09/10/2026
🎬 Menden sucht den Beigeordneten – Staffel 2026, das große Finale
Sondersitzung des Rates, Montag, 12. Oktober, 17 Uhr, live aus dem Ratssaal – extra einberufen für einen einzigen Tagesordnungspunkt und einen einzigen Namen. Übertragung im Rats-TV, sofern das Rats-TV das möchte. Die Sendung ist Satire. Die Zahlen sind es leider nicht.
Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, es ist so weit. Nach einer Staffel voller Tränen, Mäppchen und Mikrofonausfälle erleben wir am Montag das Finale von „Menden sucht den Beigeordneten“. 14 Talente hatten sich beworben. Im Finale steht: eins. Die Produktion spricht von „maximaler Spannung“. Wir sprechen von einer Wiederholung mit Publikum.
Vorspann: Der Titelträgerin wird der Sender gekündigt
Die Staffel begann, wie gute Staffeln beginnen: mit dem Rauswurf der Vorjahressiegerin. Im März kreiste ein rotes Mäppchen durch die Reihen – ab Sitzungsbeginn, still, diskret, von Bank zu Bank, wie eine Kollekte, nur dass hinterher niemand wusste, wofür gesammelt wurde. 35 Unterschriften. Begründung: keine. Das Format verlangt keine, und der Sender hat sich dieser Lücke mit einer Hingabe bedient, die man sich für den Haushalt wünschen würde.
Im Mai dann das Entscheidungsvoting. Geheim, ohne Aussprache, mit Wahlkabine drei Meter hinter dem Rücken der Betroffenen – das ist nicht gemein, das ist Bühnenbild. 43 Ja, 11 Nein, 3 Enthaltungen. Als die Siegerin aus 2021 nach der Verkündung noch fünf Punkte sagen wollte, ging das Mikrofon aus. Nicht wegen der Technik. Die funktionierte an diesem Abend ausnahmsweise, man hatte extra repariert. Dann der Zusatzbeschluss „sofortige Vollziehung“, damit kein Gericht die Sendung unterbricht: 46 zu 12. Die Gage läuft bis Oktober 2029 weiter. Die Tränen vor dem Ratssaal hat die Kamera nicht mehr erwischt. Die Westfalenpost schon. Die war schneller. Die war in dieser Staffel immer schneller – dazu gleich mehr.
Elf Stimmen hatten dagegen gehalten, dreimal 47 zu 11 an einem Abend, ein Ergebnis so stabil, dass man es hätte laminieren können. Die Elf wurde dafür in der Zeitung des Maßverlusts bezichtigt. In diesem Format verliert nicht, wer rausfliegt. Es verliert, wer fragt, warum.
Die Jury
Die Jury tagt grundsätzlich bei geschlossener Tür. Das ist kein Misstrauen gegenüber dem Publikum, das ist Fürsorge: Was man nicht weiß, muss man nicht verstehen. Besetzung: der Unterausschuss Personal (Vorrunde), der Haupt- und Finanzausschuss (Recall) und eine kleine Runde ohne Namen, ohne Tagesordnung, ohne Protokoll und ohne Zuschauer, die sich gelegentlich trifft, wenn etwas zu klären ist – und in dieser Staffel die wichtigste Entscheidung getroffen hat. Man könnte es das Hinterzimmer nennen. Die Produktion nennt es „Verständigung“.
Moderiert wird aus dem Rathaus. Die Moderation betont, sie wende lediglich die Regeln an. Das stimmt. Die Regeln haben sich in dieser Staffel nur auffallend oft gewünscht, so angewendet zu werden.
Die Vorrunde: 14 werden 3
Bis Ende August gingen 14 Bewerbungen ein. Vierzehn! Für Menden! Da hat jemand im Rathaus offenbar vergessen, die Mai-Folge in die Stellenanzeige zu packen. Am 3. September sichtete der Unterausschuss Personal alle 14 anhand einer Übersicht der Verwaltung. Drei wurden für „grundsätzlich geeignet“ befunden. Elf gingen nach Hause, unbegründet, aber immerhin mit ihrem Namen. So viel Diskretion bekam in dieser Staffel nicht jede.
Der Recall: 3 werden 2
Von den drei Geeigneten zog einer zurück. Vielleicht hatte er die Mai-Folge doch gesehen. Zwei stellten sich am 15. September dem Haupt- und Finanzausschuss vor. Die Jury vergab keine Punkte, gab keine Empfehlung und verständigte sich darauf, das Ergebnis „abzustimmen“ – irgendwo, wo keine Kamera läuft, kein Protokoll geführt wird und niemand hinterher sagen muss, wie er abgestimmt hat. Wer das Format vom Mai kennt, erkennt die Handschrift. Das ist kein Zufall. Das ist Hausstil.
Werbepause: Der Boulevard weiß es zuerst
Hier wird es für Freunde des Rätselratens richtig schön. Am 7. Oktober berichtet die Westfalenpost, die zweite Finalistin sei „unserer Redaktion namentlich bekannt“. Am 8. Oktober mahnt die Verwaltung die Fraktionen: Bewerberdaten seien „absolut vertraulich“, eine Namensnennung in der Sitzung ein Datenschutzverstoß.
