29/05/2023
Unfassbar.
Wenn wir etwas nicht verstehen oder nachvollziehen können, wenn uns Vergleiche fehlen und das Staunen uns erfasst, wenn etwas unser Vorstellungsvermögen und Begreifen übersteigt – dann sagen wir manchmal: Das ist unfassbar! Solch Unfassbares kann negativ oder positiv gemeint sein. Vieles, was wir in den Medien lesen oder hören, erscheint uns unfassbar; und dort sind es die erschreckenden Nachrichten von Krieg und Hass, die uns fassungslos sein lassen. Im Positiven erleben wir Unfassbares da, wo wir Bauklötze staunen können, wo Unglaubliches geleistet wird als Hilfe und Solidarität, an Einsatz und Engagement – auch bei uns Maltesern oder in unseren Arbeitsbereichen mit den Menschen.
Auch die Liebe ist in diesem Sinn eigentlich unfassbar (schön, berührend, zärtlich, bereichernd etc.).
Und so feiern wir als Gemeinschaft der Glaubenden das Pfingstfest – und das ist wohl auch unfassbar … Empfangt den Heiligen Geist (Joh 20,22) sagt Jesus den Seinen. Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Ein langes Wochenende und für manche Ferienzeit, für viele die Möglichkeit, irgendwo unterwegs zu sein.
Heiliger Geist, schwer zu fassen, vielfach umschrieben in Bildern und Wirkungen – in den Gottesdiensten werden wir es hören: Brausen, Sturm, Feuer(zungen), angehaucht, Sprachen verstehen, Menschen verbinden, viele Gaben. In der Sprache der Bibel mal weiblich-mütterlich, mal männlich-stark, zärtlich-vorsichtig manchmal, dann mächtig-umwerfend. Heiliger Geist, Gottes Geisteskraft – unfassbar wie der Wind, den ich nicht sehen kann, doch spüren und erfahren. Ein Windsack bildet den Wind nur ab, macht ihn uns so sichtbar.
… da, wo etwas bewegt, wo Liebe sich zeigt, wo Menschen berührt werden oder zufrieden still-staunend sind – da könnte das Unfassbare ‚am Werk sein‘: Heiliger Geist, Gottes Geisteskraft, die Bewegung vom Herzen her oder die, die Beine macht …
… in der Unrast schenkst du Ruh, / hauchst in Hitze Kühlung zu, / spendest Trost in Leid und Tod. / Komm, o du glückselig Licht, / fülle Herz und Angesicht, / dring bis auf der Seele Grund. / Ohne dein lebendig Wehn / kann im Menschen nichts bestehn …
Veni Sancte Spiritus, Pfingst-Sequenz, Stephen Langton (+ 1228) zugeschrieben
Unfassbar frohe Pfingsten.
Ignatius Löckemann, Malteser Diözesanseelsorger Mainz