21/10/2026
PRESSEMITTEILUNG der Stadt Walsrode
Walsrode, 21. Oktober 2026
Glasfaserausbau in unseren Ortschaften – wichtige Informationen für Sie
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
in unseren Ortschaften werben derzeit sowohl die Stadtwerke Böhmetal gemeinsam mit der Firma Bungalski als auch RASANNNT, einer Marke der Stadtwerke Neustadt am Rübenberge, um Glasfaseranschlüsse.
Der Geschäftsführer von RASANNNT hat hierzu einen Flyer an die Haushalte verteilen lassen. Einige darin enthaltene Aussagen bedürfen aus meiner Sicht einer sachlichen Einordnung. Deshalb möchte ich Ihnen die Hintergründe erläutern und Ihnen wichtige Informationen für Ihre Entscheidung mitgeben.
1.
Das geförderte Glasfasernetz bleibt in kommunaler Hand
Die Stadtwerke Böhmetal realisieren den geförderten Glasfaserausbau mit Unterstützung öffentlicher Mittel. Nach den vorliegenden Angaben werden 50 Prozent der Kosten vom Bund, 25 Prozent vom Land Niedersachsen und 25 Prozent vom Landkreis Heidekreis getragen. Eigenmittel der Städte Walsrode und Bad Fallingbostel werden dafür nicht eingesetzt. Das entstehende Netz bleibt im Eigentum der Stadtwerke Böhmetal. Damit schaffen wir eine langfristige digitale Infrastruktur, die kommunal getragen wird und allen unseren Ortschaften dauerhaft zugutekommen soll – und eben nicht nur dort, wo es sich wirtschaftlich lohnt.
2.
„Open Access“ ermöglicht die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern
Ein wesentlicher Vorteil des geförderten Netzes ist der vorgesehene sogenannte Open-Access-Zugang. Das bedeutet, dass auch andere Telekommunikationsanbieter das Netz nutzen und darüber eigene Leistungen anbieten können, sofern die entsprechenden Vereinbarungen und technischen Voraussetzungen erfüllt sind.
Dazu könnten beispielsweise die Telekom, 1&1, EWE TEL, Vodafone oder RASANNNT gehören. Welche Anbieter tatsächlich zur Verfügung stehen und welche Tarife sie anbieten, hängt von den jeweiligen Vereinbarungen der Anbieter mit den Stadtwerke Böhmetal ab.
Für Sie ist entscheidend: Sie erhalten mit dem geförderten Netz eine Infrastruktur, die grundsätzlich auch den Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern ermöglicht. Sie müssen sich deshalb nicht von vornherein dauerhaft auf einen einzigen Telekommunikationsanbieter festlegen.
3.
Hausanschluss und Telekommunikationsvertrag sind zwei verschiedene Dinge
Bei der Entscheidung für einen Glasfaseranschluss sollten Sie zwei Verträge klar voneinander unterscheiden:
• Der Hausanschluss: Der Vertrag mit den Stadtwerken Böhmetal betrifft die Herstellung des Glasfaseranschlusses bis zu Ihrem Haus. Dafür ist die Zustimmung des Grundstückseigentümers erforderlich.
• Der Telekommunikationsvertrag: Der Vertrag mit einem Anbieter wie Bungalski regelt die Nutzung der Internet- und gegebenenfalls Telefonieleistungen.
Bitte vergleichen Sie die jeweiligen Angebote sorgfältig. Achten Sie dabei nicht nur auf den monatlichen Preis, sondern auch auf die Vertragslaufzeit, die tatsächlichen Leistungen, mögliche Zusatzkosten für Telefonie, die Kosten für eine feste IPv4-Adresse und die Preise nach Ablauf der ersten 24 Monate.
4.
