Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Anrufen Wegbeschreibung Website Kontaktieren Sie die Organisation

Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein Das Stadtarchiv Rüdesheim ist zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zur Geschichte Rüdesheims.

„Bilden da, wo andere Urlaub machen!“ – Diese Gelegenheit bot das ehemalige Ausbildungszentrum des hessischen Baugewerbe...
09/10/2026

„Bilden da, wo andere Urlaub machen!“ – Diese Gelegenheit bot das ehemalige Ausbildungszentrum des hessischen Baugewerbes in Assmannshausen. Mit seiner Schließung im Jahr 2009 endete die lange Geschichte des Gebäudes als Ort der Bildung.

Die Geschichte des Hauses beginnt im Jahr 1912, als die Frankfurter Mäzenin Emma von Mumm das Gebäude stiftete, das als Schülerheim für Frankfurter Schüler vorgesehen war. Am 6. August 1912 konnte das Richtfest gefeiert werden. Das Heim bot Platz für insgesamt 24 Schüler und diente vor und während des Zweiten Weltkrieges als Schülerlandheim des Schullanddienstes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude ausgebaut und erweitert. Am 21. September 1959 erfolgte die Einweihung als Kreisjugendheim. Mit fünf Schlafräumen und insgesamt 70 Betten, einem Zimmer für die Gruppenleiter sowie einer Heimleiterwohnung sollte es zu einer Stätte der Begegnung für Jugendliche aus dem In- und Ausland werden. Geplant waren Tagungen, Kurse und Erholungsaufenthalte.

Schon nach kurzer Zeit zeigte sich, dass das Kreisjugendheim die hohen Erwartungen an eine Begegnungsstätte nicht erfüllen konnte. Nachdem das Gebäude mehrere Jahre ungenutzt geblieben war, erwarb es im Oktober 1971 der Verband des Hessischen Baugewerbes. Dieser richtete dort ein Ausbildungszentrum mit 50 Internatsplätzen ein. Ziel war es, jährlich etwa 400 Auszubildende im Fliesenlegerhandwerk zu schulen.

Mit dem Anbau einer neuen Halle für die praktische Ausbildung wurde das Gebäude für seine neue Nutzung hergerichtet und konnte am 17. Mai 1972 schließlich seiner Bestimmung übergeben werden.

Quellen:
Rienäcker, Helmut, Chronik von Assmannshausen, Geisenheim, 1990.
Söder, Dagmar, Kulturdenkmäler in Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis I Teilband 2, Wiesbaden 2014, S. 975.
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein
Bildnachweis:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein (Bild 1, 2)
Rheinhold Forschner (Bild 3)

Seit dem 12. Jahrhundert diente das Salhaus in der Marktstraße als Amtssitz des Salmeisters, der für die Verwaltung und ...
25/09/2026

Seit dem 12. Jahrhundert diente das Salhaus in der Marktstraße als Amtssitz des Salmeisters, der für die Verwaltung und Steuerzahlungen in Rüdesheim zuständig war. Aufgrund seiner Größe und repräsentativen Bedeutung galt das Gebäude vermutlich über mehrere Jahrhunderte als eines der größten Häuser der Stadt. Im Volksmund etablierte sich daher die Bezeichnung „Großes Haus“.

Erstmals ist das Salhaus für das Jahr 1128 belegt. 1494 wurde der ursprünglich romanische Bau durch einen spätgotischen Neubau ersetzt. Im 18. Jahrhundert ging das Gebäude in den Besitz bürgerlicher Familien über und erfuhr erneut bauliche Veränderungen. Während die spätgotische Fassadengestaltung weitestgehend erhalten blieb, wurde das Innere einem spätbarocken Wohnstandard angepasst.

Der Bau besaß einen rechteckigen Grundriss und war zweigeschossig ausgeführt. Das verputzte Bruchsteinmauerwerk wurde an der Marktseite durch fünf Fensterachsen gegliedert. Einen besonderen repräsentativen Akzent setzten die beiden achteckigen Orttürmchen mit Schlüsselscharten und Zinnen an den Ecken der Marktfront.

Im Zuge der Bombenangriffe am Katharinentag im Jahr 1944 wurde das Salhaus bis auf die Grundmauern zerstört. Die verbliebene Ruine bestand zunächst weiter und wurde schließlich im Jahr 1973 vollständig abgerissen.

