09/10/2026
Deutsche Spuren in Aserbaidschan: Gemeinsame Geschichte verbindet
Berlin, 7. Oktober 2026 – Mehr als 300 Gäste haben in Berlin die deutsch-aserbaidschanische Geschichte und das gemeinsame kulturelle Erbe gewürdigt. Die Botschaft der Republik Aserbaidschan in Deutschland veranstaltete den Abend „Deutsche Spuren in Aserbaidschan – Eine gemeinsame Geschichte“ mit der Premiere des Dokumentarfilms „Kontrapunkt“ von AnewZ TV und der Präsentation des Bildbandes „Deutsche Spuren in Aserbaidschan“.
Zu den Gästen zählten Vertreter des Auswärtigen Amts, Mitglieder des Deutschen Bundestages, Botschafter sowie Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft.
Der aserbaidschanische Botschafter Nasimi Aghayev erinnerte an die deutschen Siedler, die ab 1817 aus Württemberg in den Südkaukasus kamen und im heutigen Aserbaidschan acht Siedlungen gründeten, darunter Helenendorf, das heutige Göygöl, und Annenfeld, das heutige Şəmkir. Über Generationen lebten die deutschen Siedler und die aserbaidschanische Bevölkerung friedlich zusammen. Deutsche Architekten, Ingenieure und Unternehmer prägten zudem die Entwicklung des Landes und insbesondere das Stadtbild Bakus.
„Sie kamen nicht einfach nach Aserbaidschan. Sie wurden Teil Aserbaidschans“, sagte Aghayev. Zugleich erinnerte er an die Deportation der deutschen Bevölkerung nach Zentralasien durch das stalinistische Regime im Jahr 1941.
Anja Wallau, Beauftragte des Auswärtigen Amts für grenzüberschreitende und regionale Zusammenarbeit, würdigte die kulturelle Vielfalt Aserbaidschans und die Bewahrung des gemeinsamen historischen Erbes. „Gesellschaften werden nicht dadurch reich, dass unterschiedliche Stimmen gleich werden, sondern dadurch, dass verschiedene Traditionen und Geschichten sichtbar bleiben, sich begegnen und miteinander wirken“, betonte sie. Zugleich verwies Wallau auf die jüngst von Präsident Ilham Aliyev und Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnete Gemeinsame Erklärung über eine strategische Agenda für die bilaterale Partnerschaft, die neue Perspektiven für die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Aserbaidschan eröffne, insbesondere auch in den Bereichen Kultur, Bildung und Sprache.
Rufat Hamzayev, Exekutivdirektor von AnewZ TV, hob hervor, dass zwischenstaatliche Beziehungen vor allem durch Menschen und ihre gemeinsamen Geschichten geprägt würden. Er berichtete über die aufwendige Entstehung des Dokumentarfilms: Das Filmteam legte in Deutschland und Aserbaidschan mehr als 2.700 Kilometer zurück, führte Gespräche mit Nachfahren deutscher Siedler und wertete umfangreiches historisches Archivmaterial aus. Hamzayev unterstrich den Anspruch von AnewZ, auch komplexe historische Themen differenziert und objektiv zu beleuchten, und dankte der aserbaidschanischen Botschaft, den deutschen Partnern sowie dem Filmteam für die Unterstützung.
Der Dokumentarfilm „Kontrapunkt“ unter der Regie von Teodor Geonov zeichnet die Geschichte der deutschen Gemeinschaft in Aserbaidschan, ihr kulturelles Erbe und das friedliche Zusammenleben mit der aserbaidschanischen Bevölkerung nach. Die wissenschaftliche Beratung übernahm Prof. Dr. Eva-Maria Auch. Die erstmals in deutscher Sprache gezeigte Dokumentation wurde mit lang anhaltendem Applaus aufgenommen.
Im Anschluss präsentierte das deutsch-aserbaidschanische Quartett „Einklang“ ein Konzertprogramm mit Werken aus beiden Musiktraditionen. Der von der Botschaft in deutscher und englischer Sprache herausgegebene Bildband „Deutsche Spuren in Aserbaidschan“ mit Fotografien von Etibar Jafarov stieß ebenfalls auf großes Interesse.
Die Veranstaltung unterstrich, dass die mehr als 200-jährige gemeinsame Geschichte ein bedeutendes kulturelles Erbe und zugleich eine lebendige Brücke zwischen Deutschland und Aserbaidschan ist.