ATB Autismus Hessen

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14/10/2026

Wer laut wird, bekommt Aufmerksamkeit und wer sich zurückzieht, wird oft übersehen.

Ein Kind schreit, verweigert sich, wird wütend. Sofort reagieren wir, ein anderes Kind wird still, zieht sich zurück, versucht irgendwie durchzuhalten und wir denken: Läuft doch!

❗Aber seit wann bedeutet unauffälliges Verhalten eigentlich, dass es einem Menschen gut geht?

Gerade bei autistischen Menschen kann Überforderung ganz unterschiedlich aussehen.

Nicht jeder Stress ist laut, nicht jede Krise ist sichtbar und nicht jeder Mensch, der funktioniert, kommt auch gut zurecht.

Vielleicht sollten wir weniger danach fragen, wie sehr uns ein Verhalten stört und häufiger danach, was dieses Verhalten über die Situation des Menschen erzählt.

💬 Was meinen Sie? Übersehen wir die Menschen, die ihre Überforderung nicht laut zeigen?

Anderssein braucht nicht automatisch Hilfe, Beeinträchtigung manchmal schon.Deshalb finden wir die Unterscheidung so wic...
12/10/2026

Anderssein braucht nicht automatisch Hilfe, Beeinträchtigung manchmal schon.

Deshalb finden wir die Unterscheidung so wichtig.

In der aktuellen Diskussion sprechen wir viel darüber, dass Menschen unterschiedlich wahrnehmen, denken, kommunizieren und handeln.

Gut so.

Aber wenn wir über Autismus, Behinderung und Teilhabe sprechen, reicht die Feststellung „Dieser Mensch ist eben anders“ irgendwann nicht mehr.

Wir müssen auch fragen dürfen:
Was gelingt diesem Menschen nicht oder nur mit erheblichem Aufwand?

Wo entstehen Barrieren?
Wo ist seine Teilhabe eingeschränkt?
Was kann das Umfeld verändern?
Was kann der Mensch selbst lernen?
Welche Unterstützung braucht er?

Das ist keine defizitorientierte Sicht auf einen Menschen.

Es ist die Voraussetzung dafür, Unterstützung individuell zu gestalten.

Denn zwei Menschen mit derselben Diagnose können völlig unterschiedliche Fähigkeiten, Schwierigkeiten und Unterstützungsbedarfe haben.

Deshalb sollten wir weder jedes Anderssein pathologisieren noch tatsächliche Beeinträchtigungen romantisieren.
Menschen sind mehr als ihre Schwierigkeiten, aber Schwierigkeiten verschwinden nicht, indem wir ihnen einen schöneren Namen geben.

Wir möchten nicht weniger Verständnis. Wir möchten mehr Genauigkeit.

07/10/2026

Gerade wenn es um Teilhabe, Behinderung, Anträge und Unterstützungsmöglichkeiten geht, kann man sich durch unglaublich viele Informationen kämpfen – und am Ende trotzdem nicht wissen:

Was davon gilt eigentlich für mich?
Wo muss ich hin?
Was kann ich beantragen?
Wer hilft mir, das alles zu verstehen?

Genau dafür gibt es die EUTB – die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung.

Die EUTB berät Menschen mit Behinderungen, von Behinderung bedrohte Menschen und ihre Angehörigen kostenlos und unabhängig zu Fragen rund um Rehabilitation und Teilhabe.

Und das ist mir wichtig:
👉 Die EUTB ist keine Beratungsstelle nur für Autismus.
Aber sie kann eine richtig gute Anlaufstelle sein, wenn es darum geht, sich im Hilfesystem zu orientieren und die eigenen Möglichkeiten besser zu verstehen.

Denn manchmal braucht man nicht noch mehr Informationen, man braucht jemanden, der hilft, sie zu sortieren.

„Neurodivergent“ ist inzwischen fast Alltagssprache geworden und vielleicht liegt genau darin eine kleine Schwierigkeit....
05/10/2026

„Neurodivergent“ ist inzwischen fast Alltagssprache geworden und vielleicht liegt genau darin eine kleine Schwierigkeit.

Denn je häufiger wir einen Begriff benutzen, desto selbstverständlicher glauben wir zu wissen, was er bedeutet.

Bei „neurodivergent“ ist das gar nicht so eindeutig, es ist keine medizinische Diagnose, es gibt keinen diagnostischen Kriterienkatalog für „Neurodivergenz“ und keine allgemein verbindliche Grenze, welche Diagnosen oder Eigenschaften darunterfallen.

Das macht den Begriff nicht wertlos.

Im Gegenteil: Die Neurodiversitätsperspektive hat einen wichtigen Gedanken stark gemacht – neurologische Unterschiede müssen nicht ausschließlich als Defizite betrachtet werden.

Aber ein sehr weit gefasster Begriff beantwortet eben noch nicht die entscheidende Frage:

Was bedeutet die Besonderheit für diesen einen Menschen?

