translib

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translib ein communistisches labor An den Rand des Lebens gedrängt konsumieren wir stattdessen mit dem Spektakel immer mehr Bilder von dem Leben, das wir träumen sollen.

Diese Bibliothek soll zu einem Stützpunkt für Leute werden, die sich nicht mit ihrem „Schicksal“ abfinden wollen, ihr Dasein als Arbeitskraftbehälter für Kapital und Staat zu fristen – für alle, die an der alltäglichen Entfremdung leiden, eingezwängt in die herrschende zweigeschlechtliche Identitäts-Norm und eine soziale Hierarchie, immerfort nur die gigantische Profitmaschinerie am Laufen zu halten, die doch nicht nach unseren Bedürfnissen organisiert ist. Diese blinde, katastrophentreibende Gesellschaftsordnung beherrscht uns verrückterweise als ihr Anhängsel und gewährt uns von dem ganzen weltgesellschaftlichen Reichtum immer nur die genau abgemessenen Krümel, die unsere Reproduktion als Ware Arbeitskraft mehr oder weniger sicherstellen – und zwar zunehmend weniger. Solange wir uns nicht selbsttätig Klarheit über die Funktionsweise der herrschenden Lebensbedingungen verschaffen und unserer gesellschaftlichen Praxis nicht eine rationale Grundlage geben können, sind alle Ausbruchsversuche dazu verdammt, ins Leere zu laufen oder der gegenrevolutionären Mobilisierung in die Hände zu spielen. Gefühlssozialismus und antikapitalistisches Ressentiment führen niemals hinaus aus der Klassengesellschaft. Vielmehr befördern sie das Umschlagen von Rebellion in den Furor der antisemitischen Gesellschaft. Deshalb ist zuallererst die Feindlichkeit und Verachtung gegenüber Theorie, Wissenschaft und Vernunft in der Geschichte zu bekämpfen. Die nötige Arbeit am Begriff, die Entwicklung und Kombination unserer intellektuellen und charakterlichen Fähigkeiten und ihre Schärfung als Waffen müssen wir eigenständig als kollektive Kritikerin leisten und können sie nicht ungestraft an uns repräsentierende Chefdenker, ideologische Experten und politische Führungskräfte delegieren. Eine zivilisierte kommunistische Revolution, das heisst die Aufhebung aller Trennungen der menschlichen Gattung, kann nur das Werk der kapitalproduzierenden Klasse, also der ungeheuren Mehrzahl der Menschen selbst sein. Die massenhafte Aneignung revolutionärer Theorie ist die Bedingung für ihr Umschlagen in eine praktische assoziierte Macht der Emanzipation in allen Bereichen. Allein „die ihrer selbst mächtige, zur Gewalt werdende Aufklärung selbst vermöchte die Grenzen der Aufklärung zu durchbrechen.“ (Adorno/Horkheimer)


Lektürekurse (Stand Juni 2022):

*Psychonalyse und Gesellschaftskritik
*Karl Marx' Das Kapital (Band 1)
*Hegels Rechtsphilosophie
*Geschichte der ArbeiterInnenbewegung
*Science Fiction

Vom Cyberlibertarismus zur Neoreaktion. Lektürekurs zur politischen Ökonomie und Ideologie der Tech-RightTermine: 26.10,...
29/09/2026

Vom Cyberlibertarismus zur Neoreaktion. Lektürekurs zur politischen Ökonomie und Ideologie der Tech-Right

Termine: 26.10, 9.11, 23.11, 7.12., 21.12. 2026, 11.1., 25.1.2027 | 18:00 Uhr

Anmeldung: [email protected]

In den vergangenen Jahren wurden die politischen Überzeugungen von Tech-Milliardären und ihr Einfluss auf die US-amerikanische Politik vermehrt Thema öffentlicher Auseinandersetzung. Donald Trumps Rückkehr in das US-amerikanische Präsidentschaftsamt, die durch einige Hauptvertreter des Silicon Valley unterstützt wurde, hat dabei das überraschende Bündnis zwischen autoritären Dekretpolitikern und vorgeblich marktradikal-libertären Tech-Eliten vor Augen geführt. Die mediale Öffentlichkeit hat vor diesem Hintergrund neben prominenten Figuren wie Elon Musk auch bisher weniger bekannte Akteure wie etwa Peter Thiel, Marc Andreessen oder Alexander C. Karp in den Blick genommen.

