22/10/2026
🚪 Kennst Du das Wort? Poz?
„Mach die Poz zu!“ – wer im Rhein-Kreis Neuss aufgewachsen ist, hat diesen Satz vielleicht schon von seinen Eltern oder Großeltern gehört. Und vermutlich war damit nicht das große Stadttor gemeint, sondern einfach die Wohnzimmertür!
Mer kalle Platt: In unserer Mundart-Serie stellen wir Euch fast vergessene Wörter und Redewendungen aus der Mundart des Rhein-Kreises Neuss vor. Wir übersetzen, erklären und erzählen ihre Geschichten.
Denn Mundart ist mehr als „Verzäll“ – sie ist ein Stück unserer Kultur und erzählt vom Leben und den Menschen im Rhein-Kreis Neuss.
🚪 Poz bedeutet auf Hochdeutsch „Pforte“ oder „Tor“. Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet das Wort aber auch eine ganz gewöhnliche Tür. Und wer ständig Türen auf- und zumacht, für den gibt es im Neusser Platt sogar ein eigenes Verb: „pöze“.
🗣️ Auch in Korschenbroich hat die Poz ihren Platz in der Mundart. Der Heimatforscher Hubert Köhnen überlieferte in seinem Werk „Unges Platt“ die Redewendung:
„Wämmer dä de Düer eruusschmiet, kütta duer de Pœz wier erenn.“
Sinngemäß: Wenn man ihn zur Tür hinauswirft, kommt er durch die Pforte wieder herein.
Gemeint ist jemand, der sich einfach nicht abwimmeln lässt. Den kann man noch so oft vor die Tür setzen – er findet immer einen Weg zurück!
🏛️ Und woher kommt das Wort „Poz“ eigentlich?
Dafür müssen wir sprachgeschichtlich weit zurückreisen, bis zu den Römern! Das lateinische Wort „porta“ bedeutet Tor oder Pforte. Über Jahrhunderte entwickelten sich daraus regionale Mundartformen wie „Porze“, „Pooz“ und „Poz“.
🏺 Bereits um 16 v. Chr. errichteten die Römer im heutigen Neuss einen Militärstandort. Später entstand das Legionslager Novaesium. Auch in Dormagen hinterließen die Römer ihre Spuren: Dort befand sich das Reiterkastell Durnomagus.
Die Römer brachten nicht nur ihre Baukunst, sondern auch ihre Sprache mit. So bezeichnete „Porta praetoria“ das Haupttor eines römischen Militärlagers.
🏰 Viele Jahrhunderte später war die Poz auch im mittelalterlichen Neuss allgegenwärtig. Die Stadt war von einer mächtigen Befestigung mit mehreren großen Stadttoren umgeben.
Der Neusser Mundartforscher Karl Kreiner nennt in seinem „Neusser Alphabet“ gleich mehrere dieser Tore mit ihren alten Namen:
🚪 Overpoz – Obertor
🚪 Neerpoz – Niedertor
🚪 Rhingpoz – Rheintor
🚪 Tollpoz – Zolltor
🚪 Hampoz – Hamtor
Später kam die Neupoz hinzu, die auch Bröckpoz und Hessepoz genannt wurde. Daneben gab es kleinere Durchgänge und Pforten, beispielsweise das Pfaffentor, das Stiegentor oder das Tränktor.
Von den großen mittelalterlichen Stadttoren ist heute nur noch das Obertor erhalten. Es gehört zu den bekanntesten historischen Wahrzeichen der Stadt Neuss.
🩵 Und genau das macht unsere Mundart so spannend: Ein kleines Wort, das früher an der Haustür ganz selbstverständlich benutzt wurde, verbindet unseren Alltag mit der römischen Sprachgeschichte und der mittelalterlichen Vergangenheit unserer Region.
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Dort werden Dialekte als Teil unserer regionalen Kultur gesammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt. Die Dauerausstellung kann kostenlos besucht werden. Außerdem erwarten Euch eine umfangreiche Bibliothek, Hörstationen, spannende Exponate und viele weitere Einblicke in die Sprachgeschichte unserer Region.
👉 Mehr Infos: rhein-kreis-neuss.de/mundartarchiv
💬 Kanntest Du das Wort „Poz“ bereits? Wird es bei Euch zu Hause vielleicht heute noch benutzt? Oder kennt Ihr andere Schreibweisen und Aussprachen?
⬇️ Was ist Dein Lieblingswort auf Platt? Welche Wörter oder Redewendungen sollen wir hier unbedingt einmal erklären? Schreibt Eure Vorschläge und Geschichten gerne in die Kommentare!
Leeve Jröß
Üre Jeck us em Büro för dijitale Verzäll.
🍽️ P.S.: In unserem erzählen wir Euch von einem besonderen Restaurant am Neusser Obertor, das den Namen „An de Poz“ trug. Und was aus dem ehemaligen Restaurant geworden ist!
📖 Quellen:
• Karl Kreiner: Das Neusser Alphabet, S. 265
• Hubert Köhnen: Unges Platt
• LVR: Sprachgeschichte der rheinischen Mundarten
🤖 KI-Hinweis: Die verwendeten Illustrationen sind KI-generiert und zeigen keine echten historischen Szenen.