15/10/2026
Der schönste Tanz dauert ein Leben lang
Ursula und ihr Mann Ludwig feiern ihre Gnadenhochzeit
Die Musik von damals ist längst verklungen. Doch wenn Ursula Ludwig von jenem Abend im Pleißental erzählt, scheint die Melodie noch einmal zu erklingen. Es war 1954, als sie beim Tanz ihren zukünftigen Ehemann Herbert kennenlernte. Sie saß als Letzte noch auf der Bank, bis er schließlich sie zum Tanz aufforderte. Was für ihn vielleicht zunächst nur ein Tanz war, stand für sie schon damals fest. „Für mich gab es keinen anderen“, erinnert sie sich lächelnd. Und sie sollte recht behalten. Aus diesem einen Tanz wurden 70 Jahre Ehe, zwei Söhne, zwei Enkel, zwei Urenkel und unzählige gemeinsame Erinnerungen.
Zwei Jahre nach ihrer ersten Begegnung gaben sich die beiden in Werdau das Jawort. Die gebürtige Steinpleiserin erinnert sich sogar noch an ihr Brautkleid, das damals von einer Schneiderin aus der Umgebung eigens angefertigt wurde. Ob sie es heute noch einmal tragen würde? Wohl eher nicht, wie sie beim Anblick des Hochzeitsfotos schmunzelnd zugibt. Überhaupt gehört der Humor bei Familie Ludwig offenbar zur Grundausstattung einer glücklichen Ehe.
Gemeinsam bauten sie sich ein Leben auf. Herbert lernte bei der IFA den Beruf des Maschinenschlossers und arbeitete später 25 Jahre bei der Wismut. Ursula war als Sachbearbeiterin in der Ärzteberatungsstelle der Poliklinik tätig. Seit 1964 bewohnen sie ihre Werdauer Wohnung, in die sie damals als erste Mieter einzogen. Ein Zuhause, das über die Jahrzehnte zum stillen Zeugen einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte geworden ist. Doch wer glaubt, sieben Jahrzehnte Ehe seien ein einziger romantischer Walzer, wird von den beiden eines Besseren belehrt. Ganz ohne Streit gehe es schließlich nicht. Entscheidend sei vielmehr, miteinander zu reden, den anderen so anzunehmen, wie er ist und auch nach vielen Jahren gemeinsam lachen zu können. Für zusätzliche Harmonie empfiehlt Ursula Ludwig übrigens gemeinsame Gymnastik. Ein Rezept, das nach 70 Ehejahren durchaus als erprobt gelten darf. Auch die Welt haben die beiden gemeinsam entdeckt. Ihre Reisen führten sie von Kuba bis nach Israel. Die Leidenschaft für die Fotografie teilten sie ebenso wie die Freude am eigenen Garten. Überhaupt meistern die beiden trotz ihrer inzwischen 90 Jahre noch erstaunlich viel selbst. Wo doch einmal eine helfende Hand gebraucht wird, sind die Söhne gern zur Stelle. Zum Ehrentag besuchte Oberbürgermeister Sören Kristensen das Jubelpaar und ließ sich von den Erinnerungen, kleinen Neckereien und der spürbaren Vertrautheit der beiden mitnehmen. Für ihn war es bereits die fünfte Gnadenhochzeit, zu der er während seiner Amtszeit persönlich gratulieren durfte. Ein seltenes Jubiläum, das auch nach vielen Jahren im Amt etwas ganz Besonderes bleibt. Neben herzlichen Glückwünschen und vor allem Gesundheit gab er den beiden einen Wunsch mit auf den Weg. Wie schön wäre es, in fünf Jahren erneut an ihrer Tür zu klingeln, um gemeinsam die Kronjuwelenhochzeit zu feiern. Zunächst aber steht am Wochenende eine Feier im Kreise der Liebsten im Katharinenhof an.
Eine kleine Überraschung bahnte sich schließlich zum Ende des Besuches an. Herr Ludwig erzählte begeistert von der Werdauer Schaumzucker-Annoncenuhr, die es sogar in die Fernsehsendung „extra 3“ geschafft hatte. Nur eine Sache ließ ihm keine Ruhe. Wie die wohl schmecken würde? Einmal davon kosten, das wäre doch etwas! Diesen süßen Wunsch möchte die Stadt Werdau natürlich nur zu gern erfüllen. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieser außergewöhnlichen Liebe. Dass man sich auch nach 70 gemeinsamen Jahren noch über Kleinigkeiten freuen, miteinander scherzen und einander zum Lachen bringen kann.
Die Stadt Werdau gratuliert Familie Ludwig von ganzem Herzen zur Gnadenhochzeit und wünscht noch viele glückliche, gesunde und humorvolle Jahre miteinander.