Wir widmen uns im Lektürekurs diesem politischen Bündnis zwischen digitalem Kapital und autoritären politischen Kräften in den USA. Dabei beschäftigten wir uns sowohl mit analytischen Texten zu dessen Hintergründen als auch mit Primärdokumenten von Tech-Eliten und Vertretern des technologischen Autoritarismus. Damit knüpfen wir an eine Auseinandersetzung mit dem historischen Verhältnis von Liberalismus und Faschismus im frühen 20. Jahrhundert und mit der scheinbar widersprüchlichen Allianz von Libertarismus und Autoritarismus an, die uns bei zwei Tagesseminaren 2025 beschäftigt hat.

Der Kurs wird sich zwei Schwerpunkten widmen. Im ersten Block werden wir uns mit der Ideologie der Tech-Industrie und ihrer autoritären Transformation auseinandersetzen. Hierbei wird es etwa um den „Cyberlibertarismus“ gehen, dessen Kerngedanke die Freiheit von Markt und Individuum ist. Anschließend diskutieren wir die autoritäre Weiterentwicklung dieser Ideen und die Hinwendung von Vertretern des Silicon Valley zu Staat und kollektiven, nationalen Projekten seit den 2010er Jahren.
[weiter in Kommentaren]

Tagesseminar: Frühe Analysen des deutschen FaschismusSa., 24.10.2026 | 9.30 –15.30 Uhr | translib, Lütznerstr. 30Faschis...
18/09/2026

Tagesseminar: Frühe Analysen des deutschen Faschismus

Sa., 24.10.2026 | 9.30 –15.30 Uhr |
translib, Lütznerstr. 30

Faschismus und Nationalsozialismus wurden nicht nur politisch bekämpft, sie waren auch früh Gegenstand theoretischer Analyse und Kritik. Ein Thema der Diskussion sozialistischer und kommunistischer Theoretiker:innen war die dem Faschismus zugrundeliegende politisch-gesellschaftliche Entwicklung innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise. Ideengeschichtlich hat zwar insbesondere die sogenannte Dimitroff-These Bedeutung erlangt, der zufolge der Faschismus die „terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“ sei. Allerdings finden sich bei kritischen Marxist:innen durchaus auch Klassenanalysen, welche etwa die Rolle der kleinbürgerlichen Schichten und der mittleren Angestellten für den Aufstieg des Faschismus betonen (z.B. Alfred Sohn-Rethel). Diese frühen Analysen rekonstruierten aber darüber hinaus auch die ideologische Tradition des Faschismus und diskutierten die philosophischen Texte ihrer Vertreter. Zentral sind hierbei etwa die Fragen, ob von einer faschistischen Weltanschauung gesprochen werden könne und wie sie mit der bürgerlichen Ideologie zusammenhänge (z.B. Georg Lukács).

Das Tagesseminar soll einen Rahmen für die gemeinsame Beschäftigung mit diesen frühen theoretischen Analysen des deutschen Faschismus bieten. Vor dem Hintergrund gegenwärtiger Tendenzen der Faschisierung soll auch danach gefragt werden, welche Erklärungskraft diese Analysen heute besitzen, welche analytischen Defizite sie aufweisen und wie diesen beizukommen wäre.

Im Zentrum werden vorrangig Texte aus den 1930er Jahren stehen, die zur Vorbereitung an alle angemeldeten Teilnehmer:innen verschickt werden. Im Seminar werden wir uns – je nach Teilnehmer:innenanzahl in Gruppen – die Texte noch einmal gemeinsam erarbeiten und anschließend gemeinsam diskutieren.