➡️ Wo kommt er gut zurecht?
➡️ Wo entstehen Barrieren?
➡️ Wo leidet er?
➡️ Wo ist seine Teilhabe eingeschränkt?
➡️ Wo braucht er tatsächlich Unterstützung?

Darüber sollten wir sprechen, denn zwischen „anders“ und „beeinträchtigt“ liegt ein Unterschied.

Wir möchten nicht weniger Verständnis. Wir möchten mehr Genauigkeit.

30/09/2026

Wissen kann man nachlesen, aber manche Fragen brauchen ein Gegenüber.📚

Bücher, Fachartikel und Fortbildungsunterlagen liefern uns unglaublich viel Wissen über Autismus und trotzdem ersetzen sie eines nicht: den persönlichen Austausch.

Die Frage stellen, die gerade wirklich beschäftigt, einen Fall gemeinsam durchdenken, eine andere Perspektive hören, Erfahrungen teilen und manchmal auch feststellen: Genau dieses Problem kenne ich auch.

Dafür gibt es den ATB Campus.

In Workshops und Seminaren, bei Netzwerktreffen und Fallberatungen schaffen wir Raum für Fachwissen, aber vor allem für echten Austausch.

Denn Wissen wächst nicht nur beim Lesen, es wächst auch im Gespräch.

Neurodivergenz, Autismus, PDA. Masking, Akzeptanz, Selbstdiagnose oder Behinderung.Begriffe und Themen, die uns auf Soci...
28/09/2026

Neurodivergenz, Autismus, PDA. Masking, Akzeptanz, Selbstdiagnose oder Behinderung.

Begriffe und Themen, die uns auf Social Media inzwischen täglich begegnen und das ist erst einmal gut!
Denn lange wurde zu wenig gesprochen, zu wenig erkannt und zu wenig verstanden, aber wir merken zunehmend, dass uns in der aktuellen Diskussion etwas fehlt: die Differenzierung.

Nicht jeder Unterschied ist eine Störung.
Nicht jede Belastung ist eine Behinderung.
Nicht jede Erklärung ist eine Diagnose.
Nicht jede kritische Nachfrage bedeutet, dass man einem Menschen seine Erfahrung abspricht.

Wir arbeiten seit über 20 Jahren mit autistischen Menschen – mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und mit sehr unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen.

Vielleicht gerade deshalb möchten wir einige Fragen stellen, die in der aktuellen Debatte manchmal untergehen.

➡️ Was bedeutet „neurodivergent“ eigentlich?
➡️ Warum hören wir diesen Begriff heute überall und früher kaum?
➡️ Wann wird Anderssein zur Beeinträchtigung?
➡️ Was bedeutet Akzeptanz – und bedeutet Akzeptanz automatisch, dass andere alles an mir gut finden müssen?
➡️ Wo bleibt bei all dem die Behinderung?
➡️ Was ist eigentlich mit PDA?

Wir möchten in dieser Reihe nicht weniger Verständnis, wir möchten mehr Genauigkeit.

Denn wir können Unterschiede wertschätzen und trotzdem über Beeinträchtigungen sprechen.
Wir können entstigmatisieren, ohne zu romantisieren und wir können Menschen ernst nehmen, ohne auf jede schwierige Frage eine einfache Antwort zu geben.

Weniger Etiketten, mehr genaues Hinschauen.

Hinweis: das Klassenfoto wurde mit Hilfe von KI generiert.

23/09/2026

Vielleicht brauchen wir nicht immer mehr Angebote oder vielleicht brauchen wir manchmal einfach jemanden, der erklärt, wie es weitergeht.

Denn genau das erleben wir jeden Tag:

Menschen haben einen Antrag vor sich und verstehen ihn nicht. Eltern wissen nicht, wer eigentlich zuständig ist.
Erwachsene fragen sich, welche Unterstützung ihnen überhaupt zusteht.
Und immer wieder hören wir:
„Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.“

Dann braucht es nicht sofort Therapie, nicht noch ein Konzept und nicht noch zehn Internetseiten, sondern jemanden, der zuhört, sortiert und Orientierung gibt.

Manchmal kann ein einziges gutes Gespräch unglaublich viel verändern.

Vielleicht sollten wir genau darüber wieder mehr sprechen: Beratung ist keine Nebensache, sie kann der Anfang von Teilhabe sein.

💬 Wie erleben Sie das? Ist es heute schwieriger geworden, überhaupt herauszufinden, welche Hilfe möglich ist?



Hinweis: das Titelbild wurde mit Hilfe von KI erstellt

Wie viel Kraft kostet es eigentlich, Hilfe zu bekommen?Wir sprechen viel darüber, was Unterstützung kostet.Was kostet ei...
21/09/2026

Wie viel Kraft kostet es eigentlich, Hilfe zu bekommen?

Wir sprechen viel darüber, was Unterstützung kostet.

Was kostet eine Assistenz?
Was kostet Eingliederungshilfe?
Was können wir uns als Gesellschaft leisten?