Quellen:
Schmitt, Anton, Rüdesheimer Chronik. mit Verzeichnis der weltlichen und geistlichen Obrigkeiten, Wiesbaden 1978.
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein
Söder, Dagmar, Kulturdenkmäler in Hessen, Rheingau-Taunus-Kreis I Teilband 2, Wiesbaden 2014, S. 926, 931.
Bildnachweis:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Als Naturprodukt wird Wein von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Neben Standort und Rebsorte entscheiden kellerwirtschaf...
11/09/2026

Als Naturprodukt wird Wein von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Neben Standort und Rebsorte entscheiden kellerwirtschaftliche Kenntnisse und die Erfahrung im Ausbau über die Qualität des Weines. Einen besonderen Stellenwert nimmt jedoch der Jahrgang ein. Die klimatischen Bedingungen eines Jahres beeinflussen maßgeblich die Zusammensetzung, Qualität und Charakteristik des späteren Weines. Seit dem Mittelalter sind die Eigenschaften einzelner Weinjahrgänge in zahlreichen Quellen überliefert:

1426:
Ein günstiges Weinjahr führt zu einem guten Wein von großer Menge. Quellen berichten: „Um für einen Heller zu trinken, muß man zweimal ins Wirtshaus kommen.“

1526:
Ein unfruchtbarer Frühjahrsfrost führt zu einem Fehljahr mit wenig und saurem Wein.

1626:
Ein kaltes Frühjahr und ein großer Frostschaden Ende Mai sowie ein regnerischer Sommer und trockener Herbst sorgen für eine geringe Ernte, die in saurem Wein mündet. Weitere Quellen berichten: „Den 26. Mai ist alles erfroren, dass in dem Herbst nicht eine Traube gefunden wurde.“

1726:
Ein kalter Winter und trockener Sommer sorgen für eine geringe Ernte, aber einen „sehr gut[en] und delicat[en]“ Wein.

1826:
Nasskaltes Wetter führt zu einer späten Blüte. Trockenes Wetter von Johanni an bedingt eine schnelle Vollblüte. Mitte Oktober kann ein voller und qualitativ guter Most geerntet werden. Die große Ernte resultiert in stoffigen, runden Weinen.

1926:
Das Jahr beginnt mit einem milden Winter und einem warmen, sonnigen Frühjahr. Spätfröste in den ersten Maitagen richten einen erheblichen Schaden an den jungen Trieben an. Ein nasser Juni führt zu einer Verbreitung von Pilzkrankheiten. Die geringe Ernte resultiert in einem Wein von geringer Qualität. Der geringe Mengenertrag im fünften Fehljahr seit 1921 führt zu schweren Verlusten im deutschen Weinbau.

Quellen:
Neitzer, G. Deutsches Weinarchiv. Die Weinjahrgänge 1400 – 1979, 1998, Oestrich-Winkel.
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein
Bildnachweis:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Straßen und Wege sind seit Jahrhunderten von zentraler Bedeutung für Verbindungen, Verkehr und Handel. Für Rüdesheim ste...
28/08/2026

Straßen und Wege sind seit Jahrhunderten von zentraler Bedeutung für Verbindungen, Verkehr und Handel. Für Rüdesheim stellt die Geisenheimer Straße eine solch wichtige Verkehrsverbindung dar. Die Fotografie aus dem Jahr 1896 eröffnet den Blick in das ausgehende 19. Jahrhundert. Sie zeigt die Geisenheimer Straße an der Ecke Kaiserstraße/Geisenheimer Straße und dokumentiert ihren damaligen Zustand.

Zu dieser Zeit präsentiert sich die Geisenheimer Straße noch als vergleichsweise ‚einfache‘ Landstraße. Nur vereinzelt stehen entlang ihrer Seiten einige Häuser, während großzügige Freiflächen der Straße ein offenes und weitläufiges Erscheinungsbild verleihen. Damit unterscheidet sie sich deutlich von der heutigen, durch starken Durchgangsverkehr geprägten Bundesstraße.

Auf der Fotografie ist bereits der neue Straßenbelag zu erkennen, der im Jahr 1887 angebracht wurde. Ebenso sind die jungen Lindenbäume zu sehen, die 1891 neu gepflanzt wurden und zuvor ausgehauene Nussbäume ersetzen.

In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde die Geisenheimer Straße schrittweise weiter ausgebaut. Zunächst entstanden entlang der Straße zunehmend weitere Wohnhäuser und Institutionsgebäude. Später beschlossen die Stadtverordneten im Jahr 1927 im Rahmen mehrerer geplanter Straßenausbauten auch einen ersten weiteren Ausbau der Geisenheimer Straße.