Anmeldung: [email protected]

Im Kreise der Familie – Tagesseminar zur marxistisch-feministischen Kritik der FamilieDie Familie wurde von den einen al...
31/08/2026

Im Kreise der Familie – Tagesseminar zur marxistisch-feministischen Kritik der Familie

Die Familie wurde von den einen als Keimzelle des bürgerlichen Staats bezeichnet, von den anderen als Hort der patriarchalen Gewalt entlarvt. Aufgrund ihrer bedeutenden Rolle in der kapitalistisch organisierten Produktionsweise mit vergeschlechtlichter Arbeitsteilung wurde sie zum Gegenstand der Kritik von feministischen, kommunistischen und sozialistischen Bewegungen.
In unserem Tagesseminar werden wir anhand des Texts "Aufhebung der Familie" von M. E. O´Brian die Geschichte der linken Kritik an der Familie diskutieren. Nach diesem Überblick wollen wir uns der Frage zuwenden, wie es heute um die Familie bestellt ist: Welche Funktion kommt ihr vor dem Hintergrund der Diversifizierung und Liberalisierung (von patchwork bis rainbow families) noch zu? Welche Rolle spielt sie für die gesellschaftliche Reproduktion im Kapitalismus und welche Konsequenzen hat sie für die Geschlechterverhältnisse auch angesichts deren Veränderungen? Diese Fragen werden wir anhand der Texte "Reproduktion neu denken" und "Family Values" von Melinda Cooper diskutieren. Nach der Anmeldung schicken wir euch die Texte zu. Wir können euch auf Wunsch die deutsche Übersetzung von "Family Values" zu Verfügung stellen. Bitte lest die Texte vorab, da wir am Seminartag keine Lesezeit eingeplant haben. Wir werden sowohl in Kleingruppen arbeiten als auch gemeinsam im Plenum diskutieren.

Wann: 19.9.26., 10 -18 Uhr
Wo: translib (Leipzig, Lütznerstr. 30)
Anmeldung bitte unter [email protected]

Herzliche Einladung zu Film und DiskussionDie Art und Weise, wie wir unser Leben produzieren, ist dumm, gefährlich und g...
23/08/2026

Herzliche Einladung zu Film und Diskussion

Die Art und Weise, wie wir unser Leben produzieren, ist dumm, gefährlich und grausam. Es ist an der Zeit über eine Revolution nachzudenken, die die Gesellschaft grundlegend verändert. Wir haben Genoss*innen zu den revolutionären Momenten der 1970er Jahre befragt. Wir haben mit Leuten gesprochen, die sich derzeit an Debatten über eine neue Produktionsweise beteiligen. Wir haben dutzende Arbeiter*innen interviewt, die sich aktuell auf Gemüseäckern, in Umspannwerken, Krankenhäusern oder U-Bahnschächten zur Wehr setzen. In „Jeder Acker, jede Fabrik“ entwickeln wir aus all diesen Stimmen ein konkretes Bild davon, wie der Übergang in eine post-kapitalistische Gesellschaft aussehen könnte. – Für alle, die ihren Kopf nicht in den Sand stecken wollen.

Filmwebseite mit weiteren Infos: http://jederacker.de/

Der hervorragende Vortrag von Saskia Gränitz im Rahmen unseres Veranstaltungsprogramms „Klaus R. zum Gedenken - 32 Jahre...
23/08/2026

Der hervorragende Vortrag von Saskia Gränitz im Rahmen unseres Veranstaltungsprogramms „Klaus R. zum Gedenken - 32 Jahre danach“ kann jetzt online nachgehört werden. Link im Kommentar.

Neuer Lesezyklus: Angela Y. Davis „Rassismus, Sexismus und Klassenkampf“Am 10. September 2026 beginnen wir als Lesekreis...
16/08/2026

Neuer Lesezyklus:
Angela Y. Davis „Rassismus, Sexismus und Klassenkampf“

Am 10. September 2026 beginnen wir als Lesekreis Kritik der Geschlechterverhältnisse (https://www.translib.de/kurse/lk-kritik-der-geschlechterverhaeltnisse) eine neue Lektüre. Im Juni haben wir Silvia Federicis „Caliban und die Hexe“ zu Ende gelesen. Gemeinsam wollen wir uns als nächstes mit der Essaysammlung „Rassismus, Sexismus und Klassenkampf“ der US-amerikanischen Vordenkerin und Aktivistin Angela Y. Davis auseinandersetzen. In dem Sammelband erörtert die Autorin das Verhältnis Schwarzer Frauen zu Frauenbewegung, Arbeiterbewegung und Schwarzer Bürgerrechtsbewegung und spürt den Widersprüchen innerhalb und zwischen diesen Bewegungen nach. Sie fragt außerdem danach, warum Schwarze Frauen sich innerhalb dieser Befreiungskämpfe häufig anders positionierten als Schwarze Männer oder weiße Frauen.

