05/10/2026
👉Am 21. Oktober um 19.30 Uhr ist Christl Sittenauer mit ihrem Programm „Komplizin“ beim Theaterring im Subiaco zu Gast.
„Mit mehr Fug, als das schöne, könnte man das weibliche Geschlecht das unästhetische nennen. Weder für Musik, noch Poesie, noch bildende Künste haben sie wirklich und wahrhaftig Sinn und Empfänglichkeit“.
Von Arthur Schopenhauer war ja nichts anderes zu erwarten, aber dass jetzt auch noch Christl Sittenauers eigener Sohn denkt, dass Frauen keine Menschen seien, stürzt die Kabarettistin, Mathematikern, Dozentin, Architektin, Improtheaterschauspielerin und Sängerin in eine tiefe Krise. Nur konsequent, dass sie sich dazu entschlossen hat, ein Kabarett-Soloprogramm zu schreiben. Ein Abend irgendwo zwischen wissenschaftlichen Lebensfragen, gegenderten Kinderbüchern, Normpersonen und dem nächtlichen Adrenalinkick allein am Freisinger Parkplatz. Sittenauer entzündet ein feinfühliges und spitzfindiges Auf und Ab der Missverständnisse und Ungleichheiten und dabei gelingt es auch ihr trotz aller Mühen nicht immer richtig und korrekt zu sein…
Am Piano begleitet sie Lukas Maier, der zusammen mit Christl für ihr Programm Songs arrangiert sowie komponiert hat. Es wird ein Feuerwerk.
Christl Sittenauer ist Schauspielerin und Kabarettistin. Mit ihrem ersten Kabarettauftritt räumt sie 2022 gleich den St. Prosper Kabarettpreis in Erding ab. Seit 2020 ist sie Mitglied des Ensembles der Münchener Lach- und Schießgesellschaft und macht mit ihrer Arbeit auf politische Themen im Makro- und Mikrobereich aufmerksam. Seit über 20 Jahren spielt Christl Sittenauer leidenschaftlich Improtheater und ist Teil des Ensembles "Bühnenpolka".
Freier Kartenvorverkauf: Online-Tickets erhalten Sie unter https://schramberg.reservix.de/events. Außerdem erhalten Sie Tickets im Rathaus Schramberg, Bürgerservice, im Bürgerbüro Sulgen und auf Reservix.de.
Foto © Julia Ruhland
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👉Interview mit Christl Sittenauer zum Programm
KOMPLIZIN – frei verwendbar, kostenfrei abdruckbar
Christl Sittenauer ist Schauspielerin und Kabarettistin. Seit 2020 ist sie Mitglied des Ensembles der Münchner Lach- und Schießgesellschaft und macht mit ihrer Arbeit auf politische Themen im Makro- und Mikrobereich aufmerksam. Zudem ist sie Teil des Improtheaters Bühnenpolka.
2022 St. Prosper Kabarettpreis / 2023 Fränkische Kabarettpreis / 2024 Goldene Bulle aus Ulm.
In deinem neuen Programm „Komplizin“ suchst du nach Verbündeten im Alltag. Woher kommt der Impuls?
Ich versuche gerne über alles die Kontrolle zu haben und kann schwer Sachen abgeben. Das ist anstrengend und auf Dauer nicht zu halten. Bis mir aufgefallen ist, das muss ich nicht. Ich habe so tolle Leute, die mir helfen und mich inspirieren. Dadurch wird alles einfacher.
Und dass wir gemeinsam viel mehr bewegen können. Vor allem in einer Zeit, in der Frauenhass vor allem in Social Media immer stärker wird, konservative und rechte Politiker:innen und Gruppen, die hart erkämpften Rechte von Frauen wieder zurückdrehen möchten, muss man laut werden und füreinander einspringen. Mein Openersong heißt auch „Jede Alltagsheldin braucht ne Komplizin!“ Passend also dass es um Seilschaften unter Frauen geht, die unser Oberbarde im Privatjet, J.F.M.J. Merz, so vermisst.
Auf welche Nummern dürfen wir uns freuen?
Es geht um alltäglichen Dinge, wie der Herausforderung, an einer Selbstscanner-Kasse nicht zur Diebin zu werden, über die richtige Tarnkleidung für Frauen, damit sie sicher nach Hause kommen bis zur Komplizinnenschaft mit einem einsamen Zipper-Hosenbeinen.
Du erzählst ja in deinem Programm von Komplizinnen, die dir im Alltag begegnen. Hand aufs Herz, gibt es die wirklich?
Meine Freundinnen sind oft die Inspiration für meine Figuren, aber auch die Oben-Ohne-Rückenschwimmerin Rita, die gab es wirklich. Meist haben meine Geschichten einen wahren Kern, den ich dann für die Bühne weiterbearbeite.