Die Fotografie von 1896 dokumentiert damit nicht nur einen historischen Straßenabschnitt, sondern macht zugleich die städtebauliche Entwicklung entlang einer bis heute wichtigen Verkehrsachse Rüdesheims sichtbar.

Quellen:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein
Schmitt, Anton, Rüdesheimer Chronik. mit Verzeichnis der weltlichen und geistlichen Obrigkeiten, Wiesbaden 1978.
Bildnachweis:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Die Festzüge waren seit 1932 ein beliebter Bestandteil der Rüdesheimer Weinfeste. In ihrem ersten Jahr gliederte sich de...
14/08/2026

Die Festzüge waren seit 1932 ein beliebter Bestandteil der Rüdesheimer Weinfeste. In ihrem ersten Jahr gliederte sich der Festzug in zwei Teile: Die Gestaltung des ersten Teiles „Wachsen und Werden des Weines“ übernahmen die Rüdesheimer Weingüter. Der zweite Teil, der unter dem Titel „Triumphzug der Rüdesheimer Weinbergslagen“ stand, wurde von Vereinen mit insgesamt 132 Mitwirkenden und sechs Reitpferden gestaltet. Besonders gern gesehen war auch das 1933 den Festzug ergänzende „Rüdesheimer Weinschiff, das von der Rüdesheimer Marine-Kameradschaft errichtet wurde.

Nach einer Unterbrechung der Festzüge ab 1934 gab es im Zuge der Wiederbelebung des Weinfestes in den Nachkriegsjahren den Versuch, sie wieder als festen Bestandteil des Festes einzuführen. Das immer stärker werdende Verkehrsaufkommen ließ dieses Vorhaben jedoch scheitern. Der letzte Festzug an Land fand daher 1950 statt.

Ersatz sollte ein schön gestalteter Schiffs- und Blumenkorso auf dem Rhein bieten. Dieser erwies sich jedoch als zu aufwendig und wenig effektiv, sodass die beliebte Attraktion der Festzüge zu Land und Wasser 1954 endgültig ihr Ende fand.

Quellen:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein
Bildnachweis:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Als ‚Schmusewinkel für Rüdesheimer Liebespärchen’ ist das Schillerdenkmal, auch „Schillerkrotzen“ genannt, seit 1908 Tei...
31/07/2026

Als ‚Schmusewinkel für Rüdesheimer Liebespärchen’ ist das Schillerdenkmal, auch „Schillerkrotzen“ genannt, seit 1908 Teil der Rheinanlagen. Gestiftet wurde es durch den Rüdesheimer Verschönerungsverein anlässlich des 100. Todestages des Dichters im Jahre 1905.

Der rund zwei Kubikmeter große Granitblock aus dem Felsenmeer bei Reichenbach im Odenwald, mit einem Gewicht von 100 Zentner und einer Höhe von 2,50 m, wurde von der Firma „Steinindustrie AG, vormals L. Schleicher“ gefertigt und erreichte Rüdesheim am 12. August 1908. Eine Bronzeplakette mit dem Porträt Schillers sowie einer Inschrift kennzeichnet den Stein als Denkmal zu Ehren des Dichters. Die ursprünglich in den Granit eingemeißelte Inschrift ist heute nicht mehr erhalten. Im Zuge einer Restaurierung im Jahr 2011 wurde stattdessen eine Bronzetafel mit den Lebensdaten Schillers angebracht.

Die Anlage wurde als romantischer Sitzplatz mit Bänken gestaltet. Im Jahr 1913 erweiterte ein künstlich angelegter Weiher mit felsigem Ufer das Areal. Gespeist wurde dieser durch einen kleinen Wasserfall, dessen Wasser mithilfe einer Pumpe zirkulierte. Eingefasst war der Teich von einem Zaun aus scheinbaren Ästen, die zur besseren Haltbarkeit aus Zement gefertigt waren. Während der Weiher im Winter als willkommene Schlittschuhbahn diente, entwickelte er sich in den Sommermonaten zu einer lästigen Brutstätte für Schnacken und wurde deshalb bereits nach kurzer Zeit abgeschafft.

