28/10/2026
🚐 Wohnmobilstellplätze in Langen: Warum wir den Prüfantrag der Grünen abgelehnt haben!
Auf Instagram wird derzeit der Eindruck vermittelt, Langen habe eine große Chance vertan, weil der Prüfantrag der Grünen für zusätzliche Wohnmobilstellplätze abgelehnt wurde. Gleichzeitig wird angedeutet, dass möglicherweise nicht der Inhalt des Antrags ausschlaggebend gewesen sei.
Das möchten wir so nicht stehen lassen!
Denn es gab sehr wohl konkrete, sachliche und finanzielle Gründe für unsere Entscheidung. Und wer sich die Erfahrungen anderer Kommunen anschaut, wird feststellen, dass unsere Bedenken keineswegs aus der Luft gegriffen sind.
💶 1. Auch Prüfanträge kosten Geld!
Immer wieder hören wir: „Es soll doch erst einmal nur geprüft werden. Das kostet doch nichts!“
Doch, das tut es!
Jeder Prüfauftrag bindet Personalressourcen unserer Verwaltung. Mitarbeiter müssen mögliche Standorte untersuchen, rechtliche Voraussetzungen klären, Infrastrukturbedarf ermitteln und Kosten sowie Wirtschaftlichkeit bewerten.
Das alles kostet Arbeitszeit und damit Geld.
Und bei einem für 2026 geplanten Haushaltsdefizit von rund 15,4 Millionen Euro müssen wir endlich Prioritäten setzen!
🏕️ 2. Wir haben bereits Wohnmobilstellplätze!
Am Langener Waldsee gibt es bereits ein saisonales Angebot für bis zu zwölf Wohnmobile.
Warum also einen weiteren Stellplatz mitten im Stadtgebiet schaffen?
Wo soll dieser entstehen? Welche Flächen stehen überhaupt zur Verfügung?
Je nach Ausstattung werden Strom, Frischwasser, Abwasserentsorgung und gegebenenfalls Sanitäranlagen benötigt. Hinzu kommen Müllentsorgung, Unterhaltungskosten, mögliche Lärmbelastungen und die erforderliche Verkehrsanbindung.
All das muss berücksichtigt werden, bevor man weitere städtische Mittel bindet.
📊 3. Andere Kommunen haben bereits Erfahrungen gesammelt – und die sind keineswegs nur positiv!
Wir haben uns konkrete Beispiele angeschaut:
🔴 Bergisch Gladbach (NRW)
In der Haushaltsplanung 2023 standen für den dortigen Wohnmobilstellplatz jährliche Ausgaben von rund 65.000 Euro lediglich geschätzte Einnahmen von 5.000 Euro gegenüber.
Das bedeutete einen kalkulierten jährlichen Zuschussbedarf von etwa 60.000 Euro!
Die Stadt erwog deshalb aus Kostengründen die Schließung. Der Betrieb wurde zunächst fortgeführt, bevor die Fläche 2025 einer anderen kommunalen Nutzung zugeführt wurde.
🔴 Fürstenfeldbruck (Bayern)
Dort berichtete die Stadtverwaltung 2025 über erheblichen Personalaufwand, Vandalismus, missbräuchliche Nutzung, außergewöhnlich hohen Stromverbrauch und eine nicht mehr reparable Entsorgungsanlage.
Und das, obwohl der Stellplatz gut genutzt wurde!
Die Stadt entschied sich schließlich für einen Betreiberwechsel und eine Modernisierung der Anlage.
🔴 Rietberg (NRW)
Dort waren für einen geplanten Wohnmobilstellplatz Investitionen von rund 500.000 Euro vorgesehen, davon etwa 370.000 Euro allein für den Bau.
Für gerade einmal 15 Stellplätze!
Die örtliche CDU sprach sich mit Verweis auf die Haushaltslage und Zweifel an einem wirtschaftlichen Betrieb gegen das Projekt aus.
