 2017 hat die sachsen-anhaltinische AfD beabsichtigt, die landeseigene Gedenkstättenstiftung aufzulösen. Es ist zu befürchten, dass dieses Vorhaben umgesetzt wird, wenn die AfD die Landesregierung stellt. Auch einen Umbau der Landeszentrale für politische Bildung hatte die Partei bereits ins Spiel gebracht. Die AfD greift damit die Grundpfeiler der historisch-politischen Bildung in Deutschland an.
Eine offene, demokratische und pluralistische Gesellschaft braucht historisch-politische Bildung, sie braucht ein umfassendes, differenziertes Geschichtsverständnis und Gedenkstätten als authentische Orte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Die Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen steht fest an der Seite der Kolleginnen und Kollegen in Sachsen-Anhalt. Sie unterstützt die Forderung nach einer rechtlichen Absicherung durch Bund und Länder, um die kritische und unabhängige Gedenkstättenarbeit in Sachsen-Anhalt zu schützen.
Für den Sprecherinnen- und Sprecherrat
Thomas Altmeyer, Dr. Ann Katrin Düben, Dr. Katherine Lukat, Judith Sucher
[💡 Der gleiche Text einfacher]
Was bedeutet das Wahl·Ergebnis der Land·tags·wahl in Sachsen-Anhalt für die Gedenk·stätten?
Die AFD hat in Sachsen-Anhalt die Wahl gewonnen.
Die AFD in Sachsen-Anhalt ist eine rechts·extreme Partei.
Das hat der Verfassungs·schutz gesagt.
Zum ersten Mal hat eine rechts·extreme Partei eine Land·tags·wahl in Deutschland gewonnen.
Wahrscheinlich gibt es deswegen einen Ministerpräsidenten von der AFD.
Der Minister·präsident leitet die Regierung.
Das Ergebnis der Wahl bereitet Sorgen.
Wegen dem Sieg bei der Wahl treten die AFD und ihre Anhänger immer lauter auf.
In Sachsen-Anhalt und in ganz Deutschland.
Die AfD hat auch Ideen, wie Gedenken und Erinnerung aussehen soll.
Das hat große Folgen für Gedenk·stätten und Gruppen, denen Erinnerung wichtig ist.
Und für Menschen, die dort arbeiten oder mithelfen.
Diese Menschen setzen sich für eine offene und demo·kratische Gesellschaft ein.
Deshalb mag die AFD diese Menschen nicht.
Was plant die AFD zum Thema Gedenken und Erinnerung?
Im August 2026 stellte die AfD einen Antrag.
Sie möchte die Arbeit von Gedenkstätten verändern.
Die AfD möchte den Blick auf eine positive deutsche Geschichte und auf Heimat richten:
Die AfD möchte ein völkisches Geschichts·bild stärken.
Völkisch bedeutet hier: eine Vorstellung von einem Volk als Gemeinschaft mit gleicher Herkunft.
Die AFD findet: Menschen aus anderen Ländern, gehören nicht dazu.
Die AfD möchte damit auch die Verbrechen der Nazi-Zeit anders darstellen.
Sie möchte verschiedene Sicht·weisen auf die Geschichte verbinden.
Das kann bedeuten: die Verbrechen der Nazi-Zeit erscheinen weniger schlimm.
Die AfD sagt: müssen wir wirklich so viel über die Opfer der Nazi-Zeit reden?
Das sagen sie in der Politik.
Das sagen sie auch in der Zeitung, im Fernsehen und im Internet
Was bedeutet das für die Arbeit in den Gedenk·stätten?
Alle Gedenk·stätten in Sachsen-Anhalt gehören zu einer Organisation.
2017 wollte die AFD diese Organisation schließen.
Wenn die AFD jetzt regiert kann sie das machen.
Die Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt haben jetzt Angst.
Sie haben Angst ihre Arbeit nicht mehr weiter machen können.
Das gilt auch für Vereine und Gruppen die an die Nazi-Zeit erinnern.
Wir haben auch Angst, dass das passiert.
Warum sind Gedenk·stätten wichtig?
Menschen brauchen Wissen über die Geschichte und Politik.
Das ist wichtig für Demokratie.
Gedenkstätten können helfen, dieses Wissen zu verbreiten.
Hier können Menschen über die Vergangenheit lernen.
Und hier können Menschen über die Bedeutung der Geschichte für die Gesellschaft sprechen.
Was sagen die Gedenk·stätten aus Hessen?
Wir finden die Arbeit der Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt wichtig.
Wir stehen fest an der Seite der Menschen die in den Gedenkstätten arbeiten.
Es sind unsere Kolleginnen und Kollegen.
Wir wollen: Die Arbeit der Gedenkstätten muss geschützt werden.
Dazu muss es ein Gesetz für ganz Deutschland geben.
Ein solches Gesetz kann dafür sorgen, dass die Gedenk-Stätten kritisch und frei arbeiten können.
Kritisch bedeutet: Menschen dürfen Fragen stellen
und verschiedene Meinung besprechen.
Frei bedeutet: Gedenk·stätten können unabhängig arbeiten.
Für die Gedenk·stätten in Hessen
Thomas Altmeyer, Dr. Ann Katrin Düben, Dr. Katherine Lukat, Judith Sucher
Aktives Museum Spiegelgasse für deutsch-jüdische Geschichte in Wiesbaden
Arbeitskreis ehemalige Synagoge Pfungstadt e.V.
Muna-Museum Grebenhain
Jüdisches Museum Frankfurt / Museum Judengasse
Synagoge Vöhl
Stiftung Adam von Trott, Imshausen e.V.
Alte Synagoge Rüsselsheim
Gedenkstätte Breitenau
Fritz Bauer Institut
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.
Weilburg erinnert e. V.