Was bedeutet „politisches Kabarett“ für dich?
Viele verstehen politisches Kabarett als Namedropping von Politikerinnen und Politikern. Mir ist aber auch wichtig zu zeigen, gesellschaftspolitische Entwicklungen zu zeigen, welche Konsequenzen aus politischem Handeln entstehen oder was wir einfach als unveränderbar annehmen. Kabarett gibt Denkanstöße und ist genauso meinungsbildend. Wenn wir Stereotype wiederholen, bleiben Sie auch, daher ist meine Mission das aufzubrechen. Veranstaltungen wie das Politiker Derblecken oder der Nockherberg wirken für mich wie eine Ist-Abfrage für die Politik. Verstehen die noch was wir wollen? Oder werde ich als Politgröße abgewatscht? Bin ich überhaupt relevant? Bei solchen Events merkst du schnell, wer Humor hat und mit Kritik umgehen kann.
Deine Programme zeichnen sich durch eine Mischung aus Textarbeit und musikalischen Elementen aus – wie entsteht dieser hybride Stil bei dir?
Ich war auf einem musischen Gymnasium und singe eigentlich den ganzen Tag vor mich hin, da musst du nur meine Familie fragen. Kein Ort ist vor mir sicher, besungen zu werden. Außerdem habe ich den besten Musiker Lukas Mario Maier an meiner Seite, der ganz tolle Songs schreibt und komponiert.
Du bist Ensemblemitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft und machst seit längerem auch Improtheater. Inwiefern prägt das deinen Stil?
Mich kann auf der Bühne nichts aus der Ruhe bringen. Wenn aus Versehen das Saallicht für immer an geht, draußen ein ohrenbetäubendes Feuerwerk knallt, sodass man nichts mehr hört, oder ich mit falschem Namen auf die Bühne geholt werde, dann ist es ein Geschenk. Das wird groß gemacht und eingebaut. Das Publikum merkt dadurch eine Authentizität und Spontanität.
Die Lach- und Schießgesellschaft hat mir den Mut gegeben, politische Themen anzugehen, und diese auch teils schweren Themen humorvoll zu verpacken.
Warum also weniger Impro und mehr Kabarett?
Auf der Improbühne kann man sein Gegenüber nicht steuern, man spielt sich wie beim Pingpong die Sätze zu, reagiert und überrascht sich. Ich habe gemerkt, dass es auch wichtig ist, die Bühne zu nutzen, um die eigene Meinung und meine Haltung zu teilen, und das geht bei einem Kabarettprogramm natürlich viel besser.
Und, trotzdem gibt es einen Impropart in deinem Stück…
Ich habe mir bewusst einen Freiraum geschaffen. Nach der Pause bekommt eine Komplizin oder ein Komplize aus dem Publikum einen Song von mir. Ich komme mit meinen Zuschauenden in ein Gespräch und schaffe den passenden Soundtrack zur Mission. So schaffe ich live bei jeder Show eine eigene Hymne für eine Person aus dem Publikum. unmittelbar. improvisiert. Echt.
Welche Mission hat ein Abend für dich? Bildung oder Unterhaltung?
Ich will natürlich, dass mein Publikum idealerweise mit neuen Erkenntnissen aus dem Abend geht, aber nicht das Gefühl hat, belehrt worden zu sein. Mein Abend ist kein People Pleasing und kein Schenkel klopfen, sondern eher ein gemeinsames Entdecken. Der Humor ist ein ideales Vehikel, um abstrahiert Dinge zu betrachten und gemeinsam zu lachen. Und so manche fühlen sich dann heimlich ertappt, aber bloß gestellt wird bei mir niemand.
Gerade Themen wie Gleichberechtigung und soziale Normen sind stark polarisierend. Wie gehst du mit Erwartungshaltungen des Publikums um?
Im Gegensatz zu meinem ersten Programm “Frauen sind keine Menschen”, sieht man der “Komplizin” nicht sofort an, dass ich über Missstände gegenüber Frauen spreche.
Es geht weiterhin um fehlende Gleichberechtigung und die Stimmung im Raum ändert sich nach wie vor merklich, wenn ich von leichten Geschichten zu knallharten Realitäten wie Femiziden und Gewalt komme. Kabarett vertritt eine Haltung und für diese Werte stehe ich auch ein.
Gibt es Situationen, in denen du bewusst mit dem Publikum neue Verbündete suchst?
Bei der „Komplizin“ lade ich alle ein, selbst eine Komplizenschaft aufzubauen. Und manche testen ihre Fähigkeiten dann schon in der Pause. Das größte Lob ist, wenn Leute mich Monate später wieder ansprechen und sagen, dein Abend hat mein Denken verändert.
Kontakt:
Agentur Sebastian Knoch * [email protected]