Wir treffen uns beginnend mit dem 10.9. jeden zweiten Donnerstag von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr Uhr in den Räumlichkeiten der translib in der Goetzstraße 7. Bislang haben wir den Text vor Ort gelesen und gemeinsam als Gruppe erarbeitet.

Wenn ihr Lust habt mitzumachen, meldet euch gerne an unter: [email protected]

Wir freuen uns über neue Gesichter!

Die Covid-19-Pandemie hat die Gesellschaft in vielfacher Hinsicht zutiefst erschüttert. Inzwischen, da sie in der öffent...
19/06/2026

Die Covid-19-Pandemie hat die Gesellschaft in vielfacher Hinsicht zutiefst erschüttert. Inzwischen, da sie in der öffentlichen Wahrnehmung als beendet gilt, stellt sich auch aus linker Perspektive die Frage: Was ist daraus gelernt worden, was hätte daraus gelernt werden müssen? Wie wahrscheinlich sind in naher Zukunft weitere Pandemien, und was haben wir von den nächsten Gesundheitskrisen zu erwarten? Wie hat sich der Umgang insbesondere mit Menschen mit Behinderung durch die Pandemie verändert, und welche sozialen Verwerfungen sind absehbar? Und was macht es mit einer Gesellschaft, hunderttausende Tote und schätzungsweise 450.000 ME/CFS-Erkrankte infolge einer Covid-19-Infektion zu akzeptieren, um eine Normalitätsillusion aufrechtzuerhalten, aus der immer mehr Menschen herausfallen?

Das ist nur ein Bruchteil der Fragen, die sich angesichts der Pandemie stellen; eine Pandemie, die für unzählige Langzeiterkrankte und ihre Freund*innen und Angehörige noch längst nicht beendet ist.
Einer kritischen Auseinandersetzung mit der Pandemie Raum zu geben, ist Ziel des von Paul Schuberth und Frédéric Valin herausgegebenen Sammelbandes „Die verdrängte Pandemie“ (Unrast Verlag 2025), der an diesem Abend zur Diskussion gestellt wird. Vor der Buchpräsentation stellt die Initiative Liegenddemo Leipzig kurz ihre Arbeit und Forderungen vor.

Eine Veranstaltung von translib und Liegenddemo Leipzig.

Moderation: Steven Solbrig (Lesekreis „Krankheit und Behinderung im Kapitalismus“ in der translib)

Infos zur Barrierefreiheit im ersten Kommentar.

»Die Verschwiegenen Toten – Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 in Leipzig«. Eine Ausstellung des Initiativkreis Antiras...
17/05/2026

»Die Verschwiegenen Toten – Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 in Leipzig«. Eine Ausstellung des Initiativkreis Antirassismus
25.–31. Mai 2026 // Lützner Straße 30, Leipzig-Lindenau

Rechte Gewalt ist kein Randphänomen, sondern ein Produkt weit verbreiteter, menschenverachtender Ideologien, die die Ungleichwertigkeit von Menschen predigen. Rechte Morde sind kein zufälliges Verbrechen – sie sind die Konsequenz einer Gesellschaft, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Orientierung oder sozialen Lage abwertet und entmenschlicht. Die Täter*innen handeln nicht im luftleeren Raum, sondern in einem Klima, das solche Gewalttaten begünstigt und oft sogar relativiert. Statt Solidarität erfahren Betroffene und Hinterbliebene oft die gleichen menschenverachtenden Vorurteile, die die Morde überhaupt erst ermöglicht haben.
Die Taten werden entpolitisiert, verharmlost und als „isolierte Einzelfälle“ abgekanzelt, statt endlich als das zu benennen, was sie sind: eine Manifestation einer gesamt-gesellschaftlichen Haltung. 2013 erarbeitete der Initiativkreis Antirassismus die Ausstellung „Die verschwiegenen Toten – Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 in Leipzig“, um diesen zu gedenken und an sie zu erinnern. Die Ausstellung wurde im vergangenen Jahr überarbeitet, sie soll über die Dimension rechter Gewalt in Deutschland und im Besonderen in Leipzig aufklären. Zudem wird der politische, juristische und gesellschaftliche Umgang mit den Betroffenen und ihren Angehörigen thematisiert und die Notwendigkeit des aktiven Gedenkens an die Getöteten dargelegt.