Zum Mitschreiben: Der Rat darf den Namen nicht aussprechen. Die Zeitung hat ihn schon. Vertraulich ist in Menden also, was die Jury nicht sagen darf. Nicht vertraulich ist, was die Redaktion längst weiß. Wer sie informiert hat, fragt niemand – jedenfalls niemand von denen, die im März „aus gegebenem Anlass“ die Ratsmitglieder zur Verschwiegenheit ermahnten und dazu gleich eine schriftliche Erklärung einsammeln wollten. Wir hätten unterschrieben. Wir wüssten nur gern, ob das Formular auch im Rathaus herumgereicht wurde oder ob es, wie das Mäppchen, nur eine Richtung kennt.
Zur Erinnerung: Im Februar standen Zitate aus einer nichtöffentlichen Sitzung in der Zeitung, als es gegen die Titelträgerin ging. Im Oktober steht dort der Name einer Bewerberin, drei Tage bevor sie absagt. Nichtöffentlich ist in Menden, was nicht ins Konzept passt. Was ins Konzept passt, hat Redaktionsschluss.
Die Absage: 2 wird 1
Donnerstagmorgen, vier Tage vor dem Finale: Die zweite Finalistin erklärt, ihre Kandidatur nicht aufrechtzuerhalten. Gründe: keine genannt. Auch das ist in dieser Staffel Tradition; man könnte fast meinen, Begründungen seien im Rathaus ausgegangen und die Nachbestellung hänge in der Haushaltssicherung fest. Die Verwaltung informiert die Fraktionen „sofort“ – und fügt den Hinweis auf die Vertraulichkeit bei. Das ist aufmerksam. Vier Tage früher wäre es nützlich gewesen.
14 – 3 – 2 – 1. Jede Stufe nichtöffentlich, jede Absage unbegründet, jede Entscheidung in kleiner Runde. Wir behaupten nicht, dass jemand diese Staffel so geschrieben hat. Wir stellen nur fest: Ein Autor, der es so hätte schreiben wollen, hätte nichts anders gemacht. Und er hätte sich wahrscheinlich über die Einschaltquote beschwert.
Das Finale: 1 bleibt 1
Am Montag steht eine Person zur Wahl. Über sie sagen wir nichts – nicht Gutes, nicht Schlechtes. Erstens kann sie nichts dafür, dass alle anderen weg sind. Zweitens geht es in dieser Sendung nicht um das Talent. Es geht um die Show. Und drittens würde uns der Sender das Mikrofon abstellen.
Abgestimmt wird offen, „es sei denn, jemand widerspricht“. Wir rechnen nicht damit; Widerspruch ist in diesem Saal seit Mai eine Disziplin mit geringer Breitenwirkung. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen bekommt. Gegen wen, regelt das Format nicht. Es ist, wie der Sender es nennt, eine Wahl. Das Fernsehen nennt so etwas einen Sendeplatz.
Das Preisgeld
B 2, auf Wunsch B 3, plus Aufwandsentschädigung, plus – für die Stadt – die Gage der Vorgängerin bis 2029. Zwei Beigeordnete für eine Stelle: eine, die nicht mehr darf, und eine, die noch nicht muss. Dieselbe Mehrheit, die im März überlegte, die Stelle gleich zu streichen („für das Gehalt ein überschaubarer Arbeitsbereich“), hat sie im Juli um eine Besoldungsgruppe aufgewertet. Wer dem Format vorwirft, es sei billig, hat die Abrechnung nicht gesehen. Wer sie sehen will, bekommt sie zu Protokoll.
Die Nebenrolle
Besondere Erwähnung verdient der Personalrat. Im Februar informierte er die Fraktionsvorsitzenden über Beschwerden – ohne die Betroffene, die man hätte fragen können, aber eben nicht fragte. Im März saß er im nichtöffentlichen Teil, als das Mäppchen kreiste. Zum Finale ist er nicht gemeldet. Es gibt ja nichts zu unterschreiben. Noch nicht.
Was die Fraktion am Montag tun wird
Zuschauen. Mitschreiben. Und wenn die Moderation fragt, ob jemand widerspricht, kurz die Hand heben – nicht gegen die Person, sondern gegen eine Sendung, die seit März behauptet, sie habe nichts zu verbergen, und seitdem nur hinter verschlossenen Türen stattfindet.
Wir haben übrigens beantragt, Popcorn in den Ratssaal mitbringen zu dürfen. Der Antrag wurde mit 47 zu 11 abgelehnt. Die Begründung erfolgt zu Protokoll.
Abspann
Wer immer am Montag gewinnt, dem wünschen wir eine glückliche Hand, Rückendeckung im Verwaltungsvorstand und einen Geschäftsbereich, der 2034 noch so groß ist wie 2026 – in Menden ist das die anspruchsvollste Wunschformel, die man aussprechen kann. Die Demokratie, schrieb die Westfalenpost im Mai, sei kein Ponyhof. Stimmt. Aber selbst auf dem Ponyhof gäbe es mehr als ein Pony. Und das Pony dürfte wiehern, bevor man es abschaltet.
Staffel 2027 ist bereits in Planung. Das Mäppchen liegt bereit. Die Erklärung zur Verschwiegenheit auch – für alle, die sie noch nicht unterschrieben haben. Also: für alle.
Diese Sendung ist Satire. Alle Zahlen stimmen trotzdem.
FDP / FW – Freie Wähler Fraktion im Rat der Stadt Menden (Sauerland)