13/07/2026
Mittwochsspalte, Schwäbisches Tagblatt, 25.06.2026 von Deniz-Osman Tekin
Mehr Welt ins Stadtbild
Tübingen sollte nicht nur an Menschen erinnern, die mit der Stadt verbunden sind, sondern auch an jene, deren Werk zum Selbstverständnis dieser Stadt passt: Freiheit, Menschenwürde, kulturelle Vielfalt, Umweltschutz und demokratische Haltung. Deshalb wäre es ein starkes Zeichen, künftig Straßen und Plätze nach Mikis Theodorakis und Yaşar Kemal zu benennen.
Beide waren weit mehr als berühmte Künstler. Theodorakis gehörte zu den prägenden europäischen Kulturschaffenden des 20. Jahrhunderts. Er verband Musik mit Widerstand gegen Diktatur und Unfreiheit. Die UNESCO würdigte ihn als Komponisten und Kämpfer für Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Kemal, einer der großen Schriftsteller der Weltliteratur, gab Armen, Unterdrückten und Minderheiten eine furchtlose Stimme. Zugleich schrieb er früh über die Zerstörung von Natur und Lebensgrundlagen. 1997 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels - für sein Werk und seine Haltung.
Tübingen hat gute Gründe, solche internationalen Namen sichtbar zu machen. Universität, Migration, politische Debatte, Kultur und Zivilgesellschaft prägen die Stadt. Viele Menschen griechischer, türkischer und kurdischer Herkunft leben hier. Benennungen nach Theodorakis und Kemal wären keine Geste an einzelne Herkunftsgruppen. Sie würden gemeinsame Werte ehren, die einer vielfältigen Stadt Orientierung geben und sie zusammenhalten: Demokratie, soziale Gerechtigkeit und kultureller Austausch.
Mit Theodorakis und Kemal würde Tübingen zwei Stimmen würdigen, die über nationale Grenzen hinausweisen. Beide standen für Verständigung statt Feindbilder, für Kultur als Brücke und für den Mut, Unrecht zu widersprechen. Diese Haltung ist zeitlos - und heute besonders wichtig...(Fortsetzung im ersten Kommentar)