Die Ausstellung wird gezeigt im Rahmen des Veranstaltungsprogramms »Klaus R. zum Gedenken – 32 Jahre danach«, das die translib. Communistisches Labor Leipzig zusammen mit der »Rassismus tötet!« – Leipzig zwischen dem 25. und 31. Mai 2026 organisiert.

Öffnungszeiten:
Mo., 25. Mai 2026: 14:00 - 20:00 Uhr
Di., 26. Mai 2026: 16:00 - 19:00 Uhr
Mi, 27. Mai 2026: 16:00 - 19:00 Uhr
Do., 28. Mai 2026: 16:00 - 19:00 Uhr
Fr., 29. Mai 2026: geschlossen
Sa., 30. Mai 2026: 12:00 - 18:00 Uhr
So., 30. Mai 2026: 12:00 - 18:00 Uhr

»Klaus R. zum Gedenken – 32 Jahre danach«// Programm vom 25. bis 31. Mai 2026 // Veranstalte von translib in Kooperation...
11/05/2026

»Klaus R. zum Gedenken – 32 Jahre danach«
// Programm vom 25. bis 31. Mai 2026
// Veranstalte von translib in Kooperation mit »Rassismus tötet!«
// Lützner Straße 30, Leipzig-Lindenau

In der Nacht vom 27. auf den 28. Mai 1994 wurde Klaus R. in der von ihm genutzten Wohnung in der Lützner Straße im Leipziger Westen zu Tode geprügelt. Die vier Täter, die im gleichen Haus wohnten und zwischen 15 und 19 Jahren alt waren, hatten Klaus R. zuvor über mehrere Tage hin gequält und erniedrigt. Das nachfolgende Gerichtsverfahren am Leipziger Landgericht im Jahr 1995 führte zwar zu einer Verurteilung der jugendlichen Täter wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung – die Bedeutung der sozialdarwinistischen Motive bei dem verübten Mord wurde jedoch nicht berücksichtigt. Damit steht eine offizielle Anerkennung von Klaus R. als Todesopfer rechter Gewalt bis heute aus. Er wurde 43 Jahre alt.

Der Mord an Klaus R. war kein Einzelfall. Seit der Wende sind in Deutschland mindestens 224 Menschen Opfer rechter Tötungsdelikte geworden, davon neben Klaus R. allein zehn weitere Personen in Leipzig. Der überwiegende Teil dieser Taten wird dabei nicht als rechtsmotiviert anerkannt. Ist an dem Pogrom von Hoyerswerda, dem Brandanschlag in Solingen, schließlich an der Mordserie des NSU längst ersichtlich geworden, dass vonseiten der deutschen Bundesbehörden weder eine entschiedene Intervention in das Gewaltgeschehen noch nachdrückliche Aufklärung über sein Zustandekommen erwartet werden kann. Auch Nachbar*innen und Umstehende griffen in tödliche rechte Gewalttaten in der Regel nicht ein, um Betroffenen zu helfen. Dies gilt auch für die bislang dokumentierten Fälle in Leipzig: Horst K. wurde am helllichten Tag im Dezember 1995 in einer Straßenbahn angezündet; Bernd G. schrie, hörbar für die Anwohner*innen in Wahren, um Hilfe, als er im Mai 1996 auf offener Straße zu Tode gequält wurde; Karl-Heinz T. erlag im August 2008 seinen Verletzungen, nachdem er am Schwanenteich hinter der Leipziger Oper mehrfach verprügelt worden war und die durch eine Passantin unmittelbar informierte Polizei sich offenbar über mehrere Stunden nicht durchringen konnte, zu intervenieren. Der Leichnam von Klaus R. wiederum wurde erst Tage später in seiner Wohnung in der Lützner Straße gefunden. Ob die Nachbar*innenschaft seine mutmaßlichen Schreie nicht hörte, bleibt fraglich.

