23/10/2026
Heute eine Wochenendgeschichte: Ein Eimer auf Zeitreise 🪣🔎
Manchmal braucht es keine Zeitmaschine, um in die Vergangenheit zu reisen. Manchmal reichen ein Dachboden und ein ziemlich alter Eimer!
Beim Leerräumen eines Dachbodens ist unseren Technikern kürzlich ein ganz besonderes Fundstück in die Hände gefallen: ein alter Metalleimer mit rotem Rand und der Aufschrift „VEB Kommunale Wohnungsverwaltung der Stadt Wurzen“. Da fühlten sich unsere Kollegen für einen Moment wie Indiana Jones auf Schatzsuche. Nur ohne Schlapphut und Peitsche, dafür aber auf einer echten Spur Wurzener Unternehmensgeschichte.
Doch was steckt hinter der Aufschrift?
Der VEB Kommunale Wohnungsverwaltung Wurzen, war zu DDR-Zeiten für die Bewirtschaftung großer Teile des städtischen Wohnungsbestands zuständig. Dabei ging es sowohl um die Altbauten in der Innenstadt als auch um den Wohnungsneubau, der dringend benötigten Wohnraum schaffen sollte.
Ein Blick auf die damaligen Mietpreise zeigt, unter welchen Bedingungen die Wohnungswirtschaft arbeitete: Die Mieten waren staatlich festgelegt und über Jahrzehnte sehr niedrig. Je nach Wohnung und Baujahr lagen die Grundmieten beispielsweise bei etwa 0,80 bis 1,25 Mark pro Quadratmeter. Für eine 60-Quadratmeter-Wohnung bedeutete das rechnerisch gerade einmal 48 bis 75 Mark Grundmiete im Monat.
Für die Mieter war das günstig. Für die Instandhaltung der Gebäude stellte es die Verantwortlichen allerdings vor große Herausforderungen. Die Einnahmen reichten kaum aus, um die tatsächlichen Kosten für Reparaturen und Sanierungen zu decken. Hinzu kamen Engpässe bei Baumaterialien und Handwerkerkapazitäten. Viele Altbauten in der Wurzener Innenstadt verfielen zunehmend, während gleichzeitig neue Wohnungen benötigt wurden.
In den 1970er- und 1980er-Jahren entstanden deshalb auch in Wurzen zahlreiche Plattenbauten, unter anderem in Wurzen Nord rund um die Friedrich-Ebert-Straße sowie im Bereich der Th.-Körner-Straße. Die industriell vorgefertigten Bauteile ermöglichten es, in vergleichsweise kurzer Zeit viele Wohnungen zu schaffen.
Mit der politischen Wende begann auch für die Wohnungswirtschaft ein neues Kapitel. Aus der damaligen „Kommunalen“ ging schließlich die heutige Wurzener Gebäude- und Wohnungsgesellschaft mbH (WGW mbH) hervor. Sie stand vor der Aufgabe, den über Jahrzehnte entstandenen Sanierungsbedarf zu bewältigen und die Wohnungen an moderne Wohnansprüche anzupassen.
Dabei wurde nicht einfach nur ein neuer Anstrich aufgetragen. Viele Gebäude erhielten eine energetische Sanierung mit Wärmedämmung und modernen Fenstern. Balkone wurden nachträglich angebaut, Grundrisse verändert und Wohnungen heller und offener gestaltet. Wo es baulich möglich war, kamen auch Aufzüge hinzu, damit die Wohnungen besser erreichbar sind.
Manchmal war sogar ein größerer Eingriff nötig: Beim sogenannten Teilrückbau wurden ganze Etagen abgetragen, um Gebäude an den heutigen Bedarf anzupassen. Ein Beispiel ist der bekannte „Kindergartenblock“ in der Friedrich-Ebert-Straße 35–45. Aus dem ehemals fünfgeschossigen Gebäude wurde durch den Rückbau der oberen beiden Etagen ein moderneres Haus mit drei Geschossen und zeitgemäßen Wohnungen.
Auch heute investiert die WGW mbH weiter in die Zukunft des Wurzener Wohnungsbestands. So wurde aktuell das Wohnhaus in der Straße des Friedens 22–24 umfassend modernisiert, um zeitgemäßen und barrierefreien Wohnraum mit Aufzügen zu schaffen. Aus Gebäuden, die einst vor allem den dringend benötigten Wohnraum bereitstellen sollten, wurden Schritt für Schritt Wohnungen, die heutigen Anforderungen gerecht werden.
Und unser Eimer?
Der hat all diese Veränderungen hautnah miterlebt. Vielleicht stand er auf einer Baustelle, war bei Reparaturen im Einsatz oder begleitete einen Hausmeister durch Keller und Treppenhäuser.
Wurde mit ihm Werkzeug transportiert? Hat er vielleicht auch mal die „Feierabendlimonade“ beinhaltet? Und welche Geschichten könnte er erzählen, wenn er sprechen könnte? Wie auch immer, sicher war er ein treuer Begleiter im Arbeitsalltag der Mitarbeiter der „Kommunalen“.
All das wissen wir leider nicht. Aber genau das macht diesen Fund so spannend. Unser Eimer ist ein seltenes Stück Unternehmensgeschichte, das plötzlich wieder ans Licht gekommen ist. Vielleicht ist er kein Schatz aus einer versunkenen Stadt, aber für uns ist er ein kleines Stück wertvolle Wurzener Geschichte zum Anfassen.
Wir wünschen euch ein schönes Wochenende! Haltet die Augen offen, denn oft sind es gerade die unscheinbaren Dinge, die uns an die spannendsten Geschichten erinnern. 😉