28/10/2026
3,7 Milliarden Euro Steuererlass. Und wer trägt die Lasten?
Dennis Radtke zieht eine klare Grenze: Politik für Beschäftigte, Familienunternehmen und Handwerk gehört zum christlich-sozialen Auftrag. Eine Lobby für die steuerliche Bevorzugung sehr großer Vermögensübertragungen soll die CDA dagegen nicht sein.
Was steckt dahinter? Stefan Nacke und Friedrich Schönfeld haben im Oktober 2026 das Papier „Leistung muss mehr zählen als Herkunft – für eine gerechtere Erbschaftsteuer“ veröffentlicht. Fünf Gedanken daraus verdienen mehr Aufmerksamkeit:
1. Eigentum soll Aufstieg ermöglichen.
Wer arbeitet und spart, soll sich etwas aufbauen können. Der Schutz von Eigentum schließt deshalb die Chancen der Menschen ein, die ohne ererbtes Vermögen beginnen.
2. Familien schützen.
Die Autoren richten ihren Reformvorschlag ausdrücklich nicht gegen kleine Familienbetriebe oder das gewöhnliche Eigenheim der Familie. Wer etwas weitergeben möchte, erbringt eine Lebensleistung, die Respekt verdient.
3. Unternehmen fortführen.
Betriebsvermögen ist häufig gebunden. Zahlungsfristen und Belastungen müssen die Weiterführung eines Unternehmens ermöglichen. Daraus folgt nach Ansicht der Autoren aber keine pauschale Rechtfertigung für weitgehende Steuerfreiheit großer Erbschaften.
4. Lasten nachvollziehbar verteilen.
Wenn Beschäftigte über höhere Beiträge und Leistungsempfänger über Einschnitte diskutieren sollen, gehören auch Privilegien bei sehr großen Erbschaften und Schenkungen auf den Tisch.
5. Staatliche Verantwortung bleibt.
Eine gerechtere Erbschaftsteuer löst weder den Wohnungsmangel noch alle Finanzierungsprobleme der Sozialversicherung. Der Staat muss zugleich sorgfältiger mit öffentlichen Mitteln umgehen.
Und die Zahl aus dem Video? Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 im Rahmen der Verschonungsbedarfsprüfung rund 3,7 Milliarden Euro Erbschaft- und Schenkungsteuer erlassen. Rund 3,4 Milliarden entfielen auf Schenkungen und 0,3 Milliarden auf Erbschaften. Das Erlassjahr ist nicht zwingend das Jahr der Vermögensübertragung.
Für uns als CDA Münster beginnt die Debatte mit einer einfachen Frage: Welche Bedingungen brauchen Menschen, um aus eigener Arbeit Sicherheit und Eigentum aufzubauen? Über eine Reform muss man streiten können, ohne Beschäftigte und verantwortungsvolle Unternehmer gegeneinander auszuspielen. Arbeitsplätze sichern, Leistung anerkennen und faire Finanzierung gehören zusammen.
Die Hintergründe und unsere Einordnung auf der Homepage:
https://www.cda-muenster.de/news/lokal/139/Wenn-Herkunft-mehr-zaehlt-als-Leistung-Warum-uns-die-Erbschaftsteuer-etwas-angeht.html
Was ist für euch leistungsgerecht? Diskutiert mit und folgt uns für weitere christlich-soziale Perspektiven.