Aber was kostet es einen Menschen, die notwendige Unterstützung überhaupt zu bekommen?

Menschen mit Behinderung müssen immer wieder erklären, wo ihre Grenzen liegen und warum sie Unterstützung benötigen.

Anträge stellen. Unterlagen einreichen. Gespräche führen. Rückfragen beantworten. Warten.

Und währenddessen läuft das ganz normale Leben weiter.

Wir erleben, wie viel Kraft dieser permanente Rechtfertigungsdruck kosten kann.

Dabei brauchen wir alle Unterstützung. Wir arbeiten in Teams, lassen uns beraten, bitten um Hilfe oder geben Aufgaben ab.

Warum sollte das bei Menschen mit Behinderung anders sein?

Unterstützung ist nicht das Gegenteil von Selbstständigkeit. Manchmal ist sie überhaupt erst die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.

Vielleicht sollten wir deshalb nicht nur fragen:
„Wie viel Unterstützung ist unbedingt notwendig?“

Sondern:

„Was braucht dieser Mensch, damit sein Leben gelingt?“

Denn Teilhabe bedeutet mehr als irgendwie zurechtzukommen.

Gemeinsam bedeutet nicht, dass jeder alleine klarkommt, gemeinsam bedeutet, dass wir miteinander klarkommen.

In der Politik ist Assistenz selbstverständlich, jedoch bei Menschen mit Behinderung ist sie begründungspflichtig.Dieser...
14/09/2026

In der Politik ist Assistenz selbstverständlich, jedoch bei Menschen mit Behinderung ist sie begründungspflichtig.

Dieser Gedanke beschäftigt uns sehr.

Politikerinnen und Politiker arbeiten selbstverständlich mit Mitarbeitenden, die Termine koordinieren, Unterlagen vorbereiten, Informationen strukturieren und organisatorische Aufgaben übernehmen.

Das ist auch gut so, denn Unterstützung schafft Freiräume, ermöglicht Konzentration auf die eigenen Aufgaben und macht Menschen handlungsfähig.

Aber warum verändert sich unsere Haltung eigentlich, sobald ein Mensch mit Behinderung Unterstützung benötigt?

Dann geht es plötzlich darum, sehr genau zu beschreiben, was dieser Mensch nicht kann.

Wo liegen die Einschränkungen?
Warum geht es nicht allein?
Wie viel Hilfe ist tatsächlich notwendig?

Natürlich müssen öffentlich finanzierte Teilhabeleistungen bedarfsgerecht und nachvollziehbar bewilligt werden, aber wir sollten darüber sprechen, welche Haltung dahintersteht.

Warum ist Unterstützung in manchen gesellschaftlichen Positionen ein selbstverständliches Instrument für erfolgreiches Arbeiten, während sie bei Menschen mit Behinderung so schnell zum Ausdruck von Hilfebedürftigkeit wird?

Vielleicht sollten wir die Perspektive verändern!

Assistenz bedeutet nicht automatisch Unselbstständigkeit. Assistenz kann Selbstständigkeit ermöglichen und ein Mensch wird ganz sicher nicht selbstständiger, indem wir ihm die Unterstützung nehmen, die er benötigt, um sein Leben selbstbestimmt führen zu können.

Vielleicht brauchen Menschen mit Behinderung also gar nicht „zu viel Unterstützung“, vielleicht müssen sie nur viel ausführlicher als andere erklären, warum sie Unterstützung brauchen.

Darüber sollten wir miteinander reden.

09/09/2026

Über Geld spricht man in sozialen Berufen oft nur ungern.

Dabei sollten wir genau das tun.

Wenn wir selbstverständlich bereit sind, für einen Steuerberater, eine Rechtsanwältin oder einen IT-Berater ein angemessenes Honorar zu bezahlen – warum fällt uns das im sozialen Bereich so schwer?

Professionelle Begleitung von Menschen im Autismus-Spektrum basiert nicht auf Bauchgefühl.

Sie basiert auf Fachwissen, Erfahrung, kontinuierlicher Fortbildung, Verantwortung und auf der Fähigkeit, jeden Menschen individuell zu verstehen.

Diese Expertise entsteht nicht nebenbei.

Sie wird über Jahre aufgebaut und muss dauerhaft erhalten werden.

Gleichzeitig wünschen wir uns engagierte Fachkräfte, die Menschen langfristig begleiten, Verantwortung übernehmen und mit Leidenschaft arbeiten.

Das gelingt nur, wenn wir ihnen auch faire Arbeitsbedingungen und eine gerechte Vergütung bieten.

Wer Qualität in der sozialen Arbeit fordert, muss auch bereit sein, Qualität zu finanzieren.

Denn am Ende investieren wir nicht in Stunden.

Wir investieren in bessere Entwicklungschancen, mehr Teilhabe und ein selbstbestimmteres Leben für Menschen im Autismus-Spektrum.

Genau dafür steht das ATB.

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