Warum ein paralleler Glasfaserausbau Fragen aufwirft
Die Stadtwerke Böhmetal bauen das geförderte Netz auf Grundlage des Förderverfahrens des Landkreises Heidekreis aus. Dabei müssen die vorgesehenen Adressen im jeweiligen Ausbaugebiet erschlossen werden – auch dort, wo ein Anschluss aufgrund seiner Lage oder Entfernung besonders aufwendig ist. Für das Förderprojekt wurde nach den vorliegenden Angaben eine Wirtschaftlichkeitslücke von rund 15 Millionen Euro bei einer Gesamtinvestition von etwa 20,6 Millionen Euro ermittelt. Die öffentliche Förderung soll gerade ermöglichen, dass auch solche Bereiche erschlossen werden, in denen sich ein Ausbau allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht rechnen würde.
Nach den bislang vorliegenden Informationen plant die Highspeed Nord out of Area GmbH & Co. KG, an der die Stadtwerke Neustadt am Rübenberge zu 25 Prozent beteiligt sind, in bestimmten Bereichen zusätzlich zu diesem geförderten Projekt einen eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau.
Das wirft aus meiner Sicht wichtige Fragen auf:
• Welche Haushalte werden durch den zusätzlichen Ausbau tatsächlich erreicht?
• Wie wird sichergestellt, dass alle im Förderprojekt vorgesehenen Haushalte ihren Anschluss erhalten?
• Welche Auswirkungen hat der parallele, also doppelte Ausbau auf die Nutzung und die Wirtschaftlichkeit der geförderten Infrastruktur?
• Welchen zusätzlichen Nutzen bietet ein zweiter Hausanschluss, wenn RASANNNT grundsätzlich auch die Glasfaserinfrastruktur der Stadtwerke Böhmetal nutzen könnte?
Mir geht es dabei nicht darum, einen Wettbewerb zwischen Anbietern zu verhindern. Im Gegenteil: Wettbewerb ist wichtig. Entscheidend ist aber, dass die mit öffentlichen Mitteln geschaffene Infrastruktur möglichst umfassend genutzt wird und alle vorgesehenen Haushalte zuverlässig versorgt werden.
5.
Die Nachfrage in den ersten Ausbauorten ist sehr hoch
Die bisherigen Zahlen aus Hamwiede, Idsingen, Sieverdingen und Stellichte zeigen nach den vorliegenden Vertriebsangaben ein deutliches Interesse:
Mehr als 90 Prozent der Haushalte haben einen Hausanschluss bei den Stadtwerke Böhmetal beauftragt. Die beauftragten Anschlüsse sind dort bereits hergestellt oder kurz vor der Fertigstellung. Das ist ein starkes Zeichen für die Nachfrage nach einer leistungsfähigen Glasfaserversorgung in unseren Dörfern. Wer bereits einen solchen Anschluss erhalten hat, verfügt über eine zukunftsfähige Glasfaserinfrastruktur und muss nicht allein wegen der Wahl eines anderen Telekommunikationsanbieters einen weiteren Hausanschluss herstellen lassen. Voraussetzung ist, dass der gewünschte Anbieter das vorhandene Netz nutzen will und ein entsprechendes Angebot zur Verfügung steht.
6.
Mein Anliegen: eine verlässliche Versorgung für alle Ortschaften
Mir liegt am Herzen, dass wir in unseren Dörfern eine zuverlässige, möglichst flächendeckende und zukunftssichere Glasfaserversorgung erreichen. Kein Haushalt und keine Ortschaft sollten am Ende ohne eine tragfähige Lösung dastehen.
Dafür brauchen wir eine Infrastruktur, die langfristig genutzt werden kann, und faire Möglichkeiten für unterschiedliche Telekommunikationsanbieter, ihre Leistungen darüber anzubieten. Ich möchte Sie deshalb bitten, sich vor Ihrer Entscheidung umfassend zu informieren und die Vertragsangebote genau zu vergleichen. Lassen Sie sich nicht allein von Werbeaussagen leiten, sondern prüfen Sie, welche Leistungen Sie tatsächlich erhalten, welche Kosten entstehen und wie flexibel Sie künftig bei der Anbieterwahl bleiben.
Mir ist wichtig, dass Sie die Hintergründe kennen und eine gut informierte Entscheidung treffen können. Denn es geht nicht nur um einen Internetanschluss für heute, sondern um nichts weniger als die digitale Zukunft unserer Ortschaften.
Ihre Bürgermeisterin
gez. Helma Spöring