Quellen:
Rheingauer Anzeiger, 13.08.1908.
Schmitt, Anton, Rüdesheimer Chronik. mit Verzeichnis der weltlichen und geistlichen Obrigkeiten, Wiesbaden 1978, S. 81 – 85.
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein
Bildnachweis:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Als beliebtes Reiseziel fand Assmannshausen in zahlreichen Reiseführern des 19. Jahrhunderts seinen Platz. Die vorliegen...
17/07/2026

Als beliebtes Reiseziel fand Assmannshausen in zahlreichen Reiseführern des 19. Jahrhunderts seinen Platz. Die vorliegende Druckgrafik zeigt eine romantisierende Ansicht der Rheinstadt: Den Vordergrund prägen die Dampf- und Segelschiffe des Rheins, während die hügelige Landschaft und die Burg Rheinstein auf der linken Bildseite die Szenerie rahmen. Die rechte Bildhälfte öffnet mit einem Umriss der Stadt Assmannshausen.

Der Künstler Richard Püttner schuf diese Ansicht für das um 1880 erschienene Prachtwerk „Rheinfahrt. Von den Quellen des Rheins bis zum Meere“. Assmannshausen wird dabei vor allem als Wein- und Kurort hervorgehoben:

„Wir legen bei Aßmannshausen an, wo Esel, Pferde und Führer unten warten, um uns auf die Höhen des Niederwalds zu bringen, von dem demnächst das Germania-Denkmal […] über die deutschen Gauen bis zu den Vogesen hinaus blicken soll. […] Auch in Aßmannshausen wie drüben in Ingelheim tritt der Mohr unter den Rheintrauben, der bekannte dunkle Wein, auf, von dessen Anpflanzung die Urkunden aus dem Jahre 1108 und erzählen. Schon zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts errichtete der Mainzer Erzbischof hier ein Bad. Die Ueberschwemmung verwischte die Quelle, die schön die Römer gekannt; man fand sie erst 1864 wieder und will nun neue Bäder einrichten.“

Quellen:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein
Stieler, Karl, Hackländer, Friedrich Wilhelm, Wachenhusen, Hans, Rheinfahrt. Von den Quellen des Rheins bis zum Meere, Stuttgart, ca.1880.
Bildnachweis:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Als eines der meistfotografierten Rüdesheimer Sehenswürdigkeiten zieht das Niederwalddenkmal bis heute ein großes Publik...
03/07/2026

Als eines der meistfotografierten Rüdesheimer Sehenswürdigkeiten zieht das Niederwalddenkmal bis heute ein großes Publikum an. Souvenirs, Postkarten und zahlreiche Druckgrafiken des 19. Jahrhunderts mit der Germania des Niederwalds als Motiv belegen dessen große Popularität.

Eine frühe Abbildung – noch vor der Errichtung des Denkmals – findet sich anlässlich der Feier der Grundsteinlegung am 16. September 1877 in einer Fest-Beilage des Rheingauer Anzeigers. Über einem Festgedicht von Emil Ritterhaus präsentiert sich das geplante Niederwalddenkmal vor der Kulisse der romantischen Rheinlandschaft.

Bemerkenswert ist die künstlerische Freiheit, die sich der Illustrator hierbei nimmt. Entgegen der tatsächlichen Gegebenheiten dreht er das Denkmal um 180 Grad und ermöglicht so eine Komposition, in der die beiden zentralen Attraktionen des Standorts, das Niederwalddenkmal und die romantische Rheinlandschaft, gleichzeitig ins Bild gesetzt werden. Auf diese Weise entsteht eine idealisierte Ansicht, die aufgrund der tatsächlichen Ausrichtung des Denkmals zum Niederwald hin in der Realität nicht möglich gewesen wäre.

Quellen:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein
Tittel, Lutz, Das Niederwalddenkmal 1871 – 1883, Hildesheim, 1979, S. 20f.
Bildnachweis:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Der Wunsch nach einer erfrischenden Abkühlung an heißen Sommertagen war den Menschen schon vor über hundert Jahren wicht...
19/06/2026

Der Wunsch nach einer erfrischenden Abkühlung an heißen Sommertagen war den Menschen schon vor über hundert Jahren wichtiges Anliegen. Bereits vor 1850 gab es in Rüdesheim eine eigene „Rheinbad-Gesellschaft“. In einem Badehaus am Rheinufer am Adlerturm waren hölzerne Badezuber mit Rheinwasser gefüllt. Gästen stand frische Badewäsche zur Verfügung und Mutige konnten hinter Segeltuchwänden direkt in den Strom steigen. Ein gefährliches Spiel, beherrschten doch nur Wenige die Kunst des Schwimmens und alljährlich waren zahlreiche Ertrunkene zu beklagen.

