11/09/2026
Nordhorn kann mehr!
Junge Union: Nordhorn braucht echte Jugendbeteiligung – Konzept für Kinder- und Jugendparlament liegt längst auf dem Tisch
Die Junge Union (JU) Nordhorn erneuert ihre seit Jahrzehnten bestehende Forderung nach einem demokratisch gewählten Kinder- und Jugendparlament für die Stadt Nordhorn. Bereits im Jahr 2002 legte die Junge Union ein Konzept für ein Jugendparlament vor. In den folgenden Jahren wurde die Idee weiterentwickelt und schließlich in einer umfangreichen Expertise zu einem konkreten Modell für Nordhorn im Jahr 2010 ausgearbeitet und 2020 grundlegend ergänzt.
„Wir diskutieren in Nordhorn nicht über eine neue Idee, die uns wenige Tage vor einer Wahl eingefallen ist. Die Junge Union setzt sich seit Jahrzehnten für ein Jugendparlament ein. Und wir beschränken uns dabei nicht auf eine Überschrift, sondern haben ein ausgearbeitetes Konzept vorgelegt, das von der demokratischen Wahl über die Einbindung in kommunale Entscheidungsprozesse bis zur finanziellen Eigenverantwortung reicht. Auch im bestehenden Rat haben wir alles für eine Reform versucht“, so die stellvertretende Vorsitzende der JU Laura-Marie Höhn.
Im Mittelpunkt des JU-Konzepts steht ein grundlegender Unterschied zum bisherigen System: Jugendliche sollen nicht lediglich zu einzelnen Beteiligungsveranstaltungen eingeladen werden, sondern ihre Interessenvertretung selbst demokratisch wählen können. Das vorliegende Konzept sieht dafür allgemeine, unmittelbare, freie, gleiche und geheime Wahlen vor.
Damit verbindet die JU einen klaren Bildungs- und Beteiligungsauftrag. Demokratie werde am besten gelernt, indem junge Menschen sie selbst praktizieren: kandidieren, wählen, diskutieren, Mehrheiten finden, Entscheidungen treffen und anschließend für diese Entscheidungen Verantwortung übernehmen. Ein Kinder- und Jugendparlament könne damit politisches Verständnis fördern und Politikverdrossenheit entgegenwirken.
Mitreden allein reicht nicht
Das Kinder- und Jugendparlament soll nach dem Konzept der Jungen Union keine reine Gesprächsrunde sein. Vorgesehen ist eine institutionalisierte Beteiligung an den kommunalen Entscheidungsprozessen bei Themen, die Kinder und Jugendliche betreffen. Vertreter des Parlaments sollen frühzeitig in entsprechende Beratungen einbezogen werden, sodass die Interessen junger Nordhorner bereits während der Planung berücksichtigt werden können.
Zur politischen Verantwortung gehört für die Junge Union auch finanzielle Verantwortung. Das Kinder- und Jugendparlament soll deshalb über eigene finanzielle Mittel verfügen und selbst über Projekte sowie Unterstützungsanträge entscheiden können. Dadurch entstünden tatsächliche Gestaltungsmöglichkeiten statt einer Beteiligung, die letztlich vollständig von Entscheidungen Erwachsener abhängig bleibt.
„Wer Jugendlichen Mitsprache verspricht, muss ihnen auch etwas zu entscheiden geben. Demokratische Legitimation, direkte Mitsprache und eigene Budgetverantwortung gehören für uns zusammen“, so Laura-Marie Höhn weiter.
Jugendforen weiterentwickeln statt Stillstand verwalten
Das JU-Konzept bedeutet dabei ausdrücklich nicht, sämtliche bestehenden Beteiligungsmöglichkeiten in den Stadtteilen abzuschaffen. Die dezentralen Jugendforen sollen als niedrigschwellige Anlaufstellen für jüngere Jugendliche erhalten bleiben. Vorgesehen ist vielmehr, das bisherige übergeordnete System zu einem demokratisch gewählten Kinder- und Jugendparlament weiterzuentwickeln und beide Ebenen miteinander zu verbinden.
Die Jugendforen in ihrer jetzigen Form sind tot. Bei dem JU-Konzept könnten Anliegen und Projektideen aus den einzelnen Sozialräumen aufgenommen und an das Kinder- und Jugendparlament herangetragen werden. Reichen die eigenen Möglichkeiten vor Ort nicht aus, könnte das Parlament über eine Unterstützung entscheiden. Damit verbindet das JU-Modell niedrigschwellige Beteiligung im unmittelbaren sozialen Lebensumfeld mit demokratisch legitimierter Interessenvertretung für die gesamte Stadt.
