26/10/2026
War ein Ende des Ukrainekrieges schon Anfang 2023 möglich?
Eine neue Recherche der Financial Times wirft Fragen über eine bislang wenig bekannte Friedensinitiative auf.
Anfang 2023 entwickelten inoffizielle Vermittler aus den USA, Deutschland und der Ukraine einen Vorschlag, der den Krieg möglicherweise hätte beenden können.
Was stand damals im Raum?
Russland sollte sich aus großen Teilen der seit Februar 2022 besetzten Gebiete zurückziehen. Im Gegenzug sollte die Ukraine die russische Kontrolle über die Krim anerkennen und auf einen NATO-Beitritt verzichten. Andere Sicherheitsgarantien und eine EU-Mitgliedschaft sollten möglich bleiben.
Der Entwurf wurde nach Angaben der Vermittler sowohl nach Moskau als auch nach Kiew übermittelt. Putin soll sich mit den Vorschlägen beschäftigt und grundsätzliche Gesprächsbereitschaft signalisiert haben. Die ukrainische Führung lehnte die vorgesehenen territorialen Zugeständnisse ab. Auch die amerikanische Regierung unterstützte den inoffiziellen Verhandlungskanal nicht.
Ob daraus tatsächlich ein tragfähiger Frieden geworden wäre, ist bis heute umstritten.
Für Thomas Schulze, Vorsitzender der BSW-Fraktion in Sachsen-Anhalt, stellt sich deshalb eine entscheidende Frage:
„Wenn damals konkrete Vorschläge auf dem Tisch lagen, müssen wir darüber sprechen, warum diese diplomatische Möglichkeit nicht weiterverfolgt wurde. Die vielen Opfer dieses Krieges verpflichten uns, jede ernsthafte Chance auf Frieden sorgfältig zu prüfen.“
Russlands Angriff auf die Ukraine bleibt völkerrechtswidrig. Gleichzeitig muss die Frage erlaubt sein, ob die westliche Politik frühere Möglichkeiten für Verhandlungen ausreichend genutzt hat.
Das BSW fordert einen Waffenstillstand und ernsthafte Friedensverhandlungen mit verlässlichen Sicherheitsgarantien. Die Menschen in der Ukraine brauchen eine Perspektive auf ein Leben ohne Krieg.
Quelle: Financial Times, „The Putin Whisperers“, 24. Oktober 2026; Berliner Zeitung, 25. Oktober 2026.