Ab den 1870er Jahren sorgten schwimmende Badeanstalten für mehr Sicherheit. Diese Anlagen bestanden aus hölzernen Plattformen, die auf leeren Petroleumfässern oder Pontons lagen. In die Plattform war ein eiserner Käfig mit Holzboden versehenes Schwimmbecken eingelassen, das direkt im Rheinwasser hing. Zur Wahrung der Schicklichkeit schirmten an der Landseite Bretterbuden mit Umkleidekabinen den Blick ab. Auf dem Zugangssteg wurden Getränke verkauft sowie Badekleidung und Handtücher verliehen.

In Rüdesheim gab es zwei solcher Badeanstalten, die von den Schiffern Phil. Jak. Fischer und Georg Maul betrieben wurden. Nachdem Fischer seine Anlage 1891 an Maul verkauft hatte, besaß dieser über viele Jahre hinweg das Bademonopol der Stadt. Gleichzeitig wurde das Baden außerhalb der Badeanstalten im Rhein grundsätzlich untersagt. Finanzschwache Mitbürger durften zu bestimmten Zeiten frühmorgens oder abends zu einem ermäßigten Preis von 5 Pfennig in die Badeanstalt, und Frauen war der Besuch erst 1911 erlaubt.

1916 vererbte Georg Maul die Badeanstalt an seinen Sohn Heinrich. Die wirtschaftlich schwierigen Jahre nach dem 1. Weltkrieg machten sich auch hier bemerkbar. Aufgrund geringer Einnahmen bot Heinrich Maul der Stadtverwaltung 1922 die Übernahme der Anlage an. Das in die Jahre gekommene Bad zeigte sich allerdings recht reparaturbedürftig, sodass die Stadt das Angebot ablehnte und stattdessen den Bau eines Badebeckens inmitten der Rheinlagenwiesen förderte.

Quellen:
Göttert, Rolf, Notizen aus dem Stadtarchiv 8, 1991.
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein
Bildnachweis:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Nach seiner Zerstörung 1944 präsentierten sich die Überreste des Niederwaldtempels über Jahrzehnte hinweg als Trümmerstä...
05/06/2026

Nach seiner Zerstörung 1944 präsentierten sich die Überreste des Niederwaldtempels über Jahrzehnte hinweg als Trümmerstätte. Frühe Bestrebungen eines Wiederaufbaus seit den 1960er Jahren blieben lange Zeit erfolglos. Erst nahezu 60 Jahre später wurde auf Initiative von Hans Rudi Schneider und Werner Bürk im Jahr 2003 der Rüdesheimer Tempelverein e. V. gegründet.

Durch das Engagement des Fördervereins konnten konkrete Rekonstruktionspläne entwickelt werden, die bereits im November 2005 mit dem ersten Spatenstich ihren sichtbaren Anfang nahmen.

Vor 20 Jahren, am Pfingstmontag 2006, wurde der Niederwaldtempel im Rahmen eines Festakts unter Teilnahme zahlreicher Gäste feierlich eingeweiht.

Die neue Tempelanlage zeigt sich in einer fast originalgetreuen Rekonstruktion. Abweichungen finden sich lediglich in der Bausubstanz der Säulen, die nun aus Spezialbeton statt aus Natur-Sandstein gefertigt sind. Darüber hinaus wurde die Anzahl der Stufen an die im Laufe der Jahrzehnte veränderte Geländesituation angepasst.

Als Erinnerung an seine Ursprünge wurden Fragmente des ursprünglichen Tempels in Form von Säulenbruchstücken, Säulenfüßen und Kapitellen in der Nähe des wiedererrichteten Tempels aufbewahrt.

So knüpft der Tempel auf dem Niederwald seit 20 Jahren wieder an seine ursprüngliche Bestimmung an und lädt zum Verweilen und Genießen des Weitblicks über das Rheintal ein.

Quellen:
Bürk, Werner, Der Tempel auf dem Niederwald über Rüdesheim am Rhein, Rüdesheim, 2007.
Bildnachweis:
Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein

Adresse

Markt 16
Rüdesheim Am Rhein
65385

Benachrichtigungen

Erfahren Sie als Erste/r von Neuigkeiten und Aktionen: Wir schicken Ihnen eine E-Mail, wenn Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein etwas veröffentlicht. Ihre E-Mail-Adresse wird für keinen anderen Zweck verwendet, und Sie können sich jederzeit abmelden.

Kontaktieren Sie Die Organisation

Nachricht an Stadtarchiv Rüdesheim am Rhein senden:

Teilen