Gerade das unterscheide das Konzept von einer bloßen Fortsetzung bestehender Strukturen. Die Junge Union kritisiert seit Jahren insbesondere die mangelnde Repräsentativität des bisherigen, gescheiterten Systems. Nach der Analyse der JU erreicht die bisherige mittelbare Auswahl über die Jugendforen nur einen Teil der Jugendlichen und gewährleistet deshalb keine mit einer allgemeinen Wahl vergleichbare demokratische Legitimation.
„Nach all den Jahren braucht Nordhorn keine weitere Grundsatzdiskussion darüber, ob Jugendliche beteiligt werden sollen. Entscheidend ist, wie sie beteiligt werden. Die Junge Union hat dafür mehrfach, auch unter meiner Führung, ein konkretes und umfassend ausgearbeitetes Papier vorgelegt. Wir sind überzeugt, dass damit ein besser ausgearbeitetes Konzept auf dem Tisch liegt als bei manchem Vorschlag zur Jugendbeteiligung, der in den vergangenen Jahren aus dem Rathaus gekommen ist“, so der Stadtverbandsvorsitzende der JU, Kevin Döhe.
Eigene Entscheidungen brauchen eigene Mittel
Zur politischen Verantwortung gehört für die Junge Union auch finanzielle Verantwortung. Das Kinder- und Jugendparlament soll über eigene Mittel verfügen, Projekte verwirklichen und Vorhaben aus den Stadtteilen unterstützen können. Damit soll Geld flexibler dort eingesetzt werden können, wo Jugendliche konkrete Ideen entwickeln und umsetzen wollen.
Demokratie nicht erklären – Demokratie ermöglichen
Für die Junge Union besitzt ein Kinder- und Jugendparlament schließlich einen Wert, der weit über einzelne Projekte hinausgeht. Junge Menschen könnten dort unmittelbar erleben, wie demokratische Willensbildung funktioniert. Gleichzeitig entstünde eine legitimierte Interessenvertretung, die gegenüber Rat und Verwaltung für die Anliegen der jungen Generation sprechen kann. Genau diese größere Repräsentativität und die regelmäßige Einbeziehung in Entscheidungsprozesse gehören zu den zentralen Begründungen der bestehenden Expertise.
Zugleich könne eine solche Beteiligung die Identifikation junger Menschen mit Nordhorn stärken. Wer bereits früh die Erfahrung mache, die eigene Stadt tatsächlich mitgestalten zu können, entwickle eine andere Beziehung zu seinem unmittelbaren Lebensumfeld. Auch dieser Gedanke ist Bestandteil des seit Jahren vorliegenden Konzepts. Deshalb ist die JU über die Haltung von Sylvia van den Berg entsetzt. Zuletzt bezeichnete sie bei der Podiumsdiskussion so ein Projekt als elitär.
„Unser Ansatz lässt sich auf einen einfachen Grundsatz bringen: Junge Menschen brauchen keine Demokratie zum Zuschauen. Sie brauchen die Möglichkeit, Demokratie selbst zu leben. Ein gewähltes Kinder- und Jugendparlament mit echter Mitsprache und eigener Verantwortung ist dafür der richtige Weg. Das Konzept liegt vor. Jetzt muss aus jahrzehntelanger Diskussion endlich konkrete Beteiligung werden. Die Bürgermeisterkandidatin der SPD hat hier Äußerungen gemacht, die sich auf jegliche demokratische Institution übertragen lassen würden. Zum einen steht Frau van den Berg für die jahrzehntelange Politik, die zu der mangelnden Repräsentanz von Kindern und Jugendlichen geführt hat, zum anderen schaden solche Aussagen demokratischen Prozessen insgesamt“, so Döhe weiter.
Jugendforen sind als zentrale Interessenvertretung gescheitert
Für die Junge Union ist klar: Das bisherige Nordhorner System der Jugendbeteiligung hat sich in seiner heutigen Form überlebt. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen aus Sicht der JU, dass die bestehenden zwangspädagogischen Jugendforen ihren Anspruch, die Interessen der jungen Generation in Nordhorn wirksam und repräsentativ abzubilden, nicht erfüllen konnten. Bereits die JU-Expertise beschreibt eine wechselhafte Geschichte der sozialraumbezogenen Foren, die zwischenzeitlich zum Erliegen kamen und später neu aktiviert werden mussten.