Taten wie diese werfen für uns viele Fragen auf. Unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen entfalten Ideologien wie Rassismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus oder Homosexuellenfeindlichkeit immer wieder eine solche Wirkkraft, dass sie gewalttätig und sogar mörderisch werden? Und wen trifft letztendlich diese Gewalt: Wer waren die Opfer und wie ist ein ihnen angemessenes Gedenken möglich, auch wenn wir wenig über sie als Personen wissen?

Am 28. Mai 2026 jährt sich der Mord an Klaus R. zum 32. Mal. Wir nehmen dies zum Anlass, um uns mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und seiner zu gedenken. Dafür haben wir in Kooperation mit »Rassismus tötet!« – Leipzig ein Veranstaltungsprogramm erarbeitet, das in der Woche vom 25. bis 31. Mai in den Räumen der translib stattfindet. Herzstück des Programms ist die vom Initiativkreis Antirassismus erarbeitete Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten – Todesopfer rechter Gewalt seit 1990 in Leipzig«, die in dieser Woche täglich besichtigt werden kann. Zur Eröffnung der Ausstellung am 25. Mai laden wir den Initiativkreis ein, auf einem Podium mit uns über ihre Recherchen und die dokumentierten Todesfälle zu sprechen. Am 28. Mai möchten wir im Rahmen einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung an Klaus R. erinnern und eine Plakette einweihen, die wir ihm zum Gedenken an unserer Hausfassade in der Lützner Straße 30 – der Straße, in der er vormals wohnte – angebracht habe). Den Abschluss unseres Veranstaltungsprogramms bildet am Sonntag, den 31. Mai, ein Vortrag der Soziologin Saskia Gränitz über den »Sozialdarwinismus der Straße«, in dem sie sich mit der Sozialpsychologie rechter Gewalt seit 1990 in Ostdeutschland auseinandersetzt.

Das Programm im Überblick:

Montag, 25. Mai
14:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«
18:30: Auftaktveranstaltung – Podium mit dem Initiativkreis Antirassismus

Dienstag, 26. Mai
16:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«

Mittwoch, 27. Mai
16:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«

Donnerstag, 28. Mai
16:00 bis 19:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«
19:00 Uhr: Gedenkveranstaltung für Klaus R. – 32 Jahre danach

Samstag, 30. Mai
12:00 bis 18:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«

Sonntag, 31. Mai

12:00 bis 18:00 Uhr: Ausstellung »Die Verschwiegenen Toten«
18:00 Uhr: Abschlussvortrag – Saskia Gränitz: Der Sozialdarwinismus der Straße. Zur Sozialpsychologie rechter Gewalt seit 1990 in Ostdeutschland

Buchpremiere von Katharina Lux und Amelie Göppel im Rahmen der Leipziger Buchmesse! 🍾21.3.2026 | 19:30 Uhr | translib | ...
06/03/2026

Buchpremiere von Katharina Lux und Amelie Göppel im Rahmen der Leipziger Buchmesse! 🍾

21.3.2026 | 19:30 Uhr | translib | Lützner Str. 30, Leipzig

Es ist kompliziert. Zur Beziehung von Kapitalismus und Feminismus - Lesung und Gespräch mit Katharina Lux, Moderation: Alexandra Ivanova

Väter in Elternzeit, rechtliche Gleichstellung, Frauen in Führungspositionen – viele feministische Forderungen werden seit einigen Jahrzehnten gesellschaftlich akzeptiert. Doch eine von ungleicher geschlechtlicher Arbeitsteilung und Armut befreite Gesellschaft ist nicht verwirklicht.

Katharina Lux analysiert verschiedene feministische Strömungen und ihre Rolle im Kapitalismus. Es ist kompliziert: Wer von ihnen hat sich in den letzten Jahrzehnten auf welche Form von Beziehung mit dem Kapitalismus eingelassen? Wer führt eine Romanze mit dem Bestehenden und wer will die sofortige Trennung und dauerhaften Kontaktabbruch? An dem Abend stellt die Autorin im Gespräch mit Alexandra Ivanova ihre Beziehungsbilanz vor.

Der Essay „Es ist kompliziert. Zur Beziehung von Kapitalismus und Feminismus“ erscheint im MaroVerlag als MaroHeft Nr. 21 mit Grafiken von Amelie Göppel.

Adresse

Goetzstraße 7
Leipzig
04177

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