Diese Beispiele zeigen: Wohnmobilstellplätze sind nicht automatisch ein Gewinn für die Stadtkasse!
Es gibt erfolgreiche Anlagen, aber eben auch erhebliche finanzielle und organisatorische Risiken.
🚗 4. Unsere Verkehrsinfrastruktur ist schon heute an ihren Grenzen!
Seit über 50 Jahren wird über den vierspurigen Ausbau der B486 zwischen Langen und der A5 gesprochen. Bereits 1970 gab es entsprechende Planungen.
Bis heute wurde dieser Ausbau nicht begonnen!
Hinzu kommt ein weiterer historischer Fehler in der Verkehrsplanung:
Ursprünglich sollten die Langener Nordumgehung und die geplante Südumgehung Buchschlag–Sprendlingen gemeinsam für eine Entlastung der Region sorgen.
Die Südumgehung wurde jedoch nicht verwirklicht. Die Nordumgehung war unter der Annahme dieser zusätzlichen Verkehrsverbindung lediglich zweispurig geplant und wurde auch so gebaut.
Die Folgen dieser damaligen Entscheidungen spüren wir bis heute!
Engpässe, Rückstaus und eine unzureichende Verkehrsinfrastruktur belasten Langen schon jetzt erheblich.
Und vor diesem Hintergrund sollen wir zusätzlich darüber nachdenken, weitere Wohnmobile gezielt in unser Stadtgebiet zu lotsen?
Auch die Verkehrsanbindung und mögliche zusätzliche Belastungen gehören deshalb zu einer verantwortungsvollen Abwägung.
💰 5. Wo bleibt der konkrete wirtschaftliche Nutzen?
Natürlich können Wohnmobiltouristen unsere Gastronomie und den Einzelhandel unterstützen.
Aber die bloße Hoffnung auf zusätzliche Gäste ist noch kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept!
Wie viele Wohnmobile würden tatsächlich nach Langen kommen? Wie viele davon würden hier Geld ausgeben? Und welche Einnahmen blieben nach Abzug sämtlicher Kosten überhaupt übrig?
Das sind berechtigte Fragen.
❗ 6. Und zur angedeuteten parteipolitischen Motivation:
Wer den Eindruck erwecken möchte, wir würden Anträge grundsätzlich deshalb ablehnen, weil sie von den Grünen kommen, sollte sich an den August erinnern!
Wir haben als AfD-Fraktion die Wiederwahl des Grünen Stefan Löbig zum Ersten Stadtrat geschlossen unterstützt!
Darüber haben wir bereits öffentlich berichtet.
Warum? Weil für uns die sachliche Bewertung entscheidend ist und nicht das Parteibuch!
Unsere Ablehnung des Wohnmobil-Prüfantrags hatte nachvollziehbare Gründe. Diese einfach auszublenden und stattdessen parteipolitische Motive anzudeuten, wird der tatsächlichen Diskussion nicht gerecht.
✅ Was Langen jetzt wirklich braucht!
Wir erleben regelmäßig neue Anträge, mit denen zusätzliche Projekte angestoßen, weitere Angebote geschaffen und neue Ausgaben vorbereitet werden sollen.
Dabei steht unsere Stadt finanziell bereits mit dem Rücken zur Wand.
Wir brauchen endlich mehr Vorschläge, wie wir Geld einsparen, bestehende Angebote effizienter nutzen und unsere Verwaltung entlasten können!
Selbstverständlich darf und soll man neue Ideen einbringen. Aber nicht jede Idee rechtfertigt automatisch einen weiteren kostenpflichtigen Prüfauftrag.
Und nicht jeder abgelehnte Antrag bedeutet, dass eine Chance vertan wurde.
Politische Verantwortung bedeutet auch, begründet Nein sagen zu können!
Genau das haben wir getan.
Wer unsere Entscheidung kritisiert, sollte auch die Argumente berücksichtigen, die zu ihr geführt haben.
Sachlich. Kritisch. Bürgernah.