Hinzu kommt ein grundlegendes demokratisches Problem: Die bisherige übergeordnete Jugendvertretung wird nicht von allen wahlberechtigten Jugendlichen Nordhorns gewählt. Wer überhaupt an ihrer Zusammensetzung mitwirken will, muss zunächst an einem der dezentralen Jugendforen teilnehmen. Genau diese Struktur kritisiert die Junge Union seit Jahren als nicht ausreichend repräsentativ und demokratisch legitimiert.
„Wir müssen nach all den Jahren auch den Mut haben, einen ehrlichen Befund auszusprechen: Das bisherige System ist als zentrale Interessenvertretung der Nordhorner Jugend gescheitert. Strukturen, die immer wieder neu belebt werden müssen und nur einen kleinen Teil der Jugendlichen erreichen, werden nicht dadurch besser, dass wir sie einfach noch einmal fortführen. Wer jetzt lediglich neue Jugendforen fordert, bietet letztlich eine Neuauflage eines Modells an, dessen strukturelle Schwächen seit Jahren bekannt sind – wie es das Bürgerforum will“, so JU-Geschäftsführer Daniel Tenfelde.
Verwundert zeigt sich die Junge Union deshalb über die unterschiedlichen Positionierungen im aktuellen Kommunalwahlkampf
Tenfelde bezieht sich auf die Äußerungen von Christoph Meier, die innerhalb der JU mit Interesse verfolgt werden. Das Bürgerforum hatte in der Vergangenheit selbst die Beteiligung junger Menschen etwa durch ein Jugendparlament thematisiert. Aktuell stellt Meier hingegen Jugendforen beziehungsweise einen Jugendbeirat als mögliche Modelle in den Vordergrund.
„Dass bei Christoph Meier aus seiner früheren Zeit als Mitglied der Jungen Union offenbar noch etwas von der Idee einer stärkeren Jugendbeteiligung hängen geblieben ist, freut uns natürlich“, erklärt Tenfelde mit einem Augenzwinkern. „Umso mehr stellt sich für uns aber die Frage, weshalb nun wieder ausschließlich gescheiterte Modelle wie Jugendforen in den Mittelpunkt gerückt werden, statt jungen Menschen mit einem gewählten Parlament tatsächlich eigene demokratische Verantwortung zu übertragen. Hier war das Bürgerforum mal weiter“, so Tenfelde.
„Nordhorn braucht deshalb nicht noch einmal dasselbe System mit einem neuen Anstrich. Wir brauchen einen Systemwechsel in der Jugendbeteiligung: weg von einer zentralen Struktur ohne breite demokratische Legitimation, hin zu einem gewählten Kinder- und Jugendparlament mit echter Mitsprache, eigenen Entscheidungen und eigener Verantwortung. Das Konzept dafür liegt seit Jahren auf dem Tisch.“
Das Gegenmodell liegt längst auf dem Tisch
„Wer die Jugend einer ganzen Stadt vertreten will, braucht dafür einen demokratischen Auftrag. Genau daran krankt das bisherige System. Offene Jugendforen können gute Anlaufstellen sein. Sie ersetzen aber keine gewählte Interessenvertretung. Nach Jahren ohne den notwendigen Durchbruch macht es keinen Sinn, dieselbe Struktur immer wieder neu aufzulegen und auf ein anderes Ergebnis zu hoffen. Viele Städte zeigen uns längst, wie echte Repräsentanz aussieht und wie die Wahlen, z. B. in Schulen, funktionieren“, so Döhe weiter.
Klare Konsequenz für die kommende Ratsperiode
Für die Junge Union ist nach einer weiteren Ratsperiode ohne Kinder- und Jugendparlament in der Stadt Nordhorn die Zeit unverbindlicher Absichtserklärungen vorbei. Seit Jahrzehnten wird über eine bessere Beteiligung junger Menschen diskutiert, seit Jahren liegt ein detailliert ausgearbeitetes Konzept auf dem Tisch. Die JU erwartet deshalb, dass aus dieser Forderung in der kommenden Ratsperiode endlich konkrete Politik wird.
„Wir haben lange genug Konzepte geschrieben, Vorschläge gemacht und für ein Kinder- und Jugendparlament geworben. Wenn nach einer weiteren Ratsperiode noch immer keine grundlegende Reform der Jugendbeteiligung erreicht worden ist, müssen daraus auch politische Konsequenzen folgen. Für die Junge Union ist deshalb klar: Einen etwaigen Koalitionsvertrag ohne die verbindliche Einführung eines Kinder- und Jugendparlaments wird es mit den Stimmen der JUler im nächsten Rat der Stadt Nordhorn nicht geben. Das ist für uns eine klare Bedingung“, so